Kulmbach

Braukunst 4.0 im historischen Ambiente

Eine Reportage von Karsten Babucke

Über die Brauerei Haberstumpf

Oberfranken hat die größte Brauereidichte Deutschlands. Viele Dörfer haben mindestens eine Brauerei. Auf dem Biermarkt herrscht Konkurrenzkampf. Großbrauereien kaufen kleine Betriebe auf. Wer in diesem Wettbewerb überleben möchte, muss kreativ werden und mit der Zeit gehen. In Kulmbach ist die Brauerei AG ansässig, einen Ort weiter in Trebgast die Brauerei Haberstumpf. Mit neuen Ideen blickt das Team in die Zukunft.

Das Sudhaus: glänzende Kupferarmaturen auf mintgrünen Fließen. Mechanik wie aus einem anderen Jahrhundert. Kleine Bullaugen zeigen Temperatur oder den Druck an. Hier bedient der Braumeister das Brauen noch per Hand über die großen Ventilräder. Die Ventile und Anzeigen sind wie an einem Mischpult angeordnet. Der Kontrollraum des Sudhauses liegt im ersten Stock der Brauerei Haberstumpf. Hinterrücks ist eine Glasfront, die eine großartige Aussicht auf Trebgast und das Fichtelgebirge bietet. In der fränkischen Gegend befindet sich meistens der Läuterbottich oben und die Sudpfanne unten. Das heißt, die Abläuterung funktioniert üblicherweise mithilfe Schwerkraft. Hier ist es anders. Das Sudhaus mit den zwei Kesseln befindet sich hier auf einer Ebene. Es funktioniert über ein altes Pumpsystem. „Das ist sehr untypisch für die Region“, erklärt Ottmar Müller, der Braumeister. Das Sudhaus stammt aus dem frühen 20. Jahrhunderts und ist damit eines der ältesten der Region. Es fasst über 50-Hektoliter. Das entspricht ungefähr zehntausend Bierflaschen. Eines der ersten „Zwickl“ wurde hier gebraut. Es überstand Generationen der Familie Haberstumpf und die verschiedenen Besitzer der Brauerei.

Die Abfüllanlage: weiße Fließen, feuchte Luft. An den Wänden stapeln sich Dutzende Fässer mit Bierkästen. Hier wird das Gebräu abgefüllt. In Reih und Glied stehen sie da. Mit Engelsgeduld und Feingefühl steht der Braulehrling vor einer Armee aus Flaschen. Er bringt in Handarbeit das Etikett an. „Ich beklebe schon mal Hunderte Flaschen pro Tag. Das Sortieren in Kisten macht mir aber mehr Spaß“, beschreibt Moritz Stauber, der Auszubildende, seine Arbeit. Er feuchtet den Aufkleber in einer Schüssel voll Wasser an, dann platziert er ihn unter dem Schnappverschluss auf der 0,75 Liter Flasche. In Franken wird in der Regel in 0,5 oder 0,3 Liter abgefüllt. Doch die Flaschengröße ist ein Alleinstellungsmerkmal der Brauerei. „Mit der Glasbrennerei wiederum ein Gewächshaus erhitzt. So entsteht ein in sich geschlossener, autarker Kreislauf und die Flaschen können CO2-neutral produziert werden“, erklärt Müller seine Vision. „Weil wir im nächsten Jahr auf Bio-Bier umsteigen, wollen wir das Bier in einer klimaneutralen Flasche abfüllen.“ In die auffälligen Flaschen wird das Helle, das Hausbier, abgefüllt „Die Flaschen können auch aufrecht im Kühlschrank, neben Wein und Milch gelagert werden“, während das Doppelbock, das Rubin oder das Hahn Zwergla in kleinere Flaschen gezapft wird. In den kommenden Jahren werden hier über zwei bis viertausend Hektoliter Bier im Jahr produziert. Damit konzentriert sich die Brauerei besonders auf die Nische der Bierliebhaber und Feinschmecker. Das Kesselhaus: gelbe Wände und glänzende Gährkessel. Spiegelndes Metall. Frischer Estrich. Neue Fließen. Während der Vorraum noch alt und modrig riecht. Symbolträchtig für den aktuellen Wandel. Die Brauerei steckt mitten im Umbruch. Ein neuer Geldgeber bringt seit 2019 Aufschwung.

„Weil wir im nächsten Jahr auf Bio-Bier umsteigen, wollen wir das Bier in einer klimaneutralen Flasche abfüllen.“

Ottmar Müller

Das Kesselhaus: gelbe Wände und glänzende Gährkessel. Spiegelndes Metall. Frischer Estrich. Neue Fließen. Während der Vorraum noch alt und modrig riecht. Symbolträchtig für den aktuellen Wandel. Die Brauerei steckt mitten im Umbruch. Ein neuer Geldgeber bringt seit 2019 Aufschwung. Bernd Förtsch ein Unternehmer aus Kulmbach, hat in die Brauerei investiert. Eine große Chance für den Braumeister. Er kann ein neues Team aufbauen und den Betrieb auf den neuesten Stand bringen. „Mit einer Hebevorrichtung haben wir die Braukessel angehoben, um darunter den Boden zu erneuern“, beschreibt Müller. Gerade die schwierige Zeit der Pandemie bot dem neuen Team ausreichend Zeit, einen Neustart zu wagen. So läuft nach über einem Jahr Umbau der Braubetrieb wieder an. Bernd Förtsch ein Unternehmer aus Kulmbach hat in die Brauerei investiert. Eine große Chance für den Braumeister. Er kann ein neues Team aufbauen und den Betrieb auf den neuesten Stand bringen. „Mit einer Hebevorrichtung haben wir die Braukessel angehoben, um darunter den Boden zu erneuern“, beschreibt Müller. Gerade die schwierige Zeit der Pandemie, bot dem neuen Team ausreichend Zeit, einen Neustart zu wagen. So läuft nach über einem Jahr Umbau der Braubetrieb wieder an.

Die Schenke: eine rustikale Bar und eine breiter Treppenaufgang. Hier begrüßt Fachpersonal die Besucher und bringt sie in den zweistöckigen Gastraum. Dunkle Holzvertäfelungen an der Wand, helles Treppengeländer, rustikale Sitzgruppen. Auch hier herrscht Brauereigefühl pur. Ein großer Warmwassertank dominiert den Eingangsbereich. An der Theke gibt es die Kreationen der Brauerei frisch an der Theke abgezapft, während die Küche feinste italienische Küche serviert. Der Gastronom Blerim Ljimoni pachtet schon seit vielen Jahren die Schenke. Unter dem Namen „La Birreria“ servieren hier den Gästen italienische Kochkunst. Antipasti. Oktopus. Roastbeef. Liebevoll wird hier Fisch, Gegrilltes oder Pizza aufgetischt. „Ein schöner Ort, um gut zu Essen und dazu ein leckeres Bier zu trinken“, schreibt Carmen Penzel nach ihrem Besuch auf der Website.

Die Bergstraße nach Trebgast bietet Genuss für alle Sinne. Vom Dach bis zum Keller wandelt sich die Brauerei zu einem Schmuckstück. Biervielfalt. Experimentierfreude. Genießertum. Und so wird der Gasthof auch im neuen Jahr sicherlich wieder zum Besuchermagnet in Trebgast.

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Posted by Karsten Babucke in Essen & Trinken, Genuss & Leben, Orte & Freizeit, Unser Oberfranken
„Ich empfinde die Vielfalt der Menschen als bereichernd“

„Ich empfinde die Vielfalt der Menschen als bereichernd“

Das ausführliche Interview mit Elsbeth Oberhammer gibt’s hier im Podcast.

Im Mehrgenerationenhaus Kulmbach begegnen sich Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Die Geschwister-Gummi Stiftung hat das für die Region beispielgebende Projekt initiiert. Auch nach sechs Jahren als Leiterin der Einrichtung, gibt es noch Momente, die Elsbeth Oberhammer begeistern.

In welchen Momenten sind Sie besonders dankbar für Ihren Beruf?

Wenn ich zum Beispiel mit meiner Freundin Ikram [Besucherin des Mehrgenerationenhauses, Anmerkung der Redaktion] im Schnee spazieren gehe und sie sich so darüber freut, wie sehr der Schnee glitzert. Das ist einfach schön!

Waren Gemeinschaftserlebnisse wie dieses schon immer der Kern der Geschwister-Gummi-Stiftung?

Die Geschwister Gummi haben vor etwa 150 Jahren eine Stiftung zur Pflege von evangelischen Waisenkindern gegründet. Das erste evangelische Waisenhaus stand auch tatsächlich am Holzmarkt in Kulmbach und musste nach einigen Jahren erweitert werden. 1907 konnte dieses Haus hier eröffnet und bezogen werden. Damals auf der grünen Wiese vor den Toren der Stadt. 

Jetzt sind wir natürlich mittendrin! Vor etwa 25 Jahren ist das Kinderheim dann hier ausgezogen, weil die Bestimmungen sich verändert haben. Dadurch wurde Platz für neue Ideen. 

Wie hat sich das Projekt weiterentwickelt?

Wir wollten wieder was für Familien und Kinder verwirklichen. Also starteten wir mit dem familienfreundlichen Café. Hier treffen sich junge Familien und Mütter, um sich auszutauschen. Die Kinder können hier krabbeln, spielen und laut sein – und niemand stört sich daran. Und dann sind nach und nach die anderen Angebote ins Haus eingezogen. 

Welche sind das konkret?

Wir haben für viele Generationen ein Angebot. Wer handwerklich begeistert ist, gerne einen aktiven Ruhestand genießen möchte, kann sich in unserer professionell ausgestatteten Schreinerwerkstatt engagieren. Oder einen Schnitzkurs besuchen, sich von unseren Profis was zeigen lassen. Alle Werkstatt-Mitarbeiter basteln und werkeln regelmäßig – aktuell für unseren Weihnachtsmarkt zum Beispiel. 

In unserem Fairtrade-Café kommt man bei Kaffee und Kuchen gut miteinander ins Gespräch. Auch ehrenamtliches Engagement ist hier möglich: Als Sprachpate, Lernpate oder in unserem KuKaTz-Secondhand-Laden. Dort gibt es Babyausstattung, Spielsachen oder auch Klamotten für Kinder und Erwachsene zu einem kleinen Preis.   

Und im zweiten Stock ist unser Bildungsangebot. Musikgruppen für Kinder und für Mütter Sprach- und Sportkurse, wie etwa Pilates oder Rückbildung. Insgesamt ist also für jeden was dabei!

Elsbeth Oberhammer im Café des Mehrgenerationenhauses

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Mehrgenerationenhaus?

Meinen Auftrag sehe ich darin, für junge Familien ein adäquates Angebot zusammenzustellen und immer im Blick zu haben: Was brauchen unsere Familien im Moment? Das ist sehr spannend, weil sich das ständig verändert. 

Der andere Schwerpunkt dieses Hauses speziell ist das Thema Migration, Arbeit mit Geflüchteten. Da gibt es die Sprachpaten-Angebote und die Frauengruppe. Hier treffen sich arabische Frauen seit mehreren Jahren und sind unglaublich aktiv. Damit konnten wir einen guten Beitrag leisten, dass die Frauen und ihre Familien sich gut hier integrieren konnten. 

Nun gibt es ja leider immer wieder kritische Stimmen aus der Bevölkerung, was die geflüchteten Menschen angeht. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Ich würde ihnen mitgeben, dass wir uns an unsere eigene deutsche Geschichte erinnern. Auch bei uns gibt es viele Menschen mit Fluchterfahrungen. Unser Besuch im Seniorenheim fand ich sehr beeindruckend. Die Senioren und Seniorinnen haben dort sehr bewegt von ihren eigenen Fluchterfahrungen erzählt und zu den geflüchteten Frauen gesagt: „Wir wissen, wie’s euch geht.“ Ich denke das tut unserer mittleren und jüngeren Generation ganz gut, da mal auf die eigenen Großeltern zu hören, die haben da manchmal mehr Empathie. 

Wenn man sieht, welchen Weg die Geflüchteten genommen haben und wie gut sie sich integriert haben, dann macht das Mut. Wir dürfen sie nicht alleine lassen. Müssen sie gut begleiten. Unsere Welt erklären. Und nicht voraussetzen, dass unsere Welt sich selbst erklärt.

Und es ist eine Chance! Bei uns fehlen so viele Arbeitskräfte. Da sage ich: Die Geflüchteten kommen doch wie gerufen. Wir brauchen sie ganz einfach. 

Ihr Beruf klingt wahnsinnig komplex. Bei all den unterschiedlichen Projekten, wie motivieren Sie sich täglich aufs Neue?

Ich empfinde die Vielfalt der Menschen hier als sehr bereichernd. Die engagierten Ehrenamtlichen, die Arbeit mit älteren Menschen, zu sehen, dass ich einer jungen geflüchteten Familie weiterhelfen konnte. Das erweitert meinen Horizont immer wieder. 

Oder die Selbsthilfegruppen. Seit einigen Jahren treffen sich hier Eltern von Kindern mit Autismus-Asperger-Syndrom oder anderen Beeinträchtigungen. Den Perspektivwechsel von der Seite der Erzieherin zum Blickwinkel der Betroffenen finde ich wahnsinnig wertvoll. Zu sehen mit welchen Hindernissen und Vorurteilen die Familien zu kämpfen haben, konnte ich mir zuvor nur schwer vorstellen. Und da auch mitzuhelfen, dass bei Institutionen, Einrichtungen und Behörden mal mehr der Gedanke entsteht: Wir sind eigentlich dafür da die Familien zu unterstützen, ihnen zu helfen. Und nicht zusätzliche Hürden aufzubauen und die Familien als Bittsteller kommen zu lassen.  

Welche Hürden werden den Familien da beispielsweise gestellt?

Eine Familie mit einem an Trisomie 21 erkrankten Kind musste etwa jährlich einen Bogen ausfüllen, dass diese Behinderung noch besteht. Das ist fast beleidigend für die Familie, denn sie wünschen sich ja nichts sehnlicher, als dass sich die Erkrankung einfach in Luft auflöst. Oder die Einrichtungen und Schulen lassen durchblicken, dass das Kind sehr anstrengend für den eigenen Betrieb ist. Statt zu fragen „Was braucht ihr von uns? Wie können wir euch helfen?“, wird kommuniziert „Das erwarte ich von Ihnen.“ Ich wünsche mir wirklich, dass es da in vielen Köpfen noch ein Umdenken gibt.


Posted by Jennifer Schnell in Genuss & Leben, Jennifer Schnell, Unser Oberfranken
„Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben“

„Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben“

Ein Interview mit Ottmar Müller

Karsten Babucke traf zu einem Gespräch Braumeister Ottmar Müller


Ich treffe mich mit dem Braumeister der Brauerei Haberstumpf in Trebgast. Die Brauerei fällt mit ihren außergewöhnlichen Flaschen und einem innovativen Konzept auf. Die Brauerei in Trebgast befindet sich in einem alten Brauhaus. Das Sudhaus besteht schon seit vielen Generationen. Hier wird das Brauen noch mit der Hand durchgeführt. Aber auch der Umstand, dass der Besitzer wechselte und das viel erneuert wird, gibt Raum für Kreativität.

KB: Was sind deine Funktionen hier in der Brauerei.

Ottmar: Also ich habe vor ziemlich genau zwei Jahren hier angefangen, als Braumeister. Und hab die schöne Aufgabe, die alte Brauerei vom Herrn Wernlein in ein neues modernes Schmuckstuck zu verwandeln. Da dazu gehört, die komplette Brauereitechnik auf den neusten Stand der Technik zu bringen, um wieder adäquat Bierbrauen zu können.

KB: Das klingt nach einem spannenden Projekt. Hier wird sich bestimmt noch viel in naher Zukunft ändern. Aber seit wann gibt es eigentlich die Brauerei in Trebgast?

Ottmar: Die Brauerei geht eigentlich auf das Jahr 1531 zurück. Sprich, wir haben bald fünfhundertjähriges Jubiläum. Die Brauerei war ursprünglich bei der Kirche. Sie ist dann irgendwann aus allen Nähten geplatzt und so hatte man sich damals entschlossen, bei den Bierkellern einen Neubau zu machen. Um das Brauen größer zu gestalten und es für die Zukunft fähig zu machen.

KB: Die Familie Haberstumpf hatte die Brauerei seit 1830 in Familienbesitz. Doch bis jetzt hat sich einiges geändert. Besonders in den letzten Jahren gab es Höhen und Tiefen.

Es gab Höhen und Tiefen, das stimmt. Der August Haberstumpf hatte einen tödlichen Unfall im Gärkeller. So kam es, dass der Hans Wernlein die Brauerei übernahm. Wie die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den zwei sind, ist mir unbekannt. Bis vor zwei Jahren hatte er die Brauerei geführt und aus Altersgründen und mangels Nachfolger musste er aufhören. Gott sei Dank hat Herr Förtsch die Brauerei aufgekauft. So kann die Brautradition hier in Trebgast weiter gehen.

KB: Das war ja ein Glücksfall, dass der Herr Förtsch die Brauerei übernommen hatte. Wie erging es der Brauerei in der Pandemie?

Also es geht der Brauerei gut bergauf. Das Thema Corona war, so blöd wie es klingt, für uns nicht gerade das Schlechteste. Weil wir im laufenden Betreib die komplette Betriebstechnik austauschen konnten. Und von daher sehen wir die Situation mit einem lachenden und weinenden Auge. Wir hatten halt mehr Zeit Erneuerungen zu machen. Für uns hat das gerade gut gepasst für die Zeit des Umbaus.

KB: Mit einem neuen Besitzer ändert sich in der Regel viel. Was bedeutet der Wandel für die Brauerei Haberstumpf genau?

Zum einen neue Biersorten und zum anderen die Brauerei technisch den neuesten Stand zu bringen. Vorher gab es die üblichen 0,5-Liter-Flaschen und ein paar Sorten. Wir haben jetzt unser Helles – unser Rubin – als Standard-Biersorte. Wir fangen jetzt noch an alle Monate ein Spezialbier zu brauen. Jetzt haben wir gerade das „Hahnzwergla“, dann kommt der „Bock“, dann ist ein „Weizen“ angedacht und alles andere werden wir dann sehen.

KB: Es besteht die Legende, dass hier in Trebgast eines der ersten Zwickel-Bier gebraut wurden, ist das richtig?

Äh ja. Das war der Vorbesitzer.

KB: Was ist das Sortiment der Brauerei Haberstumpf?

Da haben wir unser Helles, das ist unsere Hauptsorte. Dann haben wir noch das „Rubin“. Das ist ein rötliches, malzbetontes Bier. Im Winter gibt es den „Bock“ – das Doppelbock. Aktuell gibt es das bernsteinfarbenes Fest Bier. Und was es die Monate danach gibt, das verrate ich noch nicht. Das wird eine Überraschung. (Lacht)

KB: Was ist die Zukunftsvision der Brauerei?

Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben. Wir wollen hauptsächlich in Bierwirtschaften unser Fassbier ausschenken. Hier vor Ort wollen wir natürlich den Biergarten verschönern und erweitern. Und natürlich mit neuen Bierspezialitäten die Gäste überraschen. Das war momentan noch nicht so möglich, weil wir durch die Umbaumaßnahmen einige Rückschläge einstecken mussten. Weil Leitungen korrodiert waren. Dann hatten wir Infektionen in den Leitungen. Das haben wir jetzt alles im Griff. Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.

Und als kleinen Geheimtipp: Es wird in ein paar Jahren einen Whiskey geben. Der lagert schon bei uns im Felsenkeller. Das heißt wir haben dort spezielle Whiskey-Bier Sude gemacht. Die sind wie die Bierwürze nur ohne Hopfen mit Torfmalz aus der Region. Das ist spezielles Malz, das gedarrt wurde, um diesem Malz einen richtigen, kernigen moorigen Charakter zu geben.

Ottmar Müller präsentiert sein neues Bier
Ottmar Müller präsentiert sein neues Bier

KB: Der Whiskey gehört jetzt nicht zu den fränkischen Spezialitäten. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den Whiskey nach Oberfranken zu bringen.

Es ist überraschenderweise so, dass Deutschland mittlerweile mehr Whiskeybrennereien hat als Schottland. Und es gibt hierzulande auch immer mehr Whiskey-Liebhaber. So einen haben wir auch hier in unserem Betrieb und der kam dann auf mich zu. Also haben wir es einfach ausprobiert.

Der Ursprung im Vergleich zum Bier ist eigentlich dasselbe. Die Herstellung der Würze ist ähnlich wie beim Bier, nur dass die Stammwürze deutlich höher ist, da man viel mehr Alkohol braucht, um möglichst viel Whiskey zu bekommen.

KB: Warum soll man es nicht einfach machen?

Eben. Das ist das Schöne am Brauberuf, dass er so vielseitig ist. Wir haben mit Whiskey zu tun, mit Bier und wir haben freie Zutaten. Aus denen kann man so viel machen – verschiedene Biersorten und Whiskey. Das ist einfach super!

Als Braumeister ist es natürlich ein Glücksfall, in so ein Unternehmen zu kommen. Das man von Grund auf erneuern kann. Die Biersorten zu kreieren. Ein Team zusammen zu stellen. Das ist schon nicht alltäglich, dass man in so eine Gelegenheit kommt. Normalerweise ist man in einem Großbetrieb Abteilungsleiter im Sudhaus oder in der Abfüllerlei. Aber hier ist es immer spannend. Hier ist kein Tag gleich. Es gibt immer irgendwelche Probleme zu lösen. Und das ist genau das, was mir Spaß macht. Da gehe ich gern auf meine Arbeit.


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Erfolgreich in der Marktlücke

Erfolgreich in der Marktlücke

Ein Kommentar von Karsten Babucke

Kleine Privatbrauereien müssen ihr Heil in der Nische suchen. Dann bestehen sie auch im harten Konkurrenzkampf gegen die Biergiganten. Wie das funktioniert, zeigt die Brauerei Haberstumpf in Trebgast. Ein Unternehmen, das für traditionelles Brauhandwerk steht. Es entwickelt aber auch Ideen. Der Mix entscheidet: Tradition und Innovation.


Nach wie vor erweist sich die Marktlage als gut. Auch in Zeiten der Pandemie trinken die Deutschen viel Bier, wenn auch überwiegend zu Hause. Doch kleine Brauereien leben vor allem vom Ladenverkauf. Sie beliefern keine großen Getränkehändler, sondern bieten ihre Produkte im Biergarten oder direkt der Kundschaft an. Für Betriebe dieses Zuschnitts spitzte sich die Situation in den vergangenen Jahren weiter zu. Vor allem wegen der Megabrauereien, die den Markt mehr und mehr dominieren. Sie produzieren Unmengen industriell. Dank der Fernsehwerbung sind sie allgegenwärtig. Die Folge: extreme Konzentrationsprozesse. Kleine Brauereien sterben oder werden von Aktiengesellschaften aufgekauft. Diese wiederum gehen häufig in weltweit agierenden Konzernen auf.

Dieses Schicksal ist aber nicht unausweichlich. Voraussetzungen für ein Überleben sind unternehmerischer Mut, Kreativität und Offenheit für Wandel. Eigenschaften, die seit Jahren die Verantwortlichen in dem Trebgaster Unternehmen auszeichnen. Sie stehen exemplarisch für andere fortschrittliche und ideenreiche Brauereien in Oberfranken. Das Haberstumpf-Team repräsentiert selbstverständlich auch traditionelle Braukunst. In den Sudkesseln reifen Rubin, Zwickl, Helles und Bock. Streng nach bayerischem Reinheitsgebot. Ohne Chemie. Ohne Geschmacksverstärker. Ohne Farbstoffe. Vor allem ohne trendigen Schnickschnack exotischer Mischsorten.

Die Innovation zeigt sich manchmal in scheinbar kleinen, aber wichtigen Details, die zum Verkaufsschlager werden können. Haberstumpf beispielsweise kreierte die 0,75-Liter-Bierflasche. Ein Alleinstellungsmerkmal auf dem umkämpften Biermarkt. Die Idee: Sie lässt sich aufrecht im Kühlschrank neben Wein und Milch lagern. Damit setzte die Brauerei ein Ausrufezeichen in der Branche.


Mag ja sein, dass die Großbrauereien den Markt mit Pils und Kölsch beherrschen. Aber gerade in ländlichen Gegenden schwören die Verbraucher auf Bodenständiges und Bewährtes. Was Haberstumpf vorlebt, ist ein ermutigendes Signal für andere regionale Brauereien. Das Beispiel lehrt: Mut zur Nische, zahlt sich aus.


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Feuerwasser aus dem Fichtelgebirge

Feuerwasser aus dem Fichtelgebirge

Das Trebgaster Whiskey-Projekt

von Karsten Babucke

Not macht erfinderisch. Weil die Brauerei Haberstumpf nur noch schwer über die Runden kam, übernahm 2019 ein Investor das Unternehmen. Der modernisierte nicht nur Sudhaus und Braukeller, sondern auch das Sortiment. Jetzt kommt Whiskey aus Trebgast.

Seit Anfang Oktober lagert in den alten Bierkellern Hochprozentiges. „Hier, am Ortseingang nach Trebgast, wurde früher das Bier gekühlt“, berichtet Braumeister Ottmar Müller. Verwinkelt und verzweigt führen die Stollen in den Berg. Hinter einer Stahltür reift der neue Schatz der Brauerei. Über 27 Holzfässer ruhen hier. Mindestens drei Jahre müssen die Fässer liegen, bis sich der Inhalt Whiskey nennen darf.

Die Herstellung von Bier und Whiskey unterscheidet sich nur geringfügig. Als Grundlage für den Stoff dient ein spezieller Sud. Hierbei setzt Müller eine Bierwürze ohne Hopfen an. „Dazu kommt ein Torf-Malz, das unter einer sogenannten Darre gebrannt wurde.“ Durch diesen Prozess erlangt es einen kernig-moorigen Geschmack. Damit aus dieser Grundlage am Ende Whiskey entsteht, bedarf es eines großen Quantums Stammwürze. So entsteht ein wesentlich höherer Alkoholgehalt.

Nachdem die Brauerei in den letzten Jahrzehnten nur knapp über die Runden gekommen war, stieg 2019 ein neuer Investor ein. Bernd Förtsch machte nicht nur der veralteten Technik den Garaus. Er investierte in Sudhaus und Gärkeller. Und er schuf Raum für Innovationen. Der Braumeister und sein Team arbeiten jeden Monat an neuen Kreationen. Hierbei experimentieren die Lehrlinge auch mit eigenen Rezepturen. Das Sortiment erweiterte sich innerhalb weniger Monate. Einer der Mitarbeiter ist ein Whiskey-Fan. Er trug dem Braumeister die Idee vor, Whiskey zu produzieren. Müller und Förtsch stimmten zu.

Whiskey kommt ursprünglich aus Schottland und Irland. Nach schottischen Kriterien wird die Spirituose aus einer Getreidemalz-Maische gewonnen. Die Mischung muss einen Mindestalkoholgehalt von 40 Volumenprozent aufweisen. Je nach Getreideart erhält der Whiskey seinen Namen. So gibt es den Grain mit verschiedenen Weizensorten. Fast ausschließlich findet er Verwendung in Blended Whiskeys. Bourbon bezeichnet Whiskey, der überwiegend aus Mais besteht. Der Malt-Whiskey ist aus Gerste. Dabei wird auch noch zwischen Scotch oder Irish unterschieden – dem Herkunftsland.

Die Brauerei Haberstumpf verwendet eine Mischung aus verschiedenen Getreidesorten. Der Braumeister berichtet, dass in den letzten Jahren mehr Whiskey-Destillerien in Deutschland als in Schottland entstanden. „Bis der Trebgaster Whiskey auf den Markt kommt, dauert es noch einige Zeit“, sagt Müller. „Er muss jetzt erst mal drei Jahre liegen.“


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Schneider Rakan Ali – Alles verloren und trotzdem nie aufgegeben

Schneider Rakan Ali – Alles verloren und trotzdem nie aufgegeben

Am Ende der Straße steht ein älteres, etwas düster wirkendes Haus. Der Putz an der Hauswand ist abgeplatzt, die grünliche Wandfarbe verblasst. Nur in der unteren Etage scheint es von Leben erfüllt zu sein. Von außen kann man die Silhouette einer etwa 1,65 Meter großen Gestalt im Schaufenster erkennen. Die grelle Beleuchtung im Erdgeschoss lässt die Schattengestalt entstehen. Beim Betreten des Ladens wird man von einem kleinen dunkelhaarigen Mann mit einem breiten Lächeln im Gesicht begrüßt. Er trägt ein Maßband um den Hals und steht hinter einem niedrigen, mit weißen Tüchern bedecktem Dresen. Der kleine Laden ist von Antiquitäten und Kunst übersäht. Wenn man sich in dem Raum genauer umsieht, entdeckt man in einem alten braunen Holzregal Töpfereien wie Teller und Tassen. An einer Wand hängen abstrakte Bilder und die Fensterbretter stehen voller Keramikfiguren. In der Ecke steht eine Schaufensterpuppe, die ein rotes, orientalisch aussehendes Gewand trägt. Die Kunst lässt den sonst sehr kühlen, weiß gestrichenen Raum, plötzlich warm und einladend wirken. Auf dem Tresen, hinter dem der Mann steht, stehen zwei Nähmaschinen. Hinter ihm hängt eine Kleiderstange voll mit Jacken, Hemden und Hosen. Direkt neben ihm steht eine Schneiderpuppe, die einen schwarzen langen Mantel trägt. Man könnte meinen, dieses Kleidungsstück sei für ihn besonders wertvoll. Immer wieder erklärt er anhand der Puppe seine Kunst. Der Mann, der über den etwa 15 Quadratmeter großen Raum wacht, ist Schneider Rakan Ali, der Besitzer einer kleinen Schneiderei in Kulmbach.

Er ist kein typischer Ladenbesitzer

Ali ist erst seit knapp vier Jahren in Deutschland und seit zweieinhalb Jahren in Kulmbach. Er ist somit kein typischer Ladenbesitzer in der Kulmbacher Innenstadt. In seiner neuen Heimat hat er sich und seiner Familie in kürzester Zeit ein ganz neues Leben aufgebaut. Als Flüchtling kam er in Kulmbach an, hat seinen Besitz in Syrien zurücklassen müssen und startete wieder bei null. Doch der Kurde kämpft und gibt nicht auf. Schnell wird er wieder zum Geschäftsmann. Rakan Ali ist ein Beispiel dafür, was Willensstärke bewirken kann. Der kleine Mann wirkt plötzlich ganz groß.

„Mein Sohn hat deutsche Polizei gesehen und war glücklich“

Zehn Tage lang haben Ali und seine Familie sechs Länder durchquert. Wenn er über seine Heimat Syrien und die Flucht spricht, scheint es ihm nicht gut zu gehen. Schlagartig wird aus dem sonst sehr positiven Menschen, der seine Kunden mit einem strahlenden Lächeln und festem Händedruck empfängt, ein zurückhaltender, leicht verunsicherter Mann. Sein Blick geht ins Leere, die Hände werden unruhig und das Lächeln versteckt sich hinter einer kühlen Fassade. Er spricht leiser. Im Jahr 2015 beschloss der 39-jährige mit seiner Frau und seinem Sohn die Heimat zu verlassen. Er erhoffte sich ein besseres Leben, weit weg von dem Bürgerkrieg in seinem Land. Nach zehn Tagen kamen sie in Deutschland an. „Mein Sohn hat deutsche Polizei gesehen und war glücklich“, sagt Rakan Ali in gebrochener deutscher Sprache. Es sei eine große Erleichterung für die drei Syrer gewesen, die Beamten zu sehen. Die Familie habe sich nach langer Zeit wieder sicher gefühlt.

„In Syrien musst du nicht lernen, da musst du einfach arbeiten gehen“

In Damaskus war der Kurde 20 Jahre lang als Schneider tätig. Er hat bei seinem Onkel den Beruf erlernt und später den Betrieb übernommen. „Ich hatte 20 Mitarbeiter“, erzählt der Familienvater stolz. Ein erfolgreicher syrischer Geschäftsmann. Eine abgeschlossene Ausbildung in seinem Beruf hat er nicht. „In Syrien musst du nicht lernen, da musst du einfach arbeiten gehen“, erklärt Ali. Der Syrer war mit voller Begeisterung Schneider. Er ist es immer noch. Wenn Ali heute seine alte Schneiderei mit der jetzigen vergleicht, setzt er ein verschmitztes Lächeln auf. Er gibt zu, dass es in Syrien einfacher war eine Schneiderei zu führen. „In Deutschland hast du viel mehr Papier“, sagt Ali und bezieht sich damit auf die strengen Vorlagen und die vielen Unterlagen, die man ausfüllen muss, um einen eigenen Laden zu eröffnen. Auch die Miete eines Ladens ist in Deutschland teurer. Trotzdem könne der Schneider Rakan Ali in Kulmbach nicht glücklicher sein: „Ich bin sehr zufrieden. Ich habe mehr Kunden als in Syrien und der Ort hier ist sehr schön.“

Auf engem Raum von den vielen Farben und Stoffen erschlagen

Ganz bescheiden und dennoch sehr stolz präsentiert er im Hinterzimmer, dem „Lagerraum“, seine vielen Stoffe. Auf engem Raum wird man von den vielen Farben und den verschiedenen Stoffarten schon fast erschlagen. Auch original syrische Stoffe sind dabei. Wenn Ali davon erzählt, wie er Kleidungsstücke umändert oder gar neu entwickelt, strahlen seine Augen, er beginnt zu gestikulieren und erklärt ins Detail genau, wie sein Handwerk funktioniert. Voller stolz holt er unter seinem Tresen eine Mappe vor und zeigt Bilder von einer Deutschland sucht den Superstar-Teilnehmerin, deren Kleid er designen durfte.

„Ich kann nichts anderes außer das“

Der 39-jährige Schneider Rakan Ali musste in seiner Heimat einiges zurücklassen. Von dem eigenen Geschäft, zwei Häusern und seinen Liebsten musste er sich verabschieden. Als er in Deutschland ankam absolvierte der Flüchtling zuerst einen Deutschkurs. Nach dem Kurs war dem 39-jährigen schnell klar: „Ich möchte arbeiten.“ Sein Wunsch war es, hier in Deutschland wieder selbstständig arbeiten zu können und das in seinem Handwerk, dem Schneidern. „Ich kann nichts anderes außer das“, gibt er zu. Mithilfe des Kulmbacher Künstlers Andreas Schoberth gründete Ali sein „Start up“. Der Künstler stellte dem Syrer vorrübergehend einen Teil seines Ateliers kostenlos zur Verfügung und lies ihn in Kulmbach Fuß fassen. Die Integration war ein voller Erfolg. Knapp zwei Jahre später steht Rakan Ali auf eigenen Beinen und eröffnet seine eigene Schneiderei.

„Für Familie. Die Zukunft hier ist besser“

Der mutige Geschäftsmann hat gegen den Rat vieler deutscher Ämter seinen Traum verfolgt und nie aufgegeben. Kein leichter Schritt. Mit der Unterstützung von Familie Schoberth führt Schneider Rakan Ali nun schon ein Jahr lang erfolgreich ein eigenes Geschäft. Wenn Rakan von Andreas und Margit Schoberth spricht, strahlt er, in seinen Augen kann man die Dankbarkeit gegenüber dem Ehepaar förmlich spüren. Die beiden Kulmbacher sind die Betreuer der Familie Ali. Die syrische Familie wollte sich hier in Deutschland integrieren und das hat sie geschafft. „Für Familie“, sagt der Syrer immer wieder. Sie stehe für ihn im Mittelpunkt. Seine Frau hat hier in Deutschland das zweite Kind zur Welt gebracht und arbeitet nun als Lehrkraft in einer Schule. Sein 9-jähriger Sohn spielt Fußball in einem örtlichen Verein und kann laut Ali schon perfekt Deutsch sprechen. „Viel besser als ich und meine Frau“, gibt der Schneider zu und lacht.

„Ich vermisse die Heimat, aber zurück möchte ich nicht“

„Ich vermisse die Heimat, aber zurück möchte ich nicht. Die Zukunft hier ist besser“, sagt er. Wenn er über seine neue Heimatstadt Kulmbach spricht, besiegt das Lächeln die sonst etwas nüchterne Fassade. Er fühlt sich sicher und gut aufgehoben. Hier kann er sich seine Zukunft vorstellen. Ein kleiner Mann, der große Ziele verfolgt.

Posted by Sarah Schmidt in Kindheit, Kindheit im Wandel der Zeit, Sarah Schmidt
Kindergärten Kulmbach – Im Wandel der Zeit

Kindergärten Kulmbach – Im Wandel der Zeit

Vom Flüchtlingslager auf der bekannten Plassenburg bis hin zum modernsten Kindergarten in ganz Kulmbach. Die Audioslideshow umfasst einen kurzen und dennoch prägnanten Teil in der Geschichte der oberfränkischen Kleinstadt Kulmbach: Den Wandel der Kitas. Einige Großeltern können sich noch sehr gut an die Zeit nach dem Krieg erinnern. Viele von ihnen wurden zuhause von der Mutter oder der Großmutter großgezogen. Ein paar Jahre später, in der nächsten Generation, war es schon üblicher, dass Kinder in den Kindergarten gingen. Dort wurden sie allerdings nicht nur von Erzieherinnen betreut, sondern häufig auch von Nonnen. Heute kann man sich all das gar nicht mehr so richtig vorstellen. Die Erzählungen von Mama, Papa, Oma und Opa sind zwar spannend, aber ein richtiges Bild vor Augen hat man trotzdem nicht. Dieses kurze Video soll einen kleinen Einblick in die Vergangenheit ermöglichen.

Kindergärten in Kulmbach

Posted by Sarah Schmidt in Kindheit, Kindheit im Wandel der Zeit, Sarah Schmidt
Religion und Glaube – Im Wandel der Zeit

Religion und Glaube – Im Wandel der Zeit

Ein Interview mit Pfarrer Ulrich Winkler

Themenschwerpunkte im Interview:

Audioslideshow Petrikirche

Der Glaube im Wandel der Zeit

Woran kann es Ihrer Meinung nach liegen, dass Kinder heutzutage weniger Interesse an Religion zeigen?

Kinder haben heute nicht weniger Interesse an religiösen Fragen. Interesse hat man dann, wenn man die Relevanz einer Angelegenheit für sich selbst erkennt. Die Relevanz der religiösen Fragen ist menschlich jederzeit akut. Man stellt sich Fragen wie: „Woher komme ich?“, „Wer gibt mir einen Sinn und ein Ziel in meinem Leben?“, „Bin ich allein oder ist da jemand mit mir unterwegs?“, „Wohin gehe ich?“, „Warum müssen Menschen sterben?“, „Was bedeutet eigentlich Leben?“, „Wie können wir miteinander in Gemeinschaft leben?“, „Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ und vieles mehr.
Als meine älteste Tochter ein Kind war und eines unserer Haustiere starb, da war sie tieftraurig und weinte lange. Es half ihr, dass meine Frau mit ihr eine Beerdigung dieses Tieres mit einem Gebet vornahm. Das tröstete sie. Der Tod war so erstmals in ihr Leben getreten. Die Relevanz war da.

Und trotzdem hat man das Gefühl, dass gerade im Schulalter die Kinder und Jugendlichen den Wert von Religion weiter hinten ansiedeln. Woran könnte das liegen?

Das hängt aus meiner Sicht mit unserer Gesellschaft und mit dem Elternhaus zusammen. Denn Kinder selbst sind für mich ein unbeschriebenes Blatt, die alles annehmen, was ihnen von ihren Vorbildern vorgelebt wird.
Mit der Gesellschaft hängt es zusammen, weil Kirche hier neben anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften nicht mehr den zentralen Stellenwert hat, den sie noch vor einem Lebensalter hatte. Das hat vielerlei Ursachen, Ursachen von außen, aber auch hausgemachte. Einige Skandale der letzten Jahrzehnte haben da sicherlich auch zu beigetragen, und man übersieht, was Kirche alles Gutes tut.
Mit dem Elternhaus hängt es zusammen, weil den Kindern religiöse Praxis oft nicht mehr vorgelebt wird. Damit meine ich den sonntäglichen Kirchgang, das Hausgebet – am Tisch, am Morgen oder Abend – das Lesen der Bibel. Oft ist es so, dass die Großeltern als Wertevermittler nicht mehr im Haus wohnen, sondern in weiter Ferne. Weil eben auch oft im Krankenhaus oder im Seniorenwohnheim gestorben wird und nicht mehr zu Hause, Kinder also den Tod oft nicht mehr hautnah miterleben. Nicht zuletzt spielen auch die Medien eine Rolle, die die Kinder heutzutage viel mehr beeinflussen als vor einer Generation. Sie sind heutzutage oftmals die eigentlichen Erzieher, wenn die Eltern auf die Arbeit müssen. Die Frage wäre dann umgekehrt: wie kommt der Glaube bzw. wie kommt Kirche mehr in die Medien?

Was hat sich in unserer Gesellschaft verändert, dass Eltern, die zum Teil selbst religiös erzogen wurden, genau das heute nicht mehr bzw. weniger tun?

Ich denke, hier spielen einerseits gesellschaftliche Weichenstellungen eine Rolle, die schon vor vielen Generationen gestellt wurden. Der Autoritäts- und Bedeutungsverlust von Kirchen ist ein schleichender Prozess. Im letzten Jahrhundert wurde Kirche durch Nationalismus, Nationalsozialismus, Kommunismus oder auch dann in unserer westlichen Gesellschaft durch Individualismus und Kapitalismus zurückgedrängt.
Ein weiterer Grund seit dem Krieg ist sicherlich, dass es den Menschen vielleicht zu gut ging, so dass sie die Bedeutung von der Kirche nicht mehr sahen. Damals ging es auch um Machtfragen. Als die Jugend 1968 rebellierte, erachtete sie die Traditionen als altmodisch und überholt. Da wurde es schick, sich die eigene Weltanschauung zusammenzubasteln. Dann traten religiöse Fanatiker auf, die das Ansehen von Religion beschmutzten. Dazu kamen kirchliche Missbrauchsskandale.
Aber es sind auch innerkirchliche Gründe: Konservative und liberale Christen stritten sich über ethische Themen. Die Individualisierung der Gesellschaft zeigte sich auch innerhalb der Glaubensgemeinschaft. Neben den Großkirchen etablierten sich freie Kirchen und Gemeinschaften – Und alle traten miteinander in Konkurrenz. Da Arbeitnehmer und Schüler nur noch am Wochenende Zeit hatten, mussten Kirchen, als zusätzlicher Anbieter von Freizeitaktivitäten, auch noch in Konkurrenz zu Vereinen und anderen Kulturanbietern treten. Das alles wirkte sich auch auf die heutige Elterngeneration aus.
Aber zu Ihrer Frage: Es ist nicht überall so, dass Eltern ihre Kinder nicht mehr oder weniger religiös erziehen. Ich kenne auch viele Eltern, die gerade heute ihre Kinder wieder religiös erziehen, weil sie den Wert vom Glauben und der Gemeinschaft wiederentdecken. Vielleicht sehe ich hier sogar einen Trend.

Kann es sein, dass Familien die Religion heute zu „unbequem“ ist? Ich denke dabei an Argumente wie: „Der Gottesdienst ist eben zur falschen Zeit.“

Einerseits wünschte ich mir manchmal, dass Kirche mit ihren Forderungen und Vorstellungen „unbequem“ ist. Denn sie wirkt gerade für Christen, jenseits der Großkirchen, oft als zu angepasst. Hat nicht gerade Greta Thunberg gezeigt, dass man seine Überzeugung nur leben muss, um damit Erfolg haben zu können? Zeigten nicht der Klimawandel und die Corona-Krise, dass unser Lebensstil in mancherlei Dingen geändert werden muss?
Findet der Gottesdienst zur falschen Zeit statt? Ich glaube, es handelt sich manchmal nur um einen Vorwand, um die Schuld von sich wegzuschieben: „Ich möchte ausschlafen oder habe keine Lust, also sind die Gottesdienstanbieter schuld!“ Ich kann zumindest nicht feststellen, dass Angebote der Kirche am Samstagabend, am Sonntagabend oder unter der Woche besser angenommen werden. Und diese Möglichkeiten gibt es ja bei uns hier in Kulmbach.
Ja, zum Teil mag es an unserer Form des Angebots liegen. Oder auch an der Überzeugungskraft der kirchlichen Vertreter. Hieran können wir arbeiten. Aber teilweise liegt es auch daran, dass viele einfach nicht wollen, weil sie nicht müssen, und da kannst du noch so sehr einen Handstand in der Kirche machen. Ich frage mal umgekehrt: Sollte unsere Gesellschaft nicht den Wert von Ruhe und gemeinsamer freier Zeit, also kirchliche Sonn- und Feiertage, wiederentdecken? Auch, weil es die Schöpfung braucht? Kann der Gottesdienst nicht ein Ritual sein, das zur Entschleunigung und Besinnung beiträgt, so wie es gerade angesichts der Coronakrise gefordert wird?

Was löst das in Ihnen aus, dass immer weniger Leute in die Kirche gehen, mehr Kinder in den Ethikunterricht wechseln und immer mehr an ihrem Glauben zu Gott zweifeln? Wie haben Sie das zu Beginn ihrer Karriere wahrgenommen?

Zunächst einmal ist die Frage, ob immer weniger Menschen in die Kirche gehen. In meiner 25-jährigen Laufbahn als Pfarrer kann ich da Wellenbewegungen feststellen – je nachdem, wie gut Gemeinde zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen ist, wie sehr der Pfarrer mit seinem Engagement in der Gemeinde geschätzt wird, wie sehr er oder sie auch kluge Entscheidungen fällt und andere Menschen mit einbindet. Die Kurve kann sich dann sehr wohl nach oben verschieben. Und das habe ich auch erlebt. Durch Angebotsvielfalt und Beteiligung vieler sind immer wieder große Gottesdienstversammlungen mit voller Kirche dagewesen. Hier in Kulmbach bin ich noch nicht lang genug, um aus einer reichen Erfahrung zu schöpfen oder irgendwelche Prognosen abgeben zu können. Aber auch hier erlebe ich bereits: Wenn ein Thema die Leute anspricht und viele beteiligt sind, dann füllt das auch die Kirchen.

Wie bringen Sie als noch recht neuer Pfarrer in Kulmbach den Jüngsten in unserer Gesellschaft den Glauben näher?

Eines meiner Anliegen ist es in der Tat, bei den Jüngsten anzusetzen. Ich liebe es, mit Kindern im Kreis zu sitzen und mit ihnen biblische Geschichten durchzuspielen. Bei der Vorbereitung merke ich dann oft, dass es gar nicht so leicht ist, Dinge, die für uns Erwachsene selbstverständlich sind, Kindern beizubringen. Das ist auch immer eine Herausforderung. Aber es macht viel Spaß. Ich arbeite gerne mit Kindern. Sie sind noch so aufgeschlossen und ehrlich. Sie lachen und streiten. Und das mag ich. Ich habe selbst vier Kinder mit großgezogen, und ich glaube, das Wichtigste ist nicht einmal, was du anbietest, sondern dass du die Kinder einfach liebhast und sie dir nicht auf die Nerven gehen. Darum stört es mich auch nicht, wenn Kinder im Gottesdienst mal laut sind. Ich würde gerne noch mehr Familiengottesdienste halten. Aber im Moment bin ich durch die Coronakrise ziemlich eingeschränkt. Vieles musste und muss ausfallen. Und das tut weh.
Wenn Sie nach dem „Wie“ fragen, dann ist das eine Methodik-Frage, das kann ich so pauschal nicht beantworten. Ich war ja selbst einmal klein. Ich versetze mich in die Kleinen hinein und überlege mir, was sie wohl ansprechen würde. Und ich hole mir auch Tipps aus Büchern oder dem Internet. Viel Wechsel in der Methodik ist mir wichtig: Erzählen, Singen – gerne auch mit Bewegungen – Spiel, Basteln, Essen. Die Glaubensfragen an sich, die sind aus meiner Sicht zeitlos. Ich behaupte, die Glaubensthemen interessieren jeden.

Haben Sie Angst davor, dass der religiöse Glaube immer weiter aus der Gesellschaft wegbricht?

Nein. Definitiv: nein! Wie schon oben gesagt: Die religiösen Fragen sind menschlich und werden immer da sein. Auch wenn sich die Antworten im Laufe der Jahre vielleicht ändern oder ausdifferenzieren. Ich erlebe den christlichen Glauben in der Beziehung als besonders stark, weil aus meiner Sicht die Bibel uns oftmals in Bildern und mit Überschriften antwortet und uns die Freiheit lässt, in der jeweiligen Zeit die richtigen Antworten zu finden. Auch mein Glaube hat sich im Laufe des Lebens immer verändert. Aber er ist da. Glaube bedeutet Vertrauen. Wo kein Vertrauen mehr herrscht, da ist menschliches Leben in einer zivilisierten Form gar nicht möglich. Auch wenn die christliche Liebe oft missverstanden wird: Ohne Liebe ist das Leben sinnlos. Die christliche Hoffnung ermöglicht uns erst, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Davon bin ich überzeugt.

Audioslideshow Petrikirche

Der Gottesdienst mal anders?

Denken Sie, dass es den klassischen Gottesdienst in, sagen wir, 10 Jahren noch in dieser Form geben wird?

Ja, den wird es genauso noch geben wie neben ihm noch viele andere Formen. Denn das Ritual des Gottesdienstes ist eben auch für viele Menschen ein Halt für den Alltag. Wenn alles nur beliebig ist, Form und auch Inhalt, woran soll man sich dann noch halten?
Was wäre für Sie eine Alternativform? Würden Sie sich bei der Veränderung wohlfühlen?
Wie gesagt, es mag eine Ausdifferenzierung geben und die gab es über Jahrzehnte. Beispiele: Pietistische „Stund“, Evangelisationen, Taizégottesdienste, pfingstlerische Heilungsgottesdienste, charismatische Lobpreisgottesdienste, Alltagsexerzitien, Freiluftgottesdienste, Thomasmesse und noch vieles mehr. All das sind für mich auch Gottesdienste, solange sie im Namen Gottes beginnen und mit dem Segen Gottes enden. Und ich fühle mich bei jedem einmal mehr und einmal weniger zu Hause. Aber als Pfarrer mache ich vieles mit, wenn die Gemeinde das wünscht.

Wer legt eigentlich den Aufbau eines evangelischen Gottesdienstes fest? Wäre es einfach ihn zu verändern?

Die katholische Messe hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Martin Luther nahm sie zum Vorbild und entwickelte aus ihr 1526 die Deutsche Messe. Im Großen und Ganzen folgt unser heutiger evangelischer Gottesdienst mit seiner Grundform 1 (G 1) immer noch diesem Modell. Das ist ein Ritus, der für Kinder (auch für mich früher) oft langweilig erscheint, weil man nicht kapiert, warum er so ist wie er ist. Es erklärt einem halt auch keiner, bis man das dann im Konfirmandenunterricht mal lernt. Ehrlich, wir sollten immer wieder einmal an gewissen Sonntagen „Gottesdienst erklärt“ feiern, wo die einzelnen Abschnitte besprochen werden und die mittelalterlichen Lieder durch moderne ersetzt werden. Aber der Aufbau des Gottesdienstes folgt einem Ritus – oder wie es Manfred Josuttis mal formulierte dem „Weg ins Leben“. Das heißt: aus dem Alltag ankommen, vor Gott treten, das vor ihn bringen, was einen bewegt – Sorgen und Schuld, Not und schließlich Lob – dann auf sein Wort hören und es vom schriftkundigen Pfarrer ausgelegt bekommen, dann mit den Nachrichten aus der Gemeinde in die Fürbitten gehen und nach dem Vaterunser den Segen für die kommende Woche mit auf den Weg bekommen. Eigentlich ein nachvollziehbares Ritual, finde ich.

Viele Kinder und Jugendliche finden den Gottesdienst, insbesondere die Predigt, oft zu langweilig oder zu lange. Was wäre Ihrer Meinung nach, eine Methode, die Predigt besonders für Kinder etwas anschaulicher zu machen?

Oh, dazu gäbe es unzählige methodische Möglichkeiten: von Kleinigkeiten wie „einmal einen Witz einfügen“ oder „gereimte Predigt“ über methodische Anschauungsmaterialien bis hin zum Einsatz moderner Medien. Wenn so etwas zu wenig gemacht wird, liegt es meistens an der mangelnden Zeit für die Vorbereitung. Weil der Pfarrer ja nicht die ganze Woche zu Hause sitzt und nur überlegt, was er am Sonntag auf der Kanzel sagen könnte. Aber ich kenne viele, die das sehr gut beherrschen.

Ist für Sie der Gang in die Kirche ein wichtiger bzw. entscheidender Bestandteil des Glaubens?

Ja. Definitiv. Ein Sonntag ohne Kirche – da fehlt mir schon was. Für mich als Privatperson, nicht nur als Pfarrer, ist meine Woche ohne einen Sonntagsgottesdienst irgendwie nicht abgerundet. Denn im Gottesdienst komme ich zu mir selbst. Und: Im Gottesdienst erlebe ich Gemeinde, und das finde ich ganz wichtig auch für meinen eigenen Glauben. Das Zusammenkommen ist ein wichtiger Bestandteil, denn der Mensch braucht gemeinsame Rituale. Egal ob das gemeinsame Singen, das Beten oder die Fürbitten, das alles gibt den Menschen Kraft und sie bekommen das Gefühl von Gemeinschaft.

Bietet die Petrikirche, neben der Konfirmation, noch weitere Anlässe, um Kinder und Jugendliche in die Kirche zu locken?

Ja, durch Taufen, durch Kleinkindgottesdienste wie den „Gottesdienst für kleine Strolche“ oder den Kindergottesdienst „Time4Kids“, das Erzählen biblischer Geschichten im Kindergarten, den Kinderchor, das Krippenspiel oder das Kindermusical. Wir haben viele Ideen. Was im Moment noch fehlt ist die Zeit, alles umzusetzen, und die Zeit seitens der Mitarbeitenden, die ja auch noch ein eigenes Leben haben. Im Moment sind wir durch Corona völlig lahmgelegt. Und dann habe ich im Bereich der Jugendarbeit auch noch das Problem, dass man viele Jugendliche mit den herkömmlichen Medien nicht mehr so leicht erreicht. Wie soll ich denn einladen, wenn Jugendliche keine Zeitung lesen? Aber Gott sei Dank gibt es hier die Evangelische Jugend, die viele Jugendliche in Kulmbach erreicht.

Die Digitalisierung in den Kirchen

Wie weit sind die bayerischen Kirchen in Sachen Digitalisierung schon vorangeschritten?

Ich denke, sehr weit. Aber viele sind da viel weiter als ich.

Was hält die Pfarrer, besonders Sie selbst, eventuell noch ein bisschen davon ab, zusätzlich auf das Digitale zu setzen?

Die Zeit und die Kompetenz. Aber ich mache ansonsten schon viel digital. In meiner letzten Gemeinde musste ich den Gemeindebrief erstellen, und der kam gut an. Seit ich in Kulmbach bin, musste ich viel digital dazulernen, und das stresst schon. Oft fehlt einfach trotzdem das nötige Know-How.

Gibt es für Sie selbst eine Grenze was das Digitale betrifft? Stichwort: Gottesdienst-Live-Übertragung im Internet, Segensroboter oder einen Glaubens-Podcast?

Gottesdienst-Live-Übertragung kann ich mir vorstellen, habe ich aber in der Form noch nicht gemacht. Aber ich glaube, ich bräuchte dazu immer eine Gemeinde. Einfach so ins Nichts hinein zu sprechen, das wäre schon komisch. Segensroboter? Nie gehört. Klingt für mich auch komisch, weil Segen was Beziehungsmäßiges, was Persönliches ist. Das kann doch keine Maschine! Glaubens-Podcast finde ich gut, habe ich aber noch nie gemacht.

Was beziehungsweise wer genau hält die Entwicklung diesbezüglich noch zurück?

Die liebe Zeit. Als Pfarrer bin ich sehr viel auf der zwischenmenschlichen Ebene unterwegs. Sprich: in realen Gottesdiensten samt Kasualgottesdiensten, bei Seelsorgegesprächen, Besuchen, im Unterricht, in Gruppenstunden, Sitzungen und vielem mehr.
Und dann bleibt die generelle Frage: Brauchen wir mehr Digitalisierung und Vernetzung? Jetzt in Zeiten der Coronakrise, wo man nicht mehr aus dem Haus darf, ist die Vernetzung über die digitalen Medien ein Segen. Aber es gibt ja auch negative Folgen, wie erhöhten Stromverbrauch, Computer- und Handysucht, der Stress durch die fortwährende Erreichbarkeit, Hass im Internet oder die Anfälligkeit für Cyberattacken. Mal von normalen Zeiten ausgegangen: Brauchen wir nicht auch mal wieder mehr die persönliche Begegnung?

Der „neue“ Religionsunterricht?!

Was würden Sie von einer Zusammenführung des evangelischen und katholischen Religionsunterrichts halten?

An vielen Schulen gibt es das sozusagen schon „unter der Hand“. In den Religionsgruppen sind dann katholische und evangelische (und bekenntnislose) SchülerInnen und werden von einer evangelischen ODER einer katholischen Lehrkraft unterrichtet. Manchmal ist das einfach organisatorisch die einfachere Lösung. Und natürlich spielen die konfessionellen Unterschiede im Vergleich zu früher eine viel geringere Rolle. Trotzdem finde ich es wichtig, diese noch zu benennen – weil sich darin ja durchaus auch die Vielfalt christlichen Glaubens zeigt. Es würde tatsächlich ein großer Teil religiöser Reichtum wegfallen, wenn man nur noch auf das zurückgreifen würde, was bei allen „gleich“ ist. Aber das ist sicher auch in einem ökumenischen Religionsunterricht möglich.
Wichtig finde ich, dass in jedem Fall im Religionsunterricht die Grundlagen des christlichen Glaubens nicht zu knapp behandelt werden. Meine SchülerInnen melden mir immer wieder zurück, dass sie es zwar interessant finden, sich mit anderen Religionen zu befassen – aber, dass ihnen dabei die eigene Religion gelegentlich zu kurz kommt. Da muss Schule halt auch einiges auffangen bzw. „nachholen“, was nicht mehr in den Familien geschieht oder auch nicht mehr geschehen kann.

Posted by Sarah Schmidt in Kindheit, Kindheit im Wandel der Zeit, Sarah Schmidt
Vegan – vielseitig und lecker

Vegan – vielseitig und lecker

Vegane Ernährung liegt voll im Trend. Es schmeckt nicht nur gut, es ist auch gesund.

In Deutschland leben rund sechs Millionen Vegetarier. Fast jeder Zehnte davon ernährt sich vegan, verzichtet also auf jegliche Produkte vom Tier. Doch ist eine rein pflanzliche Kost auch gesünder?

Wissenschaftliche Studien haben belegt: wer sich vegan ernährt, wird nicht so schnell krank und lebt auch noch länger.

Doch Vorsicht –  wer sich vegan ernährt, muss seine Nahrung sorgfältig aussuchen und sich vielseitig ernähren. Obst und Gemüse, aber auch Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte sollten regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Nüsse, Samen und pflanzliche Öle dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Essen gehen ist nicht immer einfach. Aber auch in Kulmbach ist es möglich. Das „Patchwork“ bietet leckeres veganes Essen an – und nicht nur das. Auf der Speisekarte stehen auch Gerichte mit Fleisch. So findet jeder etwas zu Essen, unabhängig von seinen Ernährungsgewohnheiten.

Posted by Tanja Freiberger in Essen & Trinken, Tanja Freiberger, Unser Oberfranken
„Patchwork“

„Patchwork“

Bunt, vielseitig und lecker –

Das „Patchwork“ in Kulmbach

Bunte Muster und Schilder mit frechen Sprüchen an den Wänden, liebevolle Dekorationen und frische Blumen auf den Tischen – das „Patchwork“ in Kulmbach ist bunt, vielfältig – und außergewöhnlich. Nicht nur seine Einrichtung macht das Restaurant besonders, sondern auch die Gerichte, die hier serviert werden. Wer einen Blick in die Speisekarte wirft, der findet viele verschiedene Speisen: für Fleischesser, Vegetarier und Veganer.

Britta Weschenfelder eröffnete das Lokal 2016 gemeinsam mit ihrem Mann Oliver. Köchin Claudia Vonbrunn vervollständigt das „Patchwork“-Team. Wie das „Patchwork“ zu seinem Namen kam und was sie hier in den vergangenen Jahren erlebt hat, erzählt Britta Weschenfelder:

Von Vorspeisen über Suppen und kleinen Gerichten bis hin zu Burgern – die Speisekarte des „Patchworks“ ist bunt gemischt. Speisen aus den verschiedenste Kulturen und immer wieder besondere Spezialitäten finden hier ihren Platz. Und auch die süße Nachspeise kommt nicht zu kurz. Zu den Gerichten bietet das „Patchwork“ auch selbstgemachte Limonaden, fränkisches Bier und bunte Cocktails an.

SpeisekarteSpeisekarteSpeisekarteSpeisekarte

Mittags bietet das „Patchwork“ von Dienstag bis Freitag ein wechselndes, schnelles Mittagessen, ein sogenanntes „Quick Lunch“ an.

Die leckeren Speisen des „Patchworks“ und weitere aktuelle Informationen finden sich auch auf Facebook:

https://www.facebook.com/721788104568266/photos/a.721927387887671/2538056922941366/

Haben Sie Lust auf leckeres (veganes) Essen?

Öffnungszeiten des „Patchwork“

Dienstag bis Freitag von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr
Dienstag bis Freitag ab 17:00 Uhr
Samstag und Sonntag ab 17:00 Uhr
Montag Ruhetag

Das Patchwork im Internet: http://www.patchwork-kulmbach.de/

Sind Sie Veganer, Vegetarier oder essen Sie alles? Stimmen Sie hier mit ab:

Posted by Tanja Freiberger in Essen & Trinken, Tanja Freiberger, Unser Oberfranken