Unser Oberfranken

Mit allen Lappen gewaschen

Mit allen Lappen gewaschen

Wasser ist zum Waschen da – das gilt in der Bierhauptstadt Kulmbach besonders. Neu ist dort allerdings, dass schon das Wasser allein zum Sauberwerden reicht.

Waschies in Kulmbach

„Es ist, wie es immer ist, und alles ganz einfach.“ Was ein bisschen schlicht klingt, beschreibt eine Kulmbacher Firma, die weder das Eine, noch das Andere ist, denn Caroline Schuberth macht die Dinge weder „wie immer“ noch „einfach“. Aber sie kann beides: Lakonisch und leidenschaftlich, London und lokal.

Und „lokal“, das heißt in diesem Fall Oberfranken, präziser Kulmbach. Denn hierher kehrte die studierte Marketing-Fachbereich nach Stationen bei Großbanken in Frankfurt und London zurück, mit der Idee, ihre Aufgabe daraus mitzunehmen, nicht aber die Zwänge und Einschränkungen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

„London ist toll, wenn man Single ist“

Das war vor vor als einem Jahrzehnt, wenn Caroline Schuberth heute über Kulmbach spricht, dann klingt das warm, selbstverständlich, so wie jemand spricht, der genau weiß, wo er hingehört. „Ich bin selbst sehr ländlich aufgewachsen, und genau das wollte ich für meine Kinder auch“, sagt sie, mit Blick zurück auf eine Zeit in gläsernen Banktowern an Main und Themse.

Da die Kinder schon mehr oder weniger konkretes Ziel waren, und die Banken ihre fähige Marketingmitarbeiterin auch in einer Zeit nicht verlieren wollten, in der remote, in der Provinz sitzen und Life-Work-Balance in der konservativen Finanzbranche noch nicht selbstverständlich waren, packte Caroline ihre Koffer und kehrte zurück nach Oberfranken.

Agenturstart mit gefülltem Auftragsbuch

Im Gepäck nicht nur britische Souveniers, sondern vor allem einen bereits gefülltes Auftragsbuch, das den Start der eigenen Agentur – „Essence“ gibt es auch heute noch – sehr erleichterte. Von da an funktionierte vieles nach Plan, die Kinder kamen und wuchsen im beschaulichen Kulmbach auf, sicher, behütet, auf kurzen und vertrauten Wegen.

Doch dann – Caroline dazu „Es ist, wie es immer ist“ – war es die Abweichung von der Norm, das Spezialding, das dafür sorgte, dass die Unternehmerin die nächste Kurve in Richtung Innovation gelang: Die 2015 geborene Tochter litt an Neurodermitis – und zur Überraschung der Mutter herrschte ein Mangel an tauglichen Textilien.

„Es kann doch nicht sein, dass es so etwas nicht gibt!“

Doch der währte nicht lang, denn durch die Verbindnung von Weber-Know-how – die Großmutter war vom Fach – Bedarf und Unternehmergeist enstanden kurz darauf die „waschies“: Ursprünglich Waschlappen, auf eine besondere Weise aus speziellen Fasern gewebt, hochfunktonional und hygiensich, da auf 95 Grad waschbar.Kulmbach als Zentrale

Eigentlich als Sonderanfertigung für den Privatgebrauch gedacht, ließ die Größenordnung – 300 Meter Mindestabnahmemenge seitens der Weberei –  dies nicht zu, für Caroline Schuberth, keine Frage: „Da machen wir was draus.“

Heute, einige Jahre später, beschäftigt die waschies GmbH in Kulmbach acht Mitarbeitende, arbeitet nach viel Entwicklungs- und Marketingaufwand inzwischen kostendeckend und ist auf Expansionskurs.

Von Kulmbach in die Welt

So gibt es waschies inzwischen nicht mehr nur als Waschlappen, sondern auch als wieder verwendbare Abschminkpads, als Auftragepads und in diversen Variationen und Formen. Fast ebenso bunt ist die Produkte ist die Kundschaft: junge Frauen und Kinder, Hebammen und Pflegekräfte.

Waschen, waschen, waschenDer Vertrieb funktioniert weitestgehend online, über die sozialen Medien, doch auch in Kulmbach gibt es seit einiger Zeit ein Ladengeschäft. Es ist mehr Showroom als Umsatzbringer, öfter Videokulisse als Verkaufstresen, eher Fotostudio als Fachgeschäft.

Hier trifft man Caroline Schuberth, wenn sie zwischen Instastory-Dreh und Korea-Telefonat, von Kamerafrau zu Paketboten, vom Showwaschbecken zum Schreibtisch wirbelt. Denn sie hat noch eine ganze Menge vor, die Frau aus Kulmbach, die die weite Welt kennt, Bier trinkt, und sich mit Wasser nur wäscht.

Posted by Alexandra Buba in Unser Oberfranken
Die Insel der Vergessenen

Die Insel der Vergessenen

Auf Stippvisite im Mehrgenerationenhaus

Elsbeth Oberhammer lädt herzlich ein.


Kulmbach. Das Janosch-Motiv im Eingangsbereich wirkt wie ein Versprechen. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Figuren strebt einem Zufluchtsort zu. Ihr Ziel könnte auch das  Mehrgenerationenhaus sein. Die Einrichtung ist Schutzhöhle und Unterschlupf für Gestrandete. Momentaufnahmen von einer Insel inmitten eines Meeres aus sozialer Kälte.

Elsbeth Oberhammer öffnet schwungvoll die gigantische Holztür. Ihr strahlendes Lächeln korrespondiert mit der freundlichen Atmosphäre in der Einrichtung. Das bedeutet aber nicht, dass die Leiterin keine Sorgen plagen würden. „Man braucht starke Nerven und Gelassenheit in diesen Zeiten“, sagt sie eher beiläufig. Oberhammer sitzt im Café des Mehrgenerationenhauses in Kulmbach. Ein Projekt, das zu einer Institution für all jene wurde, die in ihrem Alltag kämpfen müssen. Um Anerkennung. Unterstützung. Anschluss. Schlicht um ein Stück Menschlichkeit.

Für diese Menschen bietet die Einrichtung ein bisschen Heimat. Sie ist Familientreff, Sprachschule, Sporthalle, Second-Hand-Laden und Kreativ-Atelier in einem. Seit sechs Jahren hält Oberhammer das Haus zusammen. Und mit diesem die Besucher, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Rentner. Kinder. Geflüchtete. Einsame und Vernachlässigte. Vergessene und Gestrandete.

Die Chefin hat Spaß an ihrer Arbeit. Immer wieder lässt sie das durchblicken. Dennoch hätte sie Anlass, sich den Kopf zu zerbrechen. Gerade jetzt, in diesen schrecklichen Pandemie-Zeiten. Einige der Menschen, die hier Unterstützung erhalten, sind nicht geimpft. Sie können deshalb nur eingeschränkt an den Angeboten teilnehmen. Auch Oberhammer hat Mühe, den Überblick zu behalten. Denn die Corona-Regeln ändern sich fast täglich. Oft herrscht Unsicherheit, ob das Mehrgenerationenhaus noch in der Form öffnen darf, wie es vor der Pandemie möglich war. 

Dennoch schlagen sich die Ehrenamtlichen Seite an Seite mit ihrer Leiterin durch die Krise und die oft unklaren Bestimmungen. Besonders Geflüchtete sind schließlich nach wie vor auf Sprachkurse und Betreuungsangebote angewiesen. Die Pandemie setzt der Einsamkeit von Rentnern kein Ende, sondern verstärkt diese sogar noch. Deshalb bieten Second-Hand-Shop und Werkstatt gerade jetzt Zuflucht für diese Menschen.

Hole Rößler in der Werkstatt für Senioren und Jugendliche

Das Tolle ist, dass man hier für die Gemeinschaft arbeiten und zugleich eigene Projekte umsetzen kann.

Hole Rößler, Mitarbeiter der Werkstatt

Hole Rößler nutzt seit vielen Jahren die Kreativ-Werkstatt. „Das Tolle ist, dass man hier für die Gemeinschaft arbeiten und zugleich eigene Projekte umsetzen kann“. Rößler und seine Kollegen bauen beispielsweise Schuhschränke für die Diakonie oder kleine dekorative Holzfiguren, die im Familientreff für wenig Geld verkauft werden. Stolz zeigt er ein Miniatur-Klavier, an dem er gerade werkelt. „Es ist ein Mitbringsel für ein Konzert, zu dem wir eingeladen sind. Die Pianisten bekommen kein Geld, daher wollte ich ihnen als Dank ein kleines Klavier aus Holz basteln.“

Die Kreativ-Werkstatt liegt im Keller des Gebäudes. Dort arbeiten Rentner und Jugendliche. Für die Profi-Werkstatt nebenan ist eine Sicherheitsunterweisung notwendig. Bei Arbeiten mit der Stich- oder Kreissäge guckt immer ein erfahrenerer Handwerker den Neulingen über die Schulter. Nebenan ein großer Raum voller Holzschränke und Mal-Utensilien. Aquarell- und Öl-Farben, Bunt- und Gelstifte, Pappe und farbiges Papier. 

Im Second-Hand-Shop „KuKaTZ“ finden Eltern auch Kinderklamotten

Wer nicht zu Bastlern zählt, kann beispielsweise den Second-Hand-Shop ehrenamtlich unterstützen. Hier nehmen die Damen gebrauchte Kleidung,  Spielzeug und Kinderwagen an. Sie waschen und etikettieren die Ware, sortieren sie ein und verkaufen sie anschließend preiswert. Zunächst lag der Fokus auf den billigen Preisen. Inzwischen steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. Das beobachtet Sibylle Gack. Sie hilft jeden Mittwoch im Shop aus. „Mein Mann ist gestorben, und ich habe mich zuhause gelangweilt. Ich wollte einfach wieder unter Leute. Dann bin ich hier hergekommen. Das Haus war voller Leben, und da habe sofort gewusst: Hier bin ich zuhause.“ 

Gerade Kinder kommen oft hierher. Sie berichten darüber, was sie erlebt haben. Und freuen sich selbstverständlich über die große Auswahl an Spielsachen. Gack berichtet, dass gut erhaltene Klamotten meist noch am Ankunftstag direkt wieder über die Ladentheke gehen. Inzwischen können die Frauen gar nicht mehr alle Spenden annehmen und unterbringen. Die vier Räume im zweiten Stock reichen bei weitem nicht mehr aus. Was im Mehrgenerationenhaus übrig bleibt, wird an die Diakonie oder zur Kleiderspende weitergegeben. So schließt sich die nachhaltige Kette. 

Mir macht es Spaß mit den Frauen zu sprechen, ihre Probleme zu hören und sie zu unterstützen.

Bettina Will, ehrenamtliche Sprachpatin

Bettina Will (zweite von links) genießt die gemeinsamen Treffen

Bettina Will kann ihrer Leidenschaft, zu unterrichten, auch nach ihrer Pensionierung weiter nachgehen. Als Patin bringt sie geflüchteten Frauen die deutsche Sprache bei. Verständnis-Barrieren gebe es eigentlich nie: „Wenn ich mal was nicht weiß, tippen wir es einfach ins Handy“. Aysha Mamo schwärmt von dem Kochabend, den die Frauen zusammen mit Bettina veranstaltet haben. Sie tischten traditionelle Gerichte aus ihren Heimatländern auf. „Hier ist es gut. Hierher kann ich immer  mit meiner Tochter kommen und erhalte Hilfe.“

Jedes Mal gibt es viele Fragen zu beantworten. Zur Agentur für Arbeit. Bei rechtlichen Konflikten. Bei Schulproblemen der Kinder. Sprachpatinnen wie Bettina Will unterstützen die Frauen, wo immer sie nur können. Die Frauengruppe. Das ist für Elsbeth Oberhammer ein wichtiges Stichwort. Ihre Herzensangelegenheit sozusagen. „Ich empfinde meine Frauengruppe als sehr bereichernd, weil sie auch meinen Horizont immer wieder erweitert.“ Frauen wissen die Atmosphäre im Mehrgenerationenhaus besonders zu schätzen. Sie sind endlich angekommen. Auf der Insel der Vergessenen.

Elsbeth Oberhammer unterstützt den Sprachkurs

Posted by Jennifer Schnell in Arbeit & Leben, Jennifer Schnell, Unser Oberfranken
„Ich nasche sehr oft bei der Arbeit. Weil die Gelegenheit nun mal da ist.“

„Ich nasche sehr oft bei der Arbeit. Weil die Gelegenheit nun mal da ist.“

Ich nasche sehr oft bei der Arbeit. Weil die Gelegenheit nun mal da ist.“

Seit 1992 steht die Esther Confiserie für hochwertige Schokoladen-Produkte in Oberfranken. Dort ist sie seit jeher die erste Anlaufstelle für Trüffel und anderes Naschwerk. Peter-Alexander Pelz ist der Inhaber und Fachmann für Herstellung von Pralinen aller Art. In diesem Interview gibt er einen kleinen Einblick in das Chocolatier-Handwerk seiner Manufaktur.

1. Die Entstehungsgeschichte der Esther Confiserie hat ja einen ungewöhnlichen Grund. Können Sie da ins Detail gehen?
 „Mein Vater schenkte meiner Oma mal sehr schlechte Pralinen. Er hat sich dann schnell in den Kopf gesetzt, dass er das selbst viel besser kann. Das war im Jahre 1992. Und seit dem stellen wir selbst Schokolade und Pralinen her.“

2. Was zeichnet die Esther-Praline im Vergleich zu anderen aus?
„Unser Kern-Sortiment sind unsere Trüffel, die wir seit der Gründung selbst von Hand herstellen. Auszeichnend sind 60-prozentiger Alkohol von höchster Qualität und hochwertige Schokolade aus Belgien.“

3. Sie erwähnten eben die Handarbeit. Legen Sie da einen großen Wert drauf?
Ja, sehr. Wir füllen die Pralinen von Hand und wir dragieren sie in der Dragiertrommel von Hand. Handarbeit spielt bei uns auf jeden Fall eine große Rolle.“

4. Wie viele unterschiedliche Pralinen-Sorten stellen Sie her?
„Ungefähr dürften das zwischen 30 und 40 sein. Das schwankt aber immer ein Bisschen saisonal, weil zu Weihnachten oder Ostern andere Produkte bei uns angeboten und hergestellt werden.“

5. Jetzt haben Sie Weihnachten schon angesprochen. Was für saisonale Produkte haben Sie im Angebot?
„Jetzt zur Vorweihnachtszeit gibt es bei uns zum Beispiel kleine Weihnachtsmänner, Rentiere und Schneemänner aus Schokolade. Außerdem stellen wir unsere Lebkuchen-Sahne-Trüffel her. Die landen auch in unseren Adventskalendern. Mit und ohne Alkohol.“

6. Jedes Geschäft hat ja seinen Kassenschlager. Was ist es bei Ihnen?
„Das meistgekaufte Produkt, was die Pralinen betrifft, sind eindeutig die Marc de Champagner-Trüffel. Die sind für Feiern oder jetzt auch für Silvester sehr beliebt. Oder in den Sommermonaten besonders oft unsere Caipirinha- oder Mojito-Trüffel, als Anlehnung an das Samba-Festival in Coburg.“

7. Wie sehen die einzelnen Arbeitsschritte in Ihrer Pralinen-Herstellung aus?
„Wir fangen mit der Füllung an. Dazu kochen wir Sahne, Zucker und Butter in einem Topf auf und lassen sie schmelzen. Danach geben wir die temperierte Schokolade dazu und zum Schluss den Alkohol. Wenn die Masse gut vermischt ist, gießen wir sie in unsere Abfüllmaschine, wo wir die Pralinen-Kugeln von Hand füllen. Nachdem sie ausgehärtet sind, kommt ein Deckel drauf und sie werden entweder dragiert oder überzogen. Der letzte Schritt ist das Verpacken.“

8. Bei Schokoladen-Herstellung kommt es ja sehr auf die Temperatur an. Was kann schiefgehen und auf was muss man besonders achten?
„Das allerwichtigste ist die Temperierung der Schokolade. Wenn man sie einfach schmilzt und in irgendeine Form gießt, würde sie aus dieser nicht mehr rauskommen. Auch würde sie kratzig schmecken und sich biegen wie eine Banane. Man muss sie temperieren, da durchläuft sie mehrere Temperaturkurven und wird so formstabil.“

9. Wie kommt man zum Beruf des Pralinen-Herstellers?
„Man kann mehrere Wege dafür einschlagen. Von der Basis ist es sehr mit einer Konditor-Ausbildung zu vergleichen. Von dort aus kann man beispielsweise viele Weiterbildungen im Bereich Chocolatier angehen, um im Pralinen-Geschäft Fuß zu fassen.“

10. Die Esther Confiserie ist ein zertifizierter Genussbetrieb der Genussregion Oberfranken. Wie kommt man zu solch einer Auszeichnung?
„Man muss ansässig in Oberfranken sein. Außerdem müssen die Rohstoffe aus der Region stammen und mit geprüfter Spitzenqualität gekennzeichnet sein. Ist bei uns jetzt nicht direkt möglich, weil die Schokolade bekanntermaßen nicht in Oberfranken wächst. Dennoch sollte man darauf achten, dass man regional einkauft. Unser Schokoladen-Zulieferer ist zum Beispiel in Bamberg.“

11. Seien Sie ehrlich. Wie oft nascht man während der Arbeit?
„Wie oft nascht man? Das ist ganz einfach zu beantworten. Sehr oft. Das hat selbstverständlich auch viel mit der Qualitätskontrolle zu tun. Aber wenn man jeden Tag von den Produkten umringt ist, dann hat man eigentlich keine Wahl. Ich kann da selbstredend nur von mir reden. Aber ich nasche sehr oft bei der Arbeit, weil die Gelegenheit nun mal da ist.“

12. Was macht Ihnen an Ihrem Beruf besonders Spaß?
„Das Abwechslungsreiche. Die Produktentwicklung sowie Herstellung der Pralinen und Schokoladen. Oder auch der Umgang mit Fehlern und sich um die reibungslose Rohstoff-Bestellung während Corona kümmern. Es ist immer spannend und unterschiedlich.“

13. Was bedeutet Genuss für Sie?
„Mal abschalten. Das Produkt genießen, was man bekommen hat. Selbstredend in dem Wissen, dass es handwerklich hergestellt wurde und man auch weiß, wo es herkommt.“

Posted by Michael Winkel in Arbeit & Leben, Genuss, Unser Oberfranken
Schuften im Schlaraffenland

Schuften im Schlaraffenland

Zu Besuch in der Esther Confiserie

Schuften im Schlaraffenland

Grafendobrach – Wie oft nascht eigentlich ein Pralinen-Hersteller? Ständig. Sagt zumindest Peter-Alexander Pelz. Das hat vor allem mit Qualitätskontrolle zu tun. Denn was süß daherkommt, entspringt harter Arbeit. Pralinen-Liebhaber akzeptieren nichts Minderwertiges. Diese Erfahrung machte vor 30 Jahren sein Vater. Damals noch als Kunde. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

 

Werksverkauf in Grafendobrach. Champagner-Trüffel in Tüten. Glasierte Früchte. Schokoladenbruch mit Haselnüssen. Bunte Schleifchen. Eierlikör-Flaschen aufgereiht wie Bowling-Pins. Ein wahres Farbenmeer. Willkommen im Schlaraffenland! Mit einem strahlenden Lächeln empfängt der Juniorchef und Inhaber der Manufaktur die Besucher. Wache Augen hinter einer Brille mit großen umrahmten Gläsern. Die Arbeitskleidung schlicht. Weste und Kappe. Ein weißer Kittel mit Schokoladenspritzern.

Der Chef wirkt selbstbewusst. Souverän. Kompetent. Die Esther Confiserie ist ein Familienunternehmen in zweiter Generation. Zur Gründung der Firma trug ein eher enttäuschendes Erlebnis bei. „Mein Vater schenkte meiner Oma mal sehr schlechte Pralinen. Er hat sich dann schnell in den Kopf gesetzt, dass er das selbst viel besser kann.“ 1992 gründete der Senior das ungewöhnliche Unternehmen. Heute steht die Marke für handgemachte Pralinen und Schokoladen auf hohem Niveau.

Herzlich willkommen im Schlaraffenland Esther!
(Foto: Michael Winkel)

Regale des Werksverkaufs in Grafendobrach
(Foto: Michael Winkel)

Früher Morgen. Der Inhaber auf dem Weg in die Produktion. Heute stehen Wodka-Trüffel auf dem Plan. Der traumhafte Geruch von heißem Kakao erfüllt die Küche. So intensiv, dass man ihn förmlich auf der Zunge spürt. Der Schokoladen-Brunnen ist das Herzstück der Manufaktur. Eine Mitarbeiterin hält eine der unzähligen Tafel-Formen in den dickflüssigen Strahl. Auf Tischen stapeln sich leere Schablonen.

In der Pralinen-Station wabert die Ganache auf einem Ceranfeld. Ganache nennt der Fachmann die Füllung der Trüffel. Zucker, Butter und Sahne verschmelzen mit der flüssigen Schokolade zu einer Creme.

Nun heißt es kräftig rühren, bis sich alles gut vermischt. „Es ist ganz wichtig, durchgehend zu rühren, damit am Topfboden nichts anbrennt“, sagt Pelz, während er die Ingredienzien vermengt. Erst wenn die Masse perfekt gemixt ist, kommt die Hauptzutat: hochprozentiger Wodka. Während Pelz diesen in die Füllung gießt, spricht er etwas Spannendes an:

„Bis zum letzten Tropfen. Ganz wichtig. Der Alkohol ist nämlich steuerfrei. Und zum Jahresende müssen wir penibel genau angeben, wie viel wir verbraucht haben. Sonst gibt es Ärger mit dem Hauptzollamt. Aus dem Grund müssen wir ihn auch wegsperren.“

Eine Temperiermaschine mit Überzieh-Laufband
(Foto: Michael Winkel)

Das Herzstück: der endlose Schoko-Brunnen
(GIF: Michael Winkel)

Die Schokolade landet im Zucker-Sahne-Gemisch
(Foto: Michael Winkel)

Die inzwischen vier Kilogramm schwere Masse gießt er in den Trichter der Abfüllmaschine. Pralinen-Kugeln füllen ist Präzisionsarbeit. Von Hand. Im immer gleichen Takt schnellt der Hebel rauf und runter. Die Temperatur der Ganache ist entscheidend. „Ist sie zu heiß, schmelzen die Kugeln an ihrem Äquator. Ist sie zu kalt, kann man sie nicht mehr gut verarbeiten.“

Die Arbeit an dieser Maschine nimmt viel Zeit in Anspruch. Stunden. Die Charge Wodka-Ganache reicht aus, um alle Regale in der Produktions-Küche mit Pralinen zu füllen. „Jetzt müssen sie erst mal aushärten. Morgen kommt dann der Deckel drauf. Anschließend überziehen wir sie mit einer weiteren Schicht Schokolade oder dragieren sie.“ Unter Dragieren versteht man das Bestäuben der Pralinen mit einem süßen Puder unter stetiger Bewegung.

Ganache wird in die Abfüllmaschine gegossen
(Foto: Michael Winkel)

Die Pralinen-Kugeln bekommen ihre Füllung
(Foto: Michael Winkel)

Fertig gefüllte Pralinen in den Regalen
(Foto: Michael Winkel)

Für heute ist die Arbeit in der Produktion geschafft. Zumindest für den Chef. Seine Mitarbeiterinnen sind damit beschäftigt, Dutzende handgefertigte Schokoladen-Tafeln aus ihrem Korsett zu befreien. Jede einzelne ist ein Unikat. Und bereit für die Verpackungs-Station.

Szenenwechsel: Im Lager türmen sich mannshoch Kartons und Pralinenschachteln. Manche Stapel ragen so weit in die Höhe, dass sie bereits die Decke berühren. Andere sind so wackelig geschichtet, dass sie jeden Moment drohen einzustürzen. „Hier landet unsere Ware. Zum Beispiel Kommissionen und Bestellungen. Tatsächlich ist das Lager leerer als sonst, weil Weihnachten kommt“, sagt Pelz.

In der Verpackungs-Station sind auf einem drei Meter langen Tisch unzählige Pralinenschachteln aufgehäuft. Keine gleicht der anderen. Jeder Praline gebührt ihr eigenes Förmchen. Nachdem alles in der Box verstaut ist und der Deckel zugeklebt wurde, ziert noch eine braune Schleife die Packung. 

„Schluss für heute.“ Ein langer Arbeitstag in der Esther Confiserie neigt sich dem Ende zu. Pelz wirft in der Küche noch einen letzten kritischen Blick auf die Tagesproduktion. Sieht gut aus. Endlich Feierabend im Schlaraffenland.

Bunte Esther-Trüffel bereit für ihre Verpackung
(Foto: Michael Winkel)

Posted by Michael Winkel in Arbeit & Leben, Genuss, Unser Oberfranken
Im Reich der Trüffel-Träume

Im Reich der Trüffel-Träume

Die neue Esther Genusswelt

Im Reich der Trüffel-Träume

Kulmbach – Alles begann mit einer Riesenenttäuschung. Die teuren Pralinen für die Oma erwiesen sich als minderwertig. Weil der Überbringer das nicht auf sich sitzen lassen wollte, gründete er vor knapp 30 Jahren eine eigene Firma. Nach dem Umzug schlägt die Esther Genusswelt jetzt ein neues Kapitel in der Firmengeschichte auf.

Seit dem 17. September 2021 präsentiert sich die Kulmbacher Institution im frischen Ambiente. Am Kressenstein 1 fand die Confiserie eine neue Heimat. Viele Jahre war die Esther Genusswelt am Marktplatz ansässig. Weil das Sortiment stetig wuchs, war die Pralinen-Manufaktur zum Ortswechsel gezwungen. Eine neue Location fand sich schnell. Schon im März schlossen sich die Türen am Marktplatz für immer. Inhaber Peter-Alexander Pelz und sein Team konzentrierten sich fortan voll und ganz auf die Umbauarbeiten im künftigen Geschäft.

Der neue Laden bietet genügend Raum für ein kleines Café. Bis zu acht Gäste finden hier Platz. Anja Krawietz, Angestellte in der Genusswelt, freut sich über die neuen Möglichkeiten. Vor allem über das erweiterte Angebot:

handgemachte Schokoladentafeln mit kandierten Blütenblättern oder Nüssen, Pralinen mit oder ohne Alkohol und Espresso. „Zu Weihnachten gibt es außerdem Lebkuchen aus Waldsassen, Adventskalender und Trüffel mit ausgefallener Füllung.“

Das Familienunternehmen ist in zweiter Generation tätig. „Ursprünglich war die Eröffnung für den 16. April geplant. Wegen der Corona-Pandemie, Krankheitsfällen und dem Mangel an geeigneten Arbeitskräften mussten wir den Termin verschieben“, sagt Pelz. Vier Mitarbeiter arbeiten aktuell im Kulmbacher Geschäft, sieben am Hauptstandort in Grafendobrach – vier in der Produktion, zwei Verpacker und der Inhaber. Die Zeit der Umbauarbeiten überbrückte Pelz mit einem Pop-up Store im Café la Piazza am Marktplatz.

Schokoladenüberzogenes Obst
(Foto: Michael Winkel)
Eine bunte Auswahl an Trüffel und Pralinen
(Foto: Michael Winkel)
Verpackte Vanille-Sahne-Trüffel
(Foto: Michael Winkel)

Pralinen-Herstellung ist komplex. Vor allen Dingen zeitaufwändig: Ganache kochen. Pralinen-Kugeln füllen. 24 Stunden aushärten lassen. Versiegeln. Wieder aushärten lassen. Glasur. Ein drittes Mal aushärten lassen. Verpacken. Deshalb sind handgemachte Trüffel auch sehr viel teurer als beim Discounter. Sie erhalten aber auch mehr Anerkennung. Die Esther Genusswelt ist zertifizierter Genussbetrieb der Genussregion Oberfranken. Verwendung finden Zutaten von höchster Qualität. Beispielsweise 60-prozentiger Alkohol und hochwertige Schokolade aus Belgien.

Die Adventszeit wird am Kressenstein 1 großgeschrieben. Im ersten Stock des Ladens findet sich künftig jedes Jahr ein Weihnachtsmarkt.

Interessante Präsente gibt es schon jetzt: „Ich habe hier für meine Freundin ein Geschenk gesucht und wurde schnell mit den Champagner-Trüffel fündig. Die haben uns so gut geschmeckt, dass ich jetzt regelmäßig vorbeikomme“, sagt ein zufriedener Kunde.

Die neue Fläche bietet auch genügend Platz für einen Weinkeller
(Foto: Michael Winkel)
Weihnachts-Stimmung im ersten Stock der Esther Genusswelt
(Foto: Michael Winkel)

Posted by Michael Winkel in Arbeit & Leben, Genuss, Unser Oberfranken

Oberfränkische Erfolgsgeschichte – wie Carolin Schuberth mit ihren Waschies von Kulmbach aus die Welt erobert

Oberfränkische Erfolgsgeschichte - wie Carolin Schuberth mit ihren Waschies von Kulmbach aus die Welt erobern will

In der Kulmbacher Innenstadt gibt es die Waschies zu kaufen. Inhaberin Carolin Schuberth berät gerne.

Kulmbach. Die Nachwuchsmodels  von Heidi Klum hielten sie schon vor laufender Kamera in der Hand, auch Unternehmer Ralf Dümmler ließ sich in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ von ihnen begeistern und entschied sich für ein Invest. Bis die Waschies nationale und internationale Bekanntheit erreichen, ist es jedoch ein weiter Weg, der seinen Anfang im Jahr 2015 nimmt – in Kulmbach. 

Nach der Geburt ihrer Tochter Valerie stellt Mutter Carolin Schuberth schnell fest, dass die alltägliche Reinigung mit Feuchttüchern Probleme hervorruft. Das Kind leidet unter Hautirritationen. Zudem ist die Verwendung herkömmlicher Tücher alles andere als umweltfreundlich. Also entscheidet sich Schuberth selbst ein geeignetes Produkt zu entwickeln – hypoallergen, wiederverwendbar und weich genug für zarte Babyhaut. Doch so ein Produkt lässt sich ohne Expertise und professionelle Hilfe kaum selbst herstellen. Den entscheidenden Tipp gibt Caroline Schuberths Mutter.

Carolin Schuberth hat Internationales Management studiert, bei Banken gearbeitet und eine Werbeagentur gegründet.

Mit dem von der Mutter entworfenen Muster in der Tasche wird Schuberth bei einer Weberei in der Nähe vorstellig. Fünf Meter sollen dort nach ihren Wünschen hergestellt werden. Fünf Meter? In solchen Größenordnungen denkt in dem Unternehmen niemand. 300 Meter sind die Mindestnorm. Denkt Schuberth heute an diesen Moment zurück, muss sie lachen. Und auch damals, im Jahr 2015, lässt sie sich von der Größenordnung nicht abschrecken. Dann halt 300 Meter. 

Sie kauft eine Nähmaschine, stellt das Gerät in ihrer Agentur ab und fängt an zu nähen. „Die ersten Prototypen haben wir in der Familie verschenkt“, erzählt Schuberth. Doch das ist natürlich nur der Anfang. Die Marketingfachfrau entwirft ein Logo, lässt sich einen Namen schützen und designet Verpackungen. Ende 2016 schaltet sie ihren Onlineshop frei. Die Unternehmerin stellt schnell fest, dass die Waschies nicht nur ein Produkt für Kleinkinder sind, sondern sich auch ideal zum Abschminken eignet. Also näht sie entsprechende Pads und erweitert ihr Sortiment. 

Waschies gibt es in verschiedenen Farben. Sie lassen sich bei 95 Grad waschen und sind dadurch wiederverwendbar.

Zwar erfreuen sich die Waschies großer Beliebtheit und die Umsätze steigen, doch der große Verkaufserfolgt bleibt aus. Also, so erzählt es Schuberth heute, will sie es zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Marcella Müller auf der ganz großen Bühne probieren. Die Frauen bewerben sich bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ – und werden eingeladen, ihre Geschäftsidee vor fünf Investorinnen und Investoren sowie laufender Kamera zu präsentieren. Mit Erfolg. Die flauschigen Kissen wecken das Interesse von Unternehmer Ralf Dümmel. Im Gespräch betont Schuberth:

„Der Unterschied zu unseren Konkurrenten ist, dass die Waschies echte Qualitätsprodukte sind.“

Weben, Färben, Nähen – die Produktion findet weitgehend in Oberfranken statt, nur ein kleiner Teil in Asien. In den deutschsprachigen Ländern gehöre der wiederverwendbare Waschlappen inzwischen zu den „Lieblingsprodukten“, erzählt Schuberth. Auch woanders in Europa sowie in Teilen des Mittleren Ostens werden Waschies verkauft. Als nächstes sollen die Produkte, zu denen eine eigene Kinderlinie gehört, den südkoreanischen Markt erobern. Ein großes Ziel, das demnächst in Angriff genommen wird, sind die USA.

Das Erfolgsrezept ist einfach und international verständlich. Mit den Waschies und wenig Wasser lässt sich Schminke innerhalb weniger Sekunden abwaschen.

Doch wie kam es überhaupt zu dem Name? „Der kommt von meinen Kindern. Die haben sofort gesagt, dass das doch Waschies seien“, erzählt Schuberth. Groß war dann die Freude, als vor zwei Jahren die Waschies ihren ganz großen Auftritt hatten. Bei Germanys Next Topmodel hielten Heidi Klums beste 

Posted by Till Börner in Unser Oberfranken
Im Familientreff werden Wünsche wahr

Im Familientreff werden Wünsche wahr

Mehrgenerationenhaus

Das Mehrgenerationenhaus in Kulmbach bietet auf vier Stockwerken viel Platz für Kinder und Erwachsende.

Kulmbach. Weihnachten verbinden viele Kinder mit Geschenken unterm Tannenbaum. Doch manche müssen darauf verzichten. Weil die Familie in schwierigen sozialen Verhältnissen lebt. Initiativen wie die jährliche Wunschzettel-Aktion der Geschwister-Gummi-Stiftung und der Diakonie sind deshalb besonders wichtig. Auch in diesem Jahr lassen sich dank Spenden viele  Wünsche erfüllen. 

Die Geschwister-Gummi-Stiftung setzt sich seit über 150 Jahren für das Wohl von Kindern, Jugendlichen und Familien ein. Zu den richtungsweisenden Projekten zählt der Familientreff im Kulmbacher Mehrgenerationenhaus. Zum Angebot gehören ein kinderfreundliches Café, Elternkurse, Mütterzentrum und Sportveranstaltungen. Erwachsene haben die Möglichkeit, sich über Erziehungsthemen auszutauschen. Rentner und Jugendliche können in der Werkstatt Ideen umsetzen oder im Second-Hand-Shop mitarbeiten. So entstehen Chancen für generationenübergreifende Dialoge. Gespräche über Kenntnisse, Erfahrungen und Lebensfragen.

Kinder finden in den Wohngruppen vorübergehend ein Zuhause, wenn es in der Familie zu Konfliktsituationen kommt. Das Ziel: Sie sollen sich gesund und behütet entwickeln können; idealerweise entstehen daraus sichere Bindungen. Die Wohngruppen erfüllen die Aufgabe, für Kinder in belastenden und dramatischen Lebenslagen eine beschützende Atmosphäre zu schaffen. Fachpersonal begleitet diesen Prozess mit Krisenintervention, Diagnostik, individueller Therapie und Perspektivenförderung. Langfristig soll die Bindung zwischen Kindern und Eltern stabil und verlässlich werden, ein Zusammenleben wieder möglich sein. 

Highlights der letzten Jahre im Mehrgenerationenhaus

Auch Hort, Ganztagsschule und Mittagsbetreuung zählen zum Angebot der Geschwister-Gummi-Stiftung. Bildung, Betreuung und Erziehung stehen im Fokus. Soziale Fachkräfte hören den Schülern zu. Sie spielen mit ihnen, nehmen die Bedürfnisse der jungen Menschen ernst und begleiten sie in ihrem Alltag. Hausaufgaben-Hilfe, Naturerlebnisse, Musik- und Sportunterricht – jedes Kind soll individuell die passende Beschäftigung finden. Auch in den Ferien. 

Für die Umsetzung der sozialen Projekte sind die Initiatoren auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. Noch bedeutender: staatliche Förderung. Diese wurde Anfang des Jahres für acht weitere Jahre genehmigt. Das neue „Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander“ stützt das Projekt mit jährlich 40.000 Euro. Eine Bestätigung für das Konzept des Mehrgenerationenhauses.  

„Wir unterstützen unsere Familien, Alleinstehende, Paare, jüngere und ältere Menschen. So gut es geht, damit wir alle gestärkt aus dieser Zeit herauskommen, um dann wieder neu durchzustarten“

Elsbeth Oberhammer, Leiterin des Familientreffs, ist optimistisch, trotz der pandemiebedingten Probleme während der vergangenen zwei Jahre. Bundesweit gibt es über 530 vergleichbare Einrichtungen. Zu ihren Befürworterinnen zählt die ehemalige Bundesfamilienministerin Franziska Giffey: 

 „Die Mehrgenerationenhäuser sollen dazu beitragen, gute Entwicklungschancen und faire Teilhabemöglichkeiten zu schaffen – für alle Menschen, die in Deutschland leben. Gleichwertige und bessere Lebensverhältnisse fangen im Konkreten mit der Begegnung von Menschen an.“ 

Ein Projekt der Senioren-Werkstatt: Die Krippe für den Innenhof
Bücher-Station im Familientreff

Posted by Jennifer Schnell in Arbeit & Leben, Jennifer Schnell, Unser Oberfranken
„Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben“

„Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben“

Ein Interview mit Ottmar Müller

Karsten Babucke traf zu einem Gespräch Braumeister Ottmar Müller


Ich treffe mich mit dem Braumeister der Brauerei Haberstumpf in Trebgast. Die Brauerei fällt mit ihren außergewöhnlichen Flaschen und einem innovativen Konzept auf. Die Brauerei in Trebgast befindet sich in einem alten Brauhaus. Das Sudhaus besteht schon seit vielen Generationen. Hier wird das Brauen noch mit der Hand durchgeführt. Aber auch der Umstand, dass der Besitzer wechselte und das viel erneuert wird, gibt Raum für Kreativität.

KB: Was sind deine Funktionen hier in der Brauerei.

Ottmar: Also ich habe vor ziemlich genau zwei Jahren hier angefangen, als Braumeister. Und hab die schöne Aufgabe, die alte Brauerei vom Herrn Wernlein in ein neues modernes Schmuckstuck zu verwandeln. Da dazu gehört, die komplette Brauereitechnik auf den neusten Stand der Technik zu bringen, um wieder adäquat Bierbrauen zu können.

KB: Das klingt nach einem spannenden Projekt. Hier wird sich bestimmt noch viel in naher Zukunft ändern. Aber seit wann gibt es eigentlich die Brauerei in Trebgast?

Ottmar: Die Brauerei geht eigentlich auf das Jahr 1531 zurück. Sprich, wir haben bald fünfhundertjähriges Jubiläum. Die Brauerei war ursprünglich bei der Kirche. Sie ist dann irgendwann aus allen Nähten geplatzt und so hatte man sich damals entschlossen, bei den Bierkellern einen Neubau zu machen. Um das Brauen größer zu gestalten und es für die Zukunft fähig zu machen.

KB: Die Familie Haberstumpf hatte die Brauerei seit 1830 in Familienbesitz. Doch bis jetzt hat sich einiges geändert. Besonders in den letzten Jahren gab es Höhen und Tiefen.

Es gab Höhen und Tiefen, das stimmt. Der August Haberstumpf hatte einen tödlichen Unfall im Gärkeller. So kam es, dass der Hans Wernlein die Brauerei übernahm. Wie die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den zwei sind, ist mir unbekannt. Bis vor zwei Jahren hatte er die Brauerei geführt und aus Altersgründen und mangels Nachfolger musste er aufhören. Gott sei Dank hat Herr Förtsch die Brauerei aufgekauft. So kann die Brautradition hier in Trebgast weiter gehen.

KB: Das war ja ein Glücksfall, dass der Herr Förtsch die Brauerei übernommen hatte. Wie erging es der Brauerei in der Pandemie?

Also es geht der Brauerei gut bergauf. Das Thema Corona war, so blöd wie es klingt, für uns nicht gerade das Schlechteste. Weil wir im laufenden Betreib die komplette Betriebstechnik austauschen konnten. Und von daher sehen wir die Situation mit einem lachenden und weinenden Auge. Wir hatten halt mehr Zeit Erneuerungen zu machen. Für uns hat das gerade gut gepasst für die Zeit des Umbaus.

KB: Mit einem neuen Besitzer ändert sich in der Regel viel. Was bedeutet der Wandel für die Brauerei Haberstumpf genau?

Zum einen neue Biersorten und zum anderen die Brauerei technisch den neuesten Stand zu bringen. Vorher gab es die üblichen 0,5-Liter-Flaschen und ein paar Sorten. Wir haben jetzt unser Helles – unser Rubin – als Standard-Biersorte. Wir fangen jetzt noch an alle Monate ein Spezialbier zu brauen. Jetzt haben wir gerade das „Hahnzwergla“, dann kommt der „Bock“, dann ist ein „Weizen“ angedacht und alles andere werden wir dann sehen.

KB: Es besteht die Legende, dass hier in Trebgast eines der ersten Zwickel-Bier gebraut wurden, ist das richtig?

Äh ja. Das war der Vorbesitzer.

KB: Was ist das Sortiment der Brauerei Haberstumpf?

Da haben wir unser Helles, das ist unsere Hauptsorte. Dann haben wir noch das „Rubin“. Das ist ein rötliches, malzbetontes Bier. Im Winter gibt es den „Bock“ – das Doppelbock. Aktuell gibt es das bernsteinfarbenes Fest Bier. Und was es die Monate danach gibt, das verrate ich noch nicht. Das wird eine Überraschung. (Lacht)

KB: Was ist die Zukunftsvision der Brauerei?

Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben. Wir wollen hauptsächlich in Bierwirtschaften unser Fassbier ausschenken. Hier vor Ort wollen wir natürlich den Biergarten verschönern und erweitern. Und natürlich mit neuen Bierspezialitäten die Gäste überraschen. Das war momentan noch nicht so möglich, weil wir durch die Umbaumaßnahmen einige Rückschläge einstecken mussten. Weil Leitungen korrodiert waren. Dann hatten wir Infektionen in den Leitungen. Das haben wir jetzt alles im Griff. Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.

Und als kleinen Geheimtipp: Es wird in ein paar Jahren einen Whiskey geben. Der lagert schon bei uns im Felsenkeller. Das heißt wir haben dort spezielle Whiskey-Bier Sude gemacht. Die sind wie die Bierwürze nur ohne Hopfen mit Torfmalz aus der Region. Das ist spezielles Malz, das gedarrt wurde, um diesem Malz einen richtigen, kernigen moorigen Charakter zu geben.

Ottmar Müller präsentiert sein neues Bier
Ottmar Müller präsentiert sein neues Bier

KB: Der Whiskey gehört jetzt nicht zu den fränkischen Spezialitäten. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den Whiskey nach Oberfranken zu bringen.

Es ist überraschenderweise so, dass Deutschland mittlerweile mehr Whiskeybrennereien hat als Schottland. Und es gibt hierzulande auch immer mehr Whiskey-Liebhaber. So einen haben wir auch hier in unserem Betrieb und der kam dann auf mich zu. Also haben wir es einfach ausprobiert.

Der Ursprung im Vergleich zum Bier ist eigentlich dasselbe. Die Herstellung der Würze ist ähnlich wie beim Bier, nur dass die Stammwürze deutlich höher ist, da man viel mehr Alkohol braucht, um möglichst viel Whiskey zu bekommen.

KB: Warum soll man es nicht einfach machen?

Eben. Das ist das Schöne am Brauberuf, dass er so vielseitig ist. Wir haben mit Whiskey zu tun, mit Bier und wir haben freie Zutaten. Aus denen kann man so viel machen – verschiedene Biersorten und Whiskey. Das ist einfach super!

Als Braumeister ist es natürlich ein Glücksfall, in so ein Unternehmen zu kommen. Das man von Grund auf erneuern kann. Die Biersorten zu kreieren. Ein Team zusammen zu stellen. Das ist schon nicht alltäglich, dass man in so eine Gelegenheit kommt. Normalerweise ist man in einem Großbetrieb Abteilungsleiter im Sudhaus oder in der Abfüllerlei. Aber hier ist es immer spannend. Hier ist kein Tag gleich. Es gibt immer irgendwelche Probleme zu lösen. Und das ist genau das, was mir Spaß macht. Da gehe ich gern auf meine Arbeit.


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Feuerwasser aus dem Fichtelgebirge

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Das Trebgaster Whiskey-Projekt

von Karsten Babucke

Not macht erfinderisch. Weil die Brauerei Haberstumpf nur noch schwer über die Runden kam, übernahm 2019 ein Investor das Unternehmen. Der modernisierte nicht nur Sudhaus und Braukeller, sondern auch das Sortiment. Jetzt kommt Whiskey aus Trebgast.

Seit Anfang Oktober lagert in den alten Bierkellern Hochprozentiges. „Hier, am Ortseingang nach Trebgast, wurde früher das Bier gekühlt“, berichtet Braumeister Ottmar Müller. Verwinkelt und verzweigt führen die Stollen in den Berg. Hinter einer Stahltür reift der neue Schatz der Brauerei. Über 27 Holzfässer ruhen hier. Mindestens drei Jahre müssen die Fässer liegen, bis sich der Inhalt Whiskey nennen darf.

Die Herstellung von Bier und Whiskey unterscheidet sich nur geringfügig. Als Grundlage für den Stoff dient ein spezieller Sud. Hierbei setzt Müller eine Bierwürze ohne Hopfen an. „Dazu kommt ein Torf-Malz, das unter einer sogenannten Darre gebrannt wurde.“ Durch diesen Prozess erlangt es einen kernig-moorigen Geschmack. Damit aus dieser Grundlage am Ende Whiskey entsteht, bedarf es eines großen Quantums Stammwürze. So entsteht ein wesentlich höherer Alkoholgehalt.

Nachdem die Brauerei in den letzten Jahrzehnten nur knapp über die Runden gekommen war, stieg 2019 ein neuer Investor ein. Bernd Förtsch machte nicht nur der veralteten Technik den Garaus. Er investierte in Sudhaus und Gärkeller. Und er schuf Raum für Innovationen. Der Braumeister und sein Team arbeiten jeden Monat an neuen Kreationen. Hierbei experimentieren die Lehrlinge auch mit eigenen Rezepturen. Das Sortiment erweiterte sich innerhalb weniger Monate. Einer der Mitarbeiter ist ein Whiskey-Fan. Er trug dem Braumeister die Idee vor, Whiskey zu produzieren. Müller und Förtsch stimmten zu.

Whiskey kommt ursprünglich aus Schottland und Irland. Nach schottischen Kriterien wird die Spirituose aus einer Getreidemalz-Maische gewonnen. Die Mischung muss einen Mindestalkoholgehalt von 40 Volumenprozent aufweisen. Je nach Getreideart erhält der Whiskey seinen Namen. So gibt es den Grain mit verschiedenen Weizensorten. Fast ausschließlich findet er Verwendung in Blended Whiskeys. Bourbon bezeichnet Whiskey, der überwiegend aus Mais besteht. Der Malt-Whiskey ist aus Gerste. Dabei wird auch noch zwischen Scotch oder Irish unterschieden – dem Herkunftsland.

Die Brauerei Haberstumpf verwendet eine Mischung aus verschiedenen Getreidesorten. Der Braumeister berichtet, dass in den letzten Jahren mehr Whiskey-Destillerien in Deutschland als in Schottland entstanden. „Bis der Trebgaster Whiskey auf den Markt kommt, dauert es noch einige Zeit“, sagt Müller. „Er muss jetzt erst mal drei Jahre liegen.“


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Erfolgreich in der Marktlücke

Erfolgreich in der Marktlücke

Ein Kommentar von Karsten Babucke

Kleine Privatbrauereien müssen ihr Heil in der Nische suchen. Dann bestehen sie auch im harten Konkurrenzkampf gegen die Biergiganten. Wie das funktioniert, zeigt die Brauerei Haberstumpf in Trebgast. Ein Unternehmen, das für traditionelles Brauhandwerk steht. Es entwickelt aber auch Ideen. Der Mix entscheidet: Tradition und Innovation.


Nach wie vor erweist sich die Marktlage als gut. Auch in Zeiten der Pandemie trinken die Deutschen viel Bier, wenn auch überwiegend zu Hause. Doch kleine Brauereien leben vor allem vom Ladenverkauf. Sie beliefern keine großen Getränkehändler, sondern bieten ihre Produkte im Biergarten oder direkt der Kundschaft an. Für Betriebe dieses Zuschnitts spitzte sich die Situation in den vergangenen Jahren weiter zu. Vor allem wegen der Megabrauereien, die den Markt mehr und mehr dominieren. Sie produzieren Unmengen industriell. Dank der Fernsehwerbung sind sie allgegenwärtig. Die Folge: extreme Konzentrationsprozesse. Kleine Brauereien sterben oder werden von Aktiengesellschaften aufgekauft. Diese wiederum gehen häufig in weltweit agierenden Konzernen auf.

Dieses Schicksal ist aber nicht unausweichlich. Voraussetzungen für ein Überleben sind unternehmerischer Mut, Kreativität und Offenheit für Wandel. Eigenschaften, die seit Jahren die Verantwortlichen in dem Trebgaster Unternehmen auszeichnen. Sie stehen exemplarisch für andere fortschrittliche und ideenreiche Brauereien in Oberfranken. Das Haberstumpf-Team repräsentiert selbstverständlich auch traditionelle Braukunst. In den Sudkesseln reifen Rubin, Zwickl, Helles und Bock. Streng nach bayerischem Reinheitsgebot. Ohne Chemie. Ohne Geschmacksverstärker. Ohne Farbstoffe. Vor allem ohne trendigen Schnickschnack exotischer Mischsorten.

Die Innovation zeigt sich manchmal in scheinbar kleinen, aber wichtigen Details, die zum Verkaufsschlager werden können. Haberstumpf beispielsweise kreierte die 0,75-Liter-Bierflasche. Ein Alleinstellungsmerkmal auf dem umkämpften Biermarkt. Die Idee: Sie lässt sich aufrecht im Kühlschrank neben Wein und Milch lagern. Damit setzte die Brauerei ein Ausrufezeichen in der Branche.


Mag ja sein, dass die Großbrauereien den Markt mit Pils und Kölsch beherrschen. Aber gerade in ländlichen Gegenden schwören die Verbraucher auf Bodenständiges und Bewährtes. Was Haberstumpf vorlebt, ist ein ermutigendes Signal für andere regionale Brauereien. Das Beispiel lehrt: Mut zur Nische, zahlt sich aus.


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