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Nächtliche Prügelei mit Folgen

Nächtliche Prügelei mit Folgen

War es vorsätzliche Körperverletzung oder Notwehr?

Was genau ist in der Nacht zum 28. November 2018 vor der Spielothek in der Albert-Ruckdäschel-Straße geschehen? Davon wurden bei der Verhandlung vor dem Kulmbacher Amtsgericht unterschiedliche Versionen erzählt. Fakt ist: es kam zu einer Schlägerei. Der Auslöser war banal. Der Roller der Zeugin N., Angestellte der Spielothek und Freundin des Angeklagten, wurde eingeparkt. Gleich zwei Mal im Laufe des Abends, beide Male vom Geschädigten J. und seinem Kumpel A. Die Zeugin war wütend und wollte die Angelegenheit mit den beiden jungen Männern klären. Leider ohne Erfolg. Sie lief zurück in die Spielhalle zum Angeklagten.

Offen blieb, ob die beiden Männer den Angeklagten direkt aufforderten, zu ihnen herauszukommen oder ob sie über die Zeugin Drohungen an ihren Freund weitergeben ließen. Das Ergebnis: der Angeklagte stürmte aus der Spielothek, es kam zu hitzigen Diskussionen und schließlich zu einer Prügelei. Leidtragender war der Zeuge J., der dabei erheblich verletzt wurde (Nasenbeinbruch, Risswunde am Ohr etc.). Diese Verletzungen mussten später im Klinikum Kulmbach behandelt werden. Der muskulöse Angeklagte war dem eher schmächtigen Zeugen J. körperlich offensichtlich überlegen. Er selbst will bei der Auseinandersetzung auch verletzt worden sein. Seine Freundin meint, sich an ein blaues Auge erinnern zu können. Beim Arzt war der Angeklagte jedoch nicht.

Der Angeklagte schwieg bisher zu den Vorfällen

Vor Gericht schilderte der Angeklagte erstmals die Geschehnisse der fraglichen Nacht aus seiner Sicht. Der Zeuge J. habe ihn mit einer Bierflasche angegriffen und er habe deswegen in Notwehr gehandelt. Und so forderte er über seinen Anwalt Freispruch. Seine Version unterschied sich aber von den bisherigen Ermittlungen der Polizei. Der Angeklagte konnte auch nicht erklären, wieso er derartig brutal gegen den unterlegenen Zeugen J. vorging.

Die Frage nach der Bierflasche tauchte in der Zeugenvernehmung immer wieder auf. Die Zeugen J. und A. bestritten einen Angriff mit einer Bierflasche. Außer den beiden Zeugen und dem Angeklagten hat niemand die Schlägerei gesehen. Zumindest konnte kein Zeuge ermittelt werden, der die Version des Angeklagten bestätigte. Gegen den Angeklagten sprach auch, dass er – im Gegensatz zu den Zeugen – einschlägig vorbestraft ist.

Unzufrieden mit dem Verhandlungsverlauf

Zu Beginn präsentierte sich der Angeklagte noch sehr zurückhaltend. Im Laufe der zweistündigen Verhandlung verlor er zunehmend die Kontrolle über sich. Sein Anwalt konnte ihn kaum mehr zurückhalten.

Die Version des Tathergangs des Angeklagten konnten letztlich weder die junge Staatsanwältin noch die Richterin überzeugen. Bei der Urteilsverkündung widersprach der Angeklagte weiter der Richterin und musste mehrfach ermahnt werden. Verurteilt wurde er dann auch wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Haarscharf kam er noch einmal an einer Gefängnisstrafe vorbei. 4500 Euro (150 Tagessätze) muss er jetzt zahlen – und die Kosten des Verfahrens.

Posted by Tanja Freiberger in Panorama, Tanja Freiberger, Unser Oberfranken
Schwarzwald-„Tatort“ ohne Mord

Schwarzwald-„Tatort“ ohne Mord

Tatort – „Für immer und dich“ – Sonntag, 10.03.2019, ARD

Ein junger Mann stirbt, schon ziemlich am Anfang. Bei einem Unfall mit unterlassener Hilfeleistung. Ein Hund wird getötet, unnötig brutal. Eine verbotene sexuelle Beziehung mit strafrechtlicher Relevanz spielt eine große Rolle. Ein typischer „Tatort“ – auch ohne richtigen Mord?

Ein älterer Mann und ein junges Mädchen sind im Auto unterwegs. Es ist Hochsommer, heiß, beide sind nur leicht bekleidet. Auf den ersten Blick Vater und Tochter. Auf den zweiten Blick: Zweifel daran. Ihr tropft Eis aufs Bein, er streicht mit dem Finger darüber und leckt es ab. Sexuelle Spannung entsteht. Sind die beiden ein Paar?

Ein Jugendlicher klaut den Beiden bei einem Stopp mit dem Hund (der eine wichtige Rolle spielt) die Laptoptasche aus dem Wagen. Der Mann springt ins Auto und verfolgt den Dieb auf der kurvigen Straße. Kurze Zeit später hat er zwar die Tasche wieder – der Dieb und sein Moped liegen im Abgrund. Hier kommt die Polizei ins Spiel. Unfallflucht und Tod durch unterlassene Hilfeleistung. Am Ort des Geschehens bleibt nur ein Außenspiegel zurück.

Auftritt der Ermittler des Schwarzwald-„Tatorts“: Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) übernimmt die Ermittlungen, seine Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau) kümmert sich parallel um den schon seit zwei Jahren offenen Fall der verschwundenen Emily Arnold. Deren Mutter glaubt, ihre Tochter lebend gesehen zu haben. Als der Unfallwagen in Bergs Fall aufgespürt wird, findet sich darin DNA von Emily Arnold. Die Ermittlungen laufen zusammen.

Die beiden Protagonisten – Andreas Lust als Martin Nussbaum und Meira Durand als Emily – können überzeugen, die Polizisten bleiben blass, unwichtig für den Fortgang der Handlung. Sie sind dabei, um den Titel „Tatort“ zu rechtfertigen.

Die Darstellerin der Emily muss eine schauspielerische Glanzleistung vollbringen, um ihre ambivalente Rolle als Teenager und Geliebte glaubhaft darzustellen. Das gelingt auch sehr oft. Der Österreicher Andreas Lust lässt den Zuschauer die Verzweiflung eines in die Enge getriebenen Menschen in aussichtsloser Lage beinahe körperlich spüren. Man hasst ihn für seine Taten, hat aber gleichzeitig Mitleid mit dem Loser, das nichts auf die Reihe bekommt und seine Mutter – nicht zum ersten Mal – um ihr Erspartes bringen will.

Die Frage nach einem „Warum“ stellt sich von Anfang an. Offen bleibt, warum Emily mit Martin gegangen ist. Ist sie eine Lolita, oder treibt sie ein Vaterkomplex an? Ist sie auf der Suche nach Sex oder nach einem Vater? Der Eigene ist früh gestorben. Freiwillig ist sie mit Martin mitgegangen. Auf der Suche wonach? Das bleibt offen. Sie hätte immer die Möglichkeit gehabt, zu gehen. Regisseurin Julia von Heinz sagt selbst, dass der Film keine Antworten auf diese Fragen hat. Enttäuschend.

Sex ist für Martin ein Bedürfnis. Für Emily ist es Mittel zum Zweck, aber eklig, zumindest jetzt. Sie wird zu alt für Martin. Er schenkt ihr Kinderunterwäsche zum Geburtstag. Sie wollte Kopfhörer oder eine Powerbank. Seine Liebe gehört ihr. Ihre Liebe gehört dem Hund. Den zerstört er. Sie entwickelt sich weiter, er nicht. Er bleibt auf der Stufe eines Pubertierenden stehen.

Kameramann Stefan Sommer kommt mit der Handkamera den Figuren sehr nah. Das fängt die emotionale Labilität beider Protagonisten und ihrer Abhängigkeit voneinander treffend ein. Der Film bewegt sich zwischen sengender Hitze am Tag und kühlen Szenen in der Nacht, gleichzeitig Abbild der emotionalen Zustände der Hauptfiguren des Films.

Rio Reiser liefert posthum Titel und Musik. Sein Song “Für immer und Dich” taucht nicht nur im Film auf, sondern ist auch Titel der „Tatort“-Folge. Für Regisseurin Julia von Heinz ist Rio Reisers Song eine “perfekte Symbiose aus Leichtigkeit, Wärme und tiefem Schmerz”.

Die Handlung wirkt oft konstruiert, damit es halt weitergeht. Alles ist vorhersehbar. Das Thema ist ein Aufreger, der „Tatort“ aber gefühlt kein Krimi. Eher der Versuch, einen der erfolgreichsten „Tatort“-Folgen von 1977 („Reifezeugnis“) in die heutige Zeit zu bringen. Das gelingt? Nicht!

Posted by Tanja Freiberger in Panorama, Tanja Freiberger, Unser Oberfranken
Blamage für Bayreuth

Blamage für Bayreuth

Basketball Bundesliga – medi Bayreuth gegen Syntainics MBC in Weißenfels

Kraftlos und konfus: so gingen die Spieler von medi Bayreuth am Sonntag in der Stadthalle von Weißenfels unter. Nur drei Tage nach dem überraschenden Heimsieg gegen Titelfavorit ALBA Berlin verloren die Oberfranken das Duell gegen den abstiegsbedrohten Syntainics MBC mit der 90:108 (43:53). Kapitän Bastian Doreth stellte sich nach der Partie als einziger der Presse. Richtig sauer ist er: „Anscheinend wollen wir, dass die Saison in zwei Wochen zu Ende ist.“

Dabei gingen die Bayreuther als Favoriten in das Spiel. In der Tabelle stehen sie zwar nur vier Plätze vor dem MBC, hatten mit 14 Spielen aber doppelt so viele Siege auf dem Konto, wie die Weißenfelser.

Schwacher Start für medi

In der mit 2.450 Zuschauern gut gefüllten Stadthalle in Weißenfels startete medi Bayreuth – wie schon zuletzt – schwach in die Partie und lag schnell zweistellig zurück. In den letzten Spielen fanden die Bayreuther schnell besser zu ihrem Spiel, am Sonntagnachmittag bestimmten die Weißenfelser das Geschehen. Vor allem Andrew Warren, der bereits zur Pause 24 seiner insgesamt 30 Zähler auf dem Konto hatte, trug die Wölfe bis zur Pause nahezu im Alleingang. Er brachte den Wolfsbau zum Beben, dabei stellte er auch noch einen neuen persönlichen Punkterekord auf. Und hatte viel Spaß: „It was a lot of fun.“

Diesen Schwung nahm das Team von Silvano Poropat auch in den dritten Abschnitt mit und hielt weiterhin seinen Vorsprung. Vier Minuten vor dem Ende hatte medi die Möglichkeit, durch Kassius Robertson mit einem freien Dreier nochmals auf sechs Zähler heranzukommen. Der Wurf des Kanadiers ging jedoch nicht in den Korb der Wölfe. Die legten in den folgenden 90 Sekunden ihrerseits ordentlich nach und zogen wieder mit 14 Punkten davon. Am Ende zerfiel die Mannschaft von Bayreuth komplett. Der Wolfsbau tobte und die Spieler des MBC ließen sich den Sieg nicht mehr nehmen. Die Weißenfelser Fans skandierten schon drei Minuten vor Schluss: „Hier regiert der MBC.“

Bayreuths Basketballer ohne Kraft

Eine Mannschaft wollte den Sieg am Sonntag einfach mehr: der MBC. Mit ihrem 8. Saisonerfolg haben die Weißenfelser einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Die „Heroes of tomorrow“ – wie sie sich nennen – ließen sich von ihnen teilweise vorführen. Toller Teambasketball, Kampf und Energie war nur beim MBC zu sehen. Bayreuth zeigte heute eine mangelhafte Defensive gepaart mit einer inkonsequenten Offensive. Ungenaues Passspiel, Probleme mit der Ballkontrolle und beim Abschluss, hektische Aktionen: die medi-Spieler fanden kein Mittel gegen die wie entfesselt aufspielenden Weißenfelser.

Bayreuths Headcoach Raoul Korner wäre ein Sieg heute sehr wichtig gewesen. Nach dem Spiel war er enttäuscht: “Wir schaffen es nicht, uns für solch ein Spiel am Riemen zu reißen und die Intensität zu bringen, die man braucht, um auswärts zu gewinnen. Wir erlauben 108 Punkte, das ist ein Witz. Es ist nicht gelungen, die nötige Energie aufs Feld zu bringen. Wenn man das zum wiederholten Mal nicht hinkriegt, dann ist man nicht in den Play-offs und verdient es auch nicht, da zu sein. Irgendwann müssen wir das zur Kenntnis nehmen.”

Die Bayreuther haben sich aus dem Rennen um die Play-off-Plätze mit der unnötigen Niederlage wohl endgültig verabschiedet und die Chance vergeben, nach Punkten mit dem achten Platz gleichzuziehen.

Bayreuth muss am kommenden Samstag auswärts bei ratiopharm Ulm antreten. Beim Tabellensechsten treten sie dann hoffentlich wieder als ein geschlossenes Team auf.

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Omas Beerdigung war der Anfang

Omas Beerdigung war der Anfang

Ein Trauerfall versetzt uns in einen Ausnahmezustand. Es ist wichtig, jemand an seiner Seite zu haben, dem man vertrauen kann.
Michael Stübinger ist aus vollem Herzen Bestatter.

„Eigentlich wollte ich in vier Wochen aufhören.“ Michael Stübinger wird Ende Juli 60. Fast ein Viertel Jahrhundert arbeitet er in einem Beruf, in dem er sich täglich mit einem schwierigen Thema auseinandersetzen muss: Mit dem Tod. Der Kulmbacher Stadtrat Stübinger ist hauptberuflich Bestatter. Das hat heute nichts mehr mit dem bierernsten Totengräber von früher zu tun. Michael Stübinger ist ein stattlicher Mann, groß, braungebrannt. Mit einem markanten Schnäuzer und kleinen Lachfalten um die Augen. Korrekt gekleidet, mit weißem Hemd und blauer Krawatte, trotz der großen Hitze. Er lacht gerne und viel, sein trockener Humor macht das Thema Tod erträglicher.

Schon mit 18 hat er bei der Beerdigung seiner Großmutter das Gefühl, das ist ihm nicht würdevoll genug. Er würde einiges anders machen. Dennoch schlägt er erst andere Wege ein. Er wird Kaminkehrer, verpflichtet sich 12 Jahre bei der Bundeswehr, studiert Umwelttechnik und arbeitet bei einem Kulmbacher Unternehmen. Am Bierfest 1995 trifft er einen ehemaligen Kollegen, der inzwischen auf dem Friedhof arbeitet. Michael Stübinger beschließt: „Ich denke, ich mache ein Bestattungsinstitut auf.“ Der Bekannte erzählt ihm von einem Bestatter, der aus gesundheitlichen Gründen einen Nachfolger sucht. Dann geht es schnell. Im August unterschreibt er die Verträge, ab dem 1. Oktober gehört ihm das Bestattungsinstitut. Ahnung hat er von dem Metier da noch nicht. Damals ist Bestatter kein Ausbildungsberuf. Ein Gewerbeschein genügt. Die Kenntnisse muss sich Michael Stübinger selbst aneignen. Der Vorbesitzer verspricht, ihn einzuarbeiten. Doch dann kommt es völlig anders. Am 26. September stirbt der Mann und Stübinger hilft beim einbetten. Es ist seine erste Beerdigung als Bestatter.

Bestatter ist ein Job rund um die Uhr

Es ist ein hartes Geschäft. Stübinger erzählt: 24 Stunden muss er erreichbar sein, 365 Tage im Jahr. Am Anfang hat er alles alleine gemacht, dann übernahm seine Frau die Büroarbeit. Inzwischen hat er vier Angestellte. Diese übernehmen nun auch Bereitschaftsdienste, entlasten ihn. Aber: die schwierigen Fälle bekommt doch immer er. Stübinger wird ernst. Schwierig, das ist für ihn, wenn Kinder sterben, Suizide. Leichenteile aufklauben. Damit muss er fertig werden. Polizei-Leichen nach Unfällen, das macht er seit sechs Jahren nicht mehr. Das war ein zu schweres Geschäft, mit noch mehr Bereitschaftsdienst und wenig Anerkennung.

Wichtig ist es für ihn, auch mal Abstand zu gewinnen. „Man kann mit den Angehörigen mitfühlen, aber man darf nicht mittrauern, sonst zerbricht man irgendwann“. So ganz scheint er es aber nicht zu schaffen. Vor 10 Jahren hat er den ersten Herzinfarkt. Michael Stübinger ist immer für alle da. Er möchte es perfekt machen. Aber jetzt auch mal Zeit mit seiner Frau und seinem jungen Hund genießen. Allerdings fehlt ihm ein Nachfolger. Er hatte auf seine Kinder gesetzt. Die Beiden sind in das Geschäft von klein auf mit hineingewachsen. Seine Tochter machte nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau als eine der Ersten die neue Ausbildung zur Bestatterin. 12 Jahre hat sie im Familienbetrieb mitgearbeitet, bis es ihr zu viel wurde. Ihr erster Beruf sei nervenschonender, sie arbeitet jetzt wieder als Bürokauffrau.

Nachfolger dringend gesucht

Stübinger möchte sein Lebenswerk nicht an irgendjemanden übergeben. Er sucht einen Nachfolger, der das Beerdigungsinstitut in seinem Sinn weiterführt. Fast schon hatte er eine Nachfolgerin gefunden. Eine junge Bestattungsmeisterin, mit dem besten Abschluss in Deutschland kam sie nach Kulmbach. Nach einem Jahr stieg sie mit ins Geschäft ein. Doch dann fiel sie aus gesundheitlichen Gründen plötzlich längerfristig aus. Die junge Frau wird wahrscheinlich nie mehr in dem Beruf arbeiten können. Damit ist auch die Übernahme des Geschäftes geplatzt. Stübingers Sohn trat in die Fußstapfen des Vaters und wurde Kaminkehrer. Dennoch setzt Stübinger alle Hoffnungen in ihn: Sein Sohn hilft immer noch mit, wenn Not am Mann ist. Stübinger klingt hoffnungsvoll: Vielleicht übernimmt der Sohn das elterliche Geschäft doch noch, eventuell in drei Jahren. Gerne würde er dann weiter mithelfen, aber die Verantwortung abgeben.

Michael Stübinger erzählt sehr engagiert von seinem Beruf. Er machte ihn immer gerne, zumindest bis vor fünf oder sechs Jahren. Er will den Toten einen letzten Dienst erweisen. Sie gut zurechtmachen, für den letzten Anblick. Für ein schönes, würdevolles Bild, das den Angehörigen im Gedächtnis bleiben soll.

Er wird ernst. In den letzten Jahren wurden die Anforderungen immer höher. Die Kunden wollen immer mehr, ein letztes großes Ereignis inszenieren, sehen ihn als eine Art Last-Event-Manager. Das gefällt ihm nicht. Für ihn gilt das Motto: „Dienst den Lebenden. Würde und Ehre den Verstorbenen.“

An fast alle Beerdigungen kann er sich noch gut erinnern. Wie er mit den Angehörigen am Tisch saß, sich Geschichten aus dem Leben des Verstorbenen angehört hat. Stübinger kann gut mit Menschen umgehen. Ihnen das Gefühl geben, sie sind wichtig, der Verstorbene ist wichtig. Sein trockener Humor hilft in den schweren Stunden, sich auch an schöne Dinge zu erinnern, auch mal Lachen zu können. Positiv sind dann auch die Rückmeldungen. Er freut sich über jedes Dankschreiben, manchmal kommen auch kleine Aufmerksamkeiten von zufriedenen Angehörigen. Gerne erinnert er sich an das positive Schreiben, das Thomas Gottschalk ihm geschickt hat. Die Beerdigung für Gottschalks Mutter hatte er gestaltet. Er hat Rutila Gottschalk auch gut gekannt, sie hat zwei Häuser über seinem Büro gelebt.

Manchmal kommt es anders

Michael Stübinger will immer sein Bestes geben, eine perfekte, würdevolle Beerdigung ausrichten. Trotzdem läuft auch bei ihm nicht immer alles nach Plan. Schon ziemlich am Anfang seiner Bestatterlaufbahn hatte er ein kurioses Erlebnis. Ausgerechnet am 11.11. Anlass: Eine große Beerdigung des Schwiegervaters eines Kulmbacher Ehrenbürgers. Die Friedhofskapelle rappelvoll. Alles scheint gut vorbereitet. Der geschmückte Sarg wird an Stübinger vorbeigerollt. Er schaut, dann stockt ihm der Atem: auf dem Wagen steht der falsche Sarg. Heute kann er darüber lachen. Damals wäre er am liebsten im Erdboden versunken. Es half nichts. Wie ein armer Sünder stand er mit trockenem Hals vor der versammelten Trauergesellschaft und gab seinen Fehler zu. Der Sarg wurde gegen den Richtigen getauscht und es konnte doch noch der richtige Tote betrauert werden. Diese Beerdigung wird er nie vergessen, sein Verhalten hat ihm aber auch Sympathie in Kulmbach eingebracht.

Sein Organisationstalent war auch bei einem anderen ungewöhnlichen Fall gefragt: Zwei Stunden vor der Beerdigung riefen die Angehörigen an, das Grab sei ja gar nicht offen. Stübinger forschte nach: in der Friedhofsverwaltung war ein Zahlendreher passiert. Ein Grab war geöffnet und komplett abgetragen worden, nur leider das falsche. Schnell aktivierte er seine eigenen Grabmacher, die mit ihrem Bagger anrückten, der Steinmetz lies sein Mittagessen stehen und kam auch auf den Friedhof. Zwischendrin hatte Stübinger noch eine andere Beerdigung. Er habe den Pfarrer gebeten, ein Lied mehr singen zu lassen, damit sie noch etwas mehr Zeit hätten. Geschafft haben sie es noch rechtzeitig, aber Stübinger sagt lachend: „In der Zeit bin ich um zehn Jahre gealtert.“

Für seine letzte Ruhestätte hat er auch schon Pläne. Er überlegt, sich eine Gruft in Kulmbach zu kaufen. Was für einen Vorteil das hat? Er lacht: „Keinen. Aber am Jüngsten Tag tu ich mir leichter mit dem ´rauskrabbeln.“

Michael Stübinger

Posted by Tanja Freiberger in Panorama, Tanja Freiberger, Unser Oberfranken
Pakete voller Probleme

Pakete voller Probleme

Eine Gerichtsreportage im Stil von Jakob Augstein

Irgendwie ging alles ganz schnell. „Nachgedacht habe ich erst später“, sagt Lena B.* Später – als der Nachbar die Polizei schon längst verständigt hatte und die Pakete schon in der Wohnung von Lena B. und Patrick W.* lagen. „Das war alles ziemlich dumm“, sagt Patrick W. Er blickt zu Boden, den Arm hat er um seine Freundin gelegt. Wenn er redet, klingt seine Stimme ruhig und vernünftig. Man sieht ihm an, dass ihm das alles zu viel wurde. Es waren die Schulden, die das junge Pärchen zu Straftätern machten. Das weiß auch die Richterin. Immer wieder nickt sie verständnisvoll, wenn die beiden Angeklagten erzählen. „Wir haben viel zu übertrieben gelebt“, sagt Lena B. Und auch ihr Freund gibt das zu: „Mit Geld konnten wir einfach nicht umgehen.“ Zu den Mietschulden kamen immer mehr unbezahlte Rechnungen, aus den Rechnungen wurden Mahnungen. Ihre Post öffneten die beiden irgendwann gar nicht mehr. „Vor den Problemen weglaufen“ nennt Patrick W. das. „Völlig dumm“, sagt seine Freundin, „aber wir waren wirklich verzweifelt.“ Die Richterin versteht das. „Und dann sind Sie auf dumme Gedanken gekommen“, sagt sie. Lena B. und Patrick W. sitzen noch immer eng umschlungen auf der Anklagebank. Sie sind jung, er Mitte 20, sie erst seit wenigen Jahren volljährig. Ruhig erzählen sie von Lena B.s Job als Postbotin. Von der Idee, Pakete verschwinden zu lassen und sie zu Geld zu machen. Und von dem Tag, an dem aus dieser Idee eine Straftat wurde.

Es passierte ganz schnell. Lena B. war als Postbotin unterwegs. In ihrem eigenen Haus stellte sie fünf Pakete im Flur ab. Fünf Pakete für fünf verschiedene Menschen, die nicht im Haus wohnten. Pakete, die Lena B. eigentlich ausliefern sollte. Stattdessen nahm sie Patrick W. an sich, schaffte die Päckchen vom Flur in die gemeinsame Wohnung. Fast 200 Euro war ihre Beute wert. „Aber ich wusste, dass das alles falsch war. ich wollte die Pakete wieder zurückbringen und am nächsten Tag ausliefern“, beteuert Lena B. Sie macht den Eindruck, wirklich alles zu bereuen, sieht die Richterin mit einem verzweifelten Blick an. Die scheint ihr zu glauben und nickt wieder. Lena B. senkt den Kopf und sagt dann: „Aber so weit kam es ja dann nicht.“ Denn ihre Tat flog sehr schnell auf: Ein Nachbar hatte alles beobachtet und die Polizei gerufen. Als der Nachbar vor Gericht erscheint, wird Patrick W. unruhiger. Seine Freundin sieht ihn immer wieder prüfend an. Sie scheint Angst zu haben, dass er die Fassung verliert – denn das würde ihr Urteil negativ beeinflussen. Auch der Richterin fällt der plötzliche Wandel auf. Sie scheint sich davon aber nicht beeinflussen zu lassen, richtet ihren Blick wieder auf den Zeugen. Der Nachbar beginnt mit seiner Schilderung, Patrick W. bleibt gelassen. Auch als der Nachbar erste vorwurfsvolle Blicke nach hinten zur Anklagebank wirft, kann Patrick W. sich noch zurückhalten. Lena B. wirkt angespannt, sieht ihren Freund immer wieder an. Der beißt sich auf die Lippen und schweigt. „Ich kann es nicht fassen, welche Nachbarschaft man hier heutzutage hat“, schimpft der Nachbar. Als das Wort „Drogen“ fällt und der Nachbar von „asozial“ und „aggressiv“ spricht, verliert Patrick W. die Beherrschung. Er schreit den Nachbarn an. Seine Freundin fleht ihn an, leise zu sein. Der Nachbar fühlt sich in seiner Sache bestätigt und zeigt auf Patrick W. Die Richterin wird lauter: „Herr W., machen Sie jetzt nicht alles wieder kaputt!“ Patrick W. schweigt. Seine Freundin und die Richterin atmen erleichtert auf, der Nachbar lehnt sich in seinem Stuhl zurück und versucht, ein Grinsen zu unterdrücken. Die Richterin sieht Patrick W. an. „Sie haben bei mir schon einige Pluspunkte gesammelt durch Ihr positives Verhalten“, sagt sie dann, „also reißen Sie sich bitte jetzt auch noch zusammen.“ Patrick W. nickt.

Als der Nachbar den Raum verlässt, verschwindet mit ihm auch die Anspannung. Im Gerichtssaal kehrt wieder Ruhe ein. Sie haben aus ihren Fehlern gelernt, beteuern die Angeklagten. Dank neuer Jobs verdienen beide nun besser. Eine Freundin hilft, Rechnungen und Briefe zu sortieren und abzuarbeiten. Die Richterin nickt zufrieden. Die Schulden werden weniger, sagt Patrick W. „Jetzt möchten wir mit dieser Aktion abschließen und vernünftiger werden“, bestätigt Lena B. Sie wird wegen Unterschlagung und wegen Verletzung des Briefgeheimnisses zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen verurteilt. Sie nickt, nimmt das Urteil hin. Als die Staatsanwältin das Plädoyer für Patrick W. vorliest, gerät der in Panik. Die Staatsanwältin ist jung und zielstrebig. Die Worte der Reue beeindruckten sie wenig. Sie richtet sich nach den Fakten, zählt Patrick W.s Vorstrafen auf – und diese Liste ist lang. „Das sind alles Vermögensdelikte. Genau wie dieses Verbrechen auch“, sagt sie. Chancen auf Besserung sieht sie nicht. Sie richtet ihren Blick wieder auf ihre Unterlagen und liest. Das Wort „Freiheitsstrafe“ fällt. Patrick W. wird panisch. Er will nicht ins Gefängnis, fleht die Richterin an. Die will ihn beruhigen: „Die Freiheitsstrafe ist auf Bewährung. Sie müssen nicht ins Gefängnis – zumindest solange Sie sich jetzt nichts mehr zu Schulden kommen lassen.“ Patrick W. bricht in Tränen aus: „Aber in nächster Zeit kommt noch ein Verfahren auf mich zu!“ Der jungen Staatsanwältin mit dem Pokerface entgleiten die Gesichtszüge. „Das wusste ich nicht“, murmelt sie. Auch die Richterin wusste davon nichts. Doch schlussendlich entscheidet sie sich genauso wie die Staatsanwältin: Patrick W. erhält eine Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung. „Das Verfahren, das da noch auf die zukommt, wird von diesem Urteil nicht beeinflusst“, erklärt ihm die Richterin. Denn zum Zeitpunkt, als Patrick W. die zweite Straftat beging, hatte er ja noch keine Bewährungsstrafe. Patrick W. atmet erleichtert auf, seine Freundin nimmt seine Hand. „Aber ab jetzt gilt die Bewährung!“ mahnt die Richterin. Patrick W. nickt. Bevor Lena B. und er den Saal verlassen können, sieht die Richterin die beiden noch einmal prüfend an. Sie steht auf und sagt: „So, jetzt werden Sie mal erwachsen und kriegen Ihr Leben auf die Reihe!“

* Die Namen der Angeklagten wurden von der Redaktion geändert.

Posted by Marina Richtmann in Marina Richtmann, Panorama, Unser Oberfranken
Was macht ein Sommerlochkrokodil im Winter?

Was macht ein Sommerlochkrokodil im Winter?

Für gewöhnlich schaffen Schlangen, Schildkröten oder Krokodile es nur dann in unsere Zeitungen, wenn Redaktionen unterbesetzt sind. Einige Menschen sind jedoch auch noch dann für diese ausgesetzten Kreaturen da, wenn das Sommerloch vorbei ist und bieten ihnen eine Heimat.

Rotwangen-Schmuckschildkröte am Bamberger Hainweiher

Wie viele von uns, verbringt auch Helga den goldenen Oktober 2018 an einem Teich. Dort genießt sie es, sich die Sonnenstrahlen auf den Rücken prasseln zu lassen und im kühlen Wasser ihre Bahnen zu schwimmen. Am 26. Oktober endet Helgas Traumsommer jäh. Bei ihrem Badeteich wird das Wasser abgelassen. Sie wird eingefangen und ins Bamberger Tierheim Berganza gebracht. Gerade rechtzeitig, denn den Winter hätte Helga draußen vermutlich nicht überlebt. Helga ist eine Schildkröte – um genau zu sein: eine Indianer-Zierschildkröte – und etwa so groß, wie ein Pizzateller. Damit ist sie fast so groß, wie die Alligatorschildkröte Suarez, die von 2014 bis 2016 Seen in Mittelfranken und die Sommerlöcher deutscher Mendien unsicher machte.

Wenn Fundreptilien ins Bamberger Tierheim kommen, erhalten sie zu allererst einen neuen Namen – Schildi etwa oder Terri oder eben Helga. Dann untersuchen die Mitarbeiter des Tierheims sie auf Krankheiten, vermessen und fotografieren sie. Falls Zweifel bestehen, versuchen sie zudem festzustellen, welcher Art das jeweilige Tier angehört. Das ist nicht immer ganz einfach. Helga beispielsweise ist ungewöhnlich groß für ihre Art. So etwas kann passieren, wenn der Vorbesitzer sein Tier falsch gefüttert hat.

Angeschafft, um die Individualität ihrer Besitzer zu unterstreichen

Indianer-Zierschildkröten wie Helga sind eigentlich nur in Mexiko und Teilen der Vereinigten Staaten heimisch. Das haben sie mit ihren Cousins, den Hieroglyphen-Schmuckschildkröten und den drei Arten der Buchstaben-Schmuckschildkröte (Gelbwangen-, Rotwangen- und Cumberland-Schmuckschildkröte), gemeinsam. Trotzdem finden Tierschützer jedes Jahr zahllose dieser Tiere in deutschen Teichen. Der Trend zu Haustieren wie Schlangen und Schildkröten begann in den 90er Jahren. Je seltener, umso besser. Reptilien und andere Exoten wurden zu Accessoires - nur angeschafft, um die Individualität ihrer Besitzer zu unterstreichen. Die meisten Besitzer hatten kaum oder wenig Ahnung, auf was sie sich bei der Anschaffung dieser Tiere einlassen. Das hat sich bis heute nicht geändert.

So sieht Helga in Aktion aus. Sie gehört eher zu der gemütlichen Sorte.

„Wenn man diese Tiere im Laden kauft, dann sind sie meist kaum größer als ein Fünfmarkstück“, erklärt Peter König, der erste Vorstand des Bamberger Tierheims. Dass sie später mal Ausmaße wie Helga annehmen können, überrascht die Käufer erst später. „Ausgewachsen passt die Schildkröte dann oft nur noch diagonal ins Aquarium“, so König. Auch vergessen viele Leute, wie alt Reptilien werden können. „Manche Leute erben auch so ein Tier von ihren Eltern oder Großeltern und sind dann überfordert“, sagt Stefanie Friedl, welche als Leiterin der Kleintierabteilung im Tierheim Bamberg auch für Reptilien zuständig ist. „So eine Schildkröte ist von ihrer Lebensspanne eben nicht mit einem Kaninchen vergleichbar. Da schenkt man seinem Kind Verantwortung für sein ganzes Leben.“ Manche Arten werden sehr alt.

Ausgesetzte Exoten nicht nur in Oberfranken

Dass viele Menschen sich bei der Anschaffung von Haustieren zu wenig Gedanken machen, kritisiert auch Petra Taint von der Reptilienauffangstation in München. Dort landen bayernweit alle Exoten, mit denen sich kleinere Tierheime, wie das in Bamberg, überfordert fühlen. Allein 2018 waren das 911 Tiere, darunter zahlreiche Schlangen, Schildkröten, Lurche sowie einige exotische Fische und sogar Krokodile. „Viele schaffen sich bestimmte Tiere an, weil sie gerade im Trend sind“, sagt Taint. Ein Beispiel dafür seien sogenannte Morphe, sprich spezielle Züchtungen etwa bei Schlangen, die über besonders auffälliger Zeichnungen verfügen. „Kaum ist so ein Trend vorbei, werden viele dieser Tiere ausgesetzt und landen am Ende bei uns.“

Eigentlich ist die Reptilienauffangstation München nur für Fundtiere aus Bayern verantwortlich. Da es bundesweit jedoch nur wenige Einrichtungen gibt, die ausgesetzte Exoten versorgen können, kommen auch Tiere aus anderen Bundesländern nach München. In den vergangenen drei Jahren verzeichnete die Reptilienauffangstation so 3316 Neuzugänge.

Dieses Problem der Wegwerf-Tierhaltung hat mittlerweile sogar die EU auf den Plan gerufen. Denn manche Exoten sind bei uns zwar nicht heimisch, fühlen sich aber dennoch bei uns recht wohl. 2016 beschloss die Staatengemeinschaft, alle drei Arten der Buchstaben-Schmuckschildkröten auf ihre Liste der „invasiven gebietsfremden Arten“ zu setzen. Hier stehen die beliebten Aquarienbewohner nun gemeinsam mit Waschbären, Nilgänsen und der Bisamratte. Im Gegensatz zu diesen anderen Arten breiten sich die Buchstaben-Schmuckschildkröten jedoch nicht selbstständig aus. Dadurch zeichnen sich invasive Arten eigentlich aus. Die Schildkröten können lediglich den Winter bei uns überleben. Verbreitet werden sie nahezu ausschließlich durch den Menschen. Zwar werden auch andere Schildkrötenarten in Karpfenteichen ausgesetzt, diese verenden jedoch jämmerlich sobald es kalt wird. Meist an einer Lungenentzündung.

Die EU unterstellt den Buchstaben-Schmuckschildkröten zudem, heimische Amphibien wie den Kammmolch zu bedrohen – und darüber hinaus auch die Europäische Sumpfschildkröte. Die ist so selten, dass viele Menschen gar nicht von ihrer Existenz wissen. 2018 wurde sogar ein Exemplar in Bamberg entdeckt und um sicher zu gehen gleich ins Tierheim gebracht. Für Wildtiere gehen solche Aktionen oft mit viel Stress einher und manch ein Tier überlebt dieses Erlebnis auch nicht.

Endstation Auffangstation

Mit ihrer Listung dürfen die Buchstaben-Schmuckschildkröten nun nicht mehr gezüchtet oder gehandelt werden. Das freut Tierfreunde, denn damit verschwinden diese drei Arten aus den Ladenflächen. Einrichtungen wie das Tierheim Bamberg und die Reptilienauffangstation stellt das Gesetz jedoch vor neue Herausforderungen, denn auch sie bleiben auf vielen der Fundtiere sitzen. „Nur jedes zweite Tier, das wir bekommen, können wir auch wieder weitervermitteln“, sagt Taint. Selbst Zoos hätten oft kein Interesse, ausgesetzte Exoten aufzunehmen.

Dies sind einige Bilder der Sumpfschildkröte, die im Bamberger Tiereim abgegeben wurde. Nach der Artbestimmung brachten die Mitarbeiter des Tierheims sie wieder zurck zu ihrem Teich.

Quelle: Peter König, Tierheim Bamberg

Auch Stefanie Friedl ist mit der aktuellen Gesetzeslage nicht so recht zufrieden: „Dann verkaufen die Zoohandlungen halt andere Arten, die nicht als invasiv gelten.“ Daran, dass verantwortungslose Besitzer ihre Tiere klammheimlich in der Wildnis entsorgen, ändere das Verbot der Buchstaben-Schmuckschildkröten nichts.

Das Bamberger Sommerlochkrokodil hat Glück. Helgas Art braucht zwar Dokumente, die dem Tierheim viel Arbeit bereiten. Sie darf aber weitervermittelt werden. Und wenige Wochen vor Weihnachten findet sich auch jemand, der sie aufnehmen möchte – obwohl sie für die meisten Aquarien zu groß ist. So muss sie Weihnachten nicht im Tierheim bleiben und verbringt den Rest ihres Lebens hoffentlich bei jemandem, der sie zu schätzen weiß.

Stefanie Friedl ist Helgas Tierpflegerin im Tierheim Bamberg. Helga ist nicht der erste Exot in ihren Händen.

Posted by Andreas Wolfger in Andreas Wolfger, Panorama
Das Oberfränkische Wort des Jahres

Das Oberfränkische Wort des Jahres

Seit 2015 wird das Oberfränkische Wort des Jahres gewählt. Ein Projekt, das sich in kurzer Zeit zum Selbstläufer entwickelt hat. Nach Wischkästla, a weng weng und urigeln in den Vorjahren wurde 2018 derschwitzen zum oberfränkischen Wort des Jahres gewählt. Barbara Christoph von der KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken in Bayreuth ist Teil der Jury. Die gebürtige Oberpfälzerin fühlt sich längst im Oberfränkischen zu Hause und wenn es um den Dialekt geht hat dieser für sie durchaus eine moderne Komponente. Den Niedergang will sie ihm noch lange nicht voraussagen. Wir haben mit ihr gesprochen, was denn genau hinter der Idee zu dem oberfränkischen Wort des Jahres steckt.

Das Oberfränkische Wort des Jahres wurde bereits zum vierten Mal gewählt – welche Idee steckt hinter der Aktion?

Wir wollen mit dem Oberfränkischen Wort des Jahres zeigen, dass der Dialekt lebt. Dass er nichts Rückwärtsgewandtes ist. Ganz konkret geht es uns darum zu zeigen, dass der Dialekt Wörter hat, für die es keine hochdeutsche Entsprechung gibt bzw., dass das Dialektwort bisweilen sogar präziser als das Hochdeutsche ist, weil es eine ganz klare Emotion transportiert, ganze Bilder malt.

Oft sind es einfach Nuancen. Ganz stark war das beispielsweise bei unserem zweiten oberfränkischen „Wort des Jahres“ a weng weng: Das deutet zwar schon an, dass es ein bisschen wenig war, aber ohne gleich eine böswillige Kritik abgeben zu wollen.

Wie läuft die Wahl zum Wort des Jahres ab?

Die Aktion läuft eigentlich durchgehend. Wir sammeln das ganze Jahr über Vorschläge und führen darüber eine Liste. Da ist es dann auch nicht so, dass die Vorschläge, die vor zwei Jahren eingegangen sind, fort sind. Schließlich sind einige Wörter Dauerbrenner und werden uns in jedem Jahr zugesandt. Aber wir notieren schon, wie häufig ein Wort vorgeschlagen wird. Momentan haben wir ein Pool von etwa 1500 Wörtern. Ein absoluter Publikumsliebling ist natürlich das Wort fei. Vor der Wahl sucht sich jedes Jurymitglied aus der Liste jeweils fünf Vorschläge aus, die dann in einer Sitzung diskutiert werden.

Die Jury besteht aus der Sprachwissenschaftlerin Almut König von der Universität Erlangen, Sabine Knieling vom Extra-Radio in Hof und Bertram Popp, dem Leiter des Bauernhofmuseums in Kleinlosnitz – sozusagen unser Native Speaker; er hat dieses Jahr auch den Bayerischen Dialektpreis erhalten.

Der Sieger ist also nicht das am häufigsten genannte Wort, sondern das Ergebnis einer intensiven Diskussion?

Genau. Die Wörter sollten eine Botschaft transportieren, wie heuer derschwitzen, das sicher auch schon länger in unserer Gesamtliste stand.

Das Marmeladenaamerla, das halt nur lustig im Dialekt ist, aber ohne Substanz fällt es einfach raus. Sozusagen der fränkische Oachkatzlschwoaf: Allseits beliebt und süß, aber ohne Geschichte.

War die Wahl zum Oberfränkischen Wort des Jahres nur als einmalige Aktion gedacht?

Medial hat uns das Teil ja komplett überrannt. Es ist das erfolgreichste Projekt des Bezirks Oberfranken. Eingeschlagen hat vor allem des erste „Oberfränkische Wort des Jahres“ 2015, das Wischkästla. Da waren wir in über 84 Zeitungen. Da war das Geheimnis auch wirklich das Wort selbst. Dass der Dialekt nicht nur alte Wörter hat, wie das urigeln im vergangenen Jahr, sondern, dass der Dialekt wirklich lebt. Bei dem Wort urigeln hatten wir auch die größte fachliche Diskussion: Ob es als Verb gebraucht wird: „es urigelt“ – oder substantivisch: „ich habe Urigeln“. Die Bedeutung ist klar. Es ist das spezielle Kribbeln in den Fingern oder Zehen, wenn man in die Wärme kommt. Das ist auch wieder ein typisches Beispiel für die Idee hinter unserem oberfränkischen „Wort des Jahres“: es gibt dafür keine hochdeutsche Entsprechung. Die Aktion soll auch einfach Lust machen auf Dialekt. Wir wollen weg von diesem „pflegen und hegen“. Das verbinde ich so mit „darnieder liegen“ oder „sterben“. Mit Wischkästla konnten wir auch zeigen, dass der Dialekt ein modernes Wort hat.

Wie ist Idee dazu überhaupt entstanden?

Der Anstoß kam eigentlich von Sabine Knieling vom Extra-Radio, die uns – als Vertreter des Bezirks Oberfranken – bei der Pressekonferenz zu den Mundart-Theatertagen nach unserem fränkischen Lieblingswort gefragt hat. Und aus dieser Frage heraus ist irgendwie die Suche nach dem „Wort des Jahres“ entstanden. Weil das Interesse dann zum Start 2015 so groß war, haben wir beschlossen, die Aktion jährlich durchzuführen.

Dialekt hat also durchaus eine moderne Komponente und kann die Menschen begeistern?

Ja, Dialekt ist lebendig. Das ist ein Ansatz, den ich auch ganz stark verfolge. Dazu kommen moderne Einflüsse. Im Kulmbacher Theater „Baumann“, zum Beispiel: „Der Krug ist hie“ – also „Der zerbrochene Krug“, ein Mundart-Theaterstück auf höchst professionellem Niveau. Oder junge Mundart-Bands, die den Nachwuchs begeistern.

Kann oder soll man Dialekt in der Schule erlernen?

Da sprechen wir ja von einer Verordnung, sich mit Dialekt zu beschäftigen. Ich habe da natürlich keinen Einblick in den Unterricht und es ist sicher zu begrüßen, dass der Dialekt wieder zum Thema wird. Dass man den Wert des Dialektes wieder erkennt. Aber meiner Meinung nach wird er da behandelt wie eine Kunstform. Für mich ist es aber nicht der richtige Ansatz, den Dialekt als eine Art Brauch zu behandeln. Ein Brauch wird ja eben gehegt und gepflegt und das zeigt für mich, dass er nicht mehr gelebt wird. Aber er soll ja lebendig bleiben. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass Dialekt für ein gutes Sprachgefühl sorgt. Dass er wichtig für den grundsätzlichen Umgang mit Sprache ist. Dass er auch in der Sprachgeschichte widerspiegelt, wo ein Wort herkommt.

Der Dialekt stirbt also nicht aus?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Er wird sich wandeln, wie er sich schon immer gewandelt hat. Dass wir uns eines Tages zu einem kollektiven Hochdeutsch hin entwickeln, das sehe ich zumindest für unsere Zeit nicht. Dazu haben wir noch zu viele „Native Speaker“. Ich kann diese Dramatik oft nicht verstehen: Wie gesagt, er wandelt sich – und das finde ich, ist eigentlich auch das Gute daran. Ich glaube nicht, dass man ihn künstlich am Leben erhalten kann. Es entsteht Neues und Altes geht. Das ist der Lauf der Dinge. Und so sehe ich es mit der Sprache auch. Man braucht Leute, die es tun. Mit Leidenschaft, die es mit Neuem vermischen. Wie die Mundart-Theater oder Bands wie Boxgalopp. Das sind Leute, die den Dialekt weitertragen.

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Und wie finden die Kulmbacher das Obefränkische Wort des Jahres?

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama
Tragödie im Kreißsaal – Mann verliert Frau und Kind

Tragödie im Kreißsaal – Mann verliert Frau und Kind

Kulmbach – Vergangenen Samstag erlebte ein junger Mann eine Tragöde, die das ganze Kulmbacher Krankenhaus erschüttert. Er verlor Frau und Sohn bei der Geburt.

Der Tag, an dem die Familie erweitert werden sollte, endete mit einem Schicksalsschlag. Eine 33jährige Frau und das Neugeborene sterben im Klinikum Kulmbach kurz nach der Geburt. Die Gründe für den plötzlichen Tod der Frau sind noch ungeklärt.

Samstag, 08.12.2018:Um 6 Uhr morgens machen sich Robby Handschuh und seine Frau auf ins Kulmbacher Krankenhaus zur Entbindung. An diesem Tag sei es die einzige Geburt gewesen und genug Personal da, sagt Geschäftsführerin Brigitte Angermann zu FrankenPost.de. „Ganz erfahrene Leute, über alle Berufsgruppen hinweg – dahinter stehen viele Tausend Geburten.“ Doch das Neugeborene habe bei der Geburt nicht geatmet, eine Reanimation schlug fehl.

Während sich der Vater im Nebenraum von seinem toten Sohn verabschieden wollte, treten bei seiner Frau Komplikationen auf. Auch sie stirbt. Das Klinikum selbst schaltet die Polizei ein – allen Beteiligten sei sehr daran gelegen, die Todesursache herauszufinden. Die von der Staatsanwaltschaft angeordnete Obduktion wurde Freitag abgeschlossen. Die Ergebnisse liegen uns jedoch noch nicht vor.

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama
Maske. Falschgeld. Bäckerei. Der dümmste Verbrecher Oberfrankens.

Maske. Falschgeld. Bäckerei. Der dümmste Verbrecher Oberfrankens.

Ein maskierter Mann im Landkreis Forchheim versuchte am Mittwochabend sein Glück in einem Bäckerladen. Statt Geld gegen Brötchen zu tauschen, wollte er lieber etwas anderes eingetauscht haben. Der dreiste Plan ging jedoch nicht ganz zu seinen Gunsten auf.

Nachgestelltes Foto, kein Originalbild

Igensdorf – In einer Bäckerei im Einkaufszentrum in Igensdorf probierte ein maskierter Mann mal eine andere Art Geld zu wechseln aus. Normalerweise würde man dafür in eine Bank gehen. Hoffte der maskierte Mann, in einer Bäckerei würde man die drei einseitig bedruckten 100-Euro-Scheine nicht als Falschgeld erkennen? Zielstrebig sei der Mann gleich hinter die Theke gelaufen und wollte das Geld gewechselt haben. Die braun-graue Sturmhaube, die er sich über das Gesicht gezogen hatte, trug sicherlich nicht zu einem vertrauenserweckenden Eindruck bei. Die Verkäuferin weigerte sich und drohte mit der Polizei. So blieb dem Mann nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge zu flüchten. Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb bislang ergebnislos.

Wer kann Angaben zu dem Vorfall machen? Gesucht wird ein Mann, etwa 185 Zentimeter groß und von schlanker Statur. Er trug eine grüne Hose sowie eine grüne Tarnjacke. Sein Gesicht war durch eine braun-graue Sturmmaske verdeckt.

Die Polizei Ebermannstadt bittet unter der Tel.-Nr. 09194/7388-0 um Hinweise zu verdächtigen Beobachtungen im Bereich des Einkaufsmarktes in der Forchheimer Straße.

 

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama
Irrungen und Wirrungen im Kulmbacher Kreisverkehr

Irrungen und Wirrungen im Kulmbacher Kreisverkehr

Brummen, dröhnen, quietschen, hupen – der Kulmbacher Kreisverkehr am neu gebauten Eku-Parkplatz sorgt nicht nur für jede Menge weiteren Lärm, sondern offenbar auch für Verwirrung bei den fahrenden Bürgern. Wir haben uns dieses Phänomen aus den verschiedensten Blickwinkeln angesehen. Einmal als stille Beobachter mit Notizblock und Stift, einmal wortwörtlich von oben und einmal zusammen mit einem Fahrlehrer aus der Autoperspektive.

Groß ist er nicht, der Kreisverkehr, mehr graue Maus als Discokugel. Ist das vielleicht der Grund, wieso  hier Verkehrsverstöße im großen Stil praktiziert werden? Zumindest verhindert der neue Kreisel laut Polizei bisher schwerere Unfälle und Geschwindigkeitsüberschreiten. Vorher muss das wohl beinahe an der Tagesordnung gewesen sein.

Zwei Mittagspausen lang haben wir uns als stille Beobachter ein klein wenig um Leib und Leben gefürchtet – so nah an diesem Kreisverkehr, den niemand ernst nimmt. Stellenweise war ich so irritiert von den skurrilen Verkehrsmanövern, dass ich zwischendurch einen befreundeten Fahrlehrer anrief. Denn zugegeben, meine eigene Fahrausbildung ist schon eine Weile her - und die Unsicherheit war plötzlich groß. Der Häufigkeit der Verstöße nach zu urteilen, zweifelte ich doch langsam sehr an meinen Kenntnissen in diesem Bereich.

Zehn Minuten, 32 Autos, 28 Verkehrsverstöße

32 Autos kreuzten unseren Weg und den des Kreisverkehrs. Sage und schreibe 28 davon begingen einen Verkehrsverstoß, acht davon gleich mehrere. Addiert man den Parkplatz noch hinzu, verließen vier von acht Autos den Parkplatz nicht korrekt. Einer sogar gleich durch die Bäume hindurch.

Die Mittelinsel des Kreisverkehrs überfuhren 15 der 32 Autofahrer, 28 Fahrer ignorierten, dass sie beim Verlassen des Kreisverkehrs laut § 9 Absatz 1 der StVO in einen Abbiegevorgang eintraten und somit hätten blinken (rechts!) müssen.

Besonders kurios wurde es, als Autofahrer den Weg aus dem Parkplatz suchten - und nicht fanden. Ein Fahrzeughalter ignorierte den Kreisverkehr genauso gekonnt wie die vorgegebene Richtung der Ausfahrt. Einmal den Umweg über den Kreisverkehr gespart. Sparfuchs mal anders, bei den Spritpreisen spart man vielleicht jeden Zentimer Fahrt.

Fahrschulauto ohne Schüler

Zu diesem Zeitpunkt konnte man allerdings froh sein, wenn überhaupt Blinker und Kreisverkehr benutzt werden. Schlimmer geht immer, heißt es doch so schön. Eine auf dem Parkplatz arbeitende Landschaftsgärtnerin staunte nicht schlecht, als ein blauer VW Golf den Weg auf die Straße durch die Bäume hindurch suchte. Als dann noch ein rotes Fahrschulauto, bei dem kein Schüler am Steuer saß, ohne Blinken den Kreisverkehr verließ, verließ mich der Glaube an Verkehrsregeln.

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama