Tradition

Das Oberfränkische Wort des Jahres

Das Oberfränkische Wort des Jahres

Seit 2015 wird das Oberfränkische Wort des Jahres gewählt. Ein Projekt, das sich in kurzer Zeit zum Selbstläufer entwickelt hat. Nach Wischkästla, a weng weng und urigeln in den Vorjahren wurde 2018 derschwitzen zum oberfränkischen Wort des Jahres gewählt. Barbara Christoph von der KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken in Bayreuth ist Teil der Jury. Die gebürtige Oberpfälzerin fühlt sich längst im Oberfränkischen zu Hause und wenn es um den Dialekt geht hat dieser für sie durchaus eine moderne Komponente. Den Niedergang will sie ihm noch lange nicht voraussagen. Wir haben mit ihr gesprochen, was denn genau hinter der Idee zu dem oberfränkischen Wort des Jahres steckt.

Das Oberfränkische Wort des Jahres wurde bereits zum vierten Mal gewählt – welche Idee steckt hinter der Aktion?

Wir wollen mit dem Oberfränkischen Wort des Jahres zeigen, dass der Dialekt lebt. Dass er nichts Rückwärtsgewandtes ist. Ganz konkret geht es uns darum zu zeigen, dass der Dialekt Wörter hat, für die es keine hochdeutsche Entsprechung gibt bzw., dass das Dialektwort bisweilen sogar präziser als das Hochdeutsche ist, weil es eine ganz klare Emotion transportiert, ganze Bilder malt.

Oft sind es einfach Nuancen. Ganz stark war das beispielsweise bei unserem zweiten oberfränkischen „Wort des Jahres“ a weng weng: Das deutet zwar schon an, dass es ein bisschen wenig war, aber ohne gleich eine böswillige Kritik abgeben zu wollen.

Wie läuft die Wahl zum Wort des Jahres ab?

Die Aktion läuft eigentlich durchgehend. Wir sammeln das ganze Jahr über Vorschläge und führen darüber eine Liste. Da ist es dann auch nicht so, dass die Vorschläge, die vor zwei Jahren eingegangen sind, fort sind. Schließlich sind einige Wörter Dauerbrenner und werden uns in jedem Jahr zugesandt. Aber wir notieren schon, wie häufig ein Wort vorgeschlagen wird. Momentan haben wir ein Pool von etwa 1500 Wörtern. Ein absoluter Publikumsliebling ist natürlich das Wort fei. Vor der Wahl sucht sich jedes Jurymitglied aus der Liste jeweils fünf Vorschläge aus, die dann in einer Sitzung diskutiert werden.

Die Jury besteht aus der Sprachwissenschaftlerin Almut König von der Universität Erlangen, Sabine Knieling vom Extra-Radio in Hof und Bertram Popp, dem Leiter des Bauernhofmuseums in Kleinlosnitz – sozusagen unser Native Speaker; er hat dieses Jahr auch den Bayerischen Dialektpreis erhalten.

Der Sieger ist also nicht das am häufigsten genannte Wort, sondern das Ergebnis einer intensiven Diskussion?

Genau. Die Wörter sollten eine Botschaft transportieren, wie heuer derschwitzen, das sicher auch schon länger in unserer Gesamtliste stand.

Das Marmeladenaamerla, das halt nur lustig im Dialekt ist, aber ohne Substanz fällt es einfach raus. Sozusagen der fränkische Oachkatzlschwoaf: Allseits beliebt und süß, aber ohne Geschichte.

War die Wahl zum Oberfränkischen Wort des Jahres nur als einmalige Aktion gedacht?

Medial hat uns das Teil ja komplett überrannt. Es ist das erfolgreichste Projekt des Bezirks Oberfranken. Eingeschlagen hat vor allem des erste „Oberfränkische Wort des Jahres“ 2015, das Wischkästla. Da waren wir in über 84 Zeitungen. Da war das Geheimnis auch wirklich das Wort selbst. Dass der Dialekt nicht nur alte Wörter hat, wie das urigeln im vergangenen Jahr, sondern, dass der Dialekt wirklich lebt. Bei dem Wort urigeln hatten wir auch die größte fachliche Diskussion: Ob es als Verb gebraucht wird: „es urigelt“ – oder substantivisch: „ich habe Urigeln“. Die Bedeutung ist klar. Es ist das spezielle Kribbeln in den Fingern oder Zehen, wenn man in die Wärme kommt. Das ist auch wieder ein typisches Beispiel für die Idee hinter unserem oberfränkischen „Wort des Jahres“: es gibt dafür keine hochdeutsche Entsprechung. Die Aktion soll auch einfach Lust machen auf Dialekt. Wir wollen weg von diesem „pflegen und hegen“. Das verbinde ich so mit „darnieder liegen“ oder „sterben“. Mit Wischkästla konnten wir auch zeigen, dass der Dialekt ein modernes Wort hat.

Wie ist Idee dazu überhaupt entstanden?

Der Anstoß kam eigentlich von Sabine Knieling vom Extra-Radio, die uns – als Vertreter des Bezirks Oberfranken – bei der Pressekonferenz zu den Mundart-Theatertagen nach unserem fränkischen Lieblingswort gefragt hat. Und aus dieser Frage heraus ist irgendwie die Suche nach dem „Wort des Jahres“ entstanden. Weil das Interesse dann zum Start 2015 so groß war, haben wir beschlossen, die Aktion jährlich durchzuführen.

Dialekt hat also durchaus eine moderne Komponente und kann die Menschen begeistern?

Ja, Dialekt ist lebendig. Das ist ein Ansatz, den ich auch ganz stark verfolge. Dazu kommen moderne Einflüsse. Im Kulmbacher Theater „Baumann“, zum Beispiel: „Der Krug ist hie“ – also „Der zerbrochene Krug“, ein Mundart-Theaterstück auf höchst professionellem Niveau. Oder junge Mundart-Bands, die den Nachwuchs begeistern.

Kann oder soll man Dialekt in der Schule erlernen?

Da sprechen wir ja von einer Verordnung, sich mit Dialekt zu beschäftigen. Ich habe da natürlich keinen Einblick in den Unterricht und es ist sicher zu begrüßen, dass der Dialekt wieder zum Thema wird. Dass man den Wert des Dialektes wieder erkennt. Aber meiner Meinung nach wird er da behandelt wie eine Kunstform. Für mich ist es aber nicht der richtige Ansatz, den Dialekt als eine Art Brauch zu behandeln. Ein Brauch wird ja eben gehegt und gepflegt und das zeigt für mich, dass er nicht mehr gelebt wird. Aber er soll ja lebendig bleiben. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass Dialekt für ein gutes Sprachgefühl sorgt. Dass er wichtig für den grundsätzlichen Umgang mit Sprache ist. Dass er auch in der Sprachgeschichte widerspiegelt, wo ein Wort herkommt.

Der Dialekt stirbt also nicht aus?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Er wird sich wandeln, wie er sich schon immer gewandelt hat. Dass wir uns eines Tages zu einem kollektiven Hochdeutsch hin entwickeln, das sehe ich zumindest für unsere Zeit nicht. Dazu haben wir noch zu viele „Native Speaker“. Ich kann diese Dramatik oft nicht verstehen: Wie gesagt, er wandelt sich – und das finde ich, ist eigentlich auch das Gute daran. Ich glaube nicht, dass man ihn künstlich am Leben erhalten kann. Es entsteht Neues und Altes geht. Das ist der Lauf der Dinge. Und so sehe ich es mit der Sprache auch. Man braucht Leute, die es tun. Mit Leidenschaft, die es mit Neuem vermischen. Wie die Mundart-Theater oder Bands wie Boxgalopp. Das sind Leute, die den Dialekt weitertragen.

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Und wie finden die Kulmbacher das Obefränkische Wort des Jahres?

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama
Was ist ein Stutenkerl?

Was ist ein Stutenkerl?

Ein Stutenkerl oder Weckmann ist ein Gebäck in Form eines Mannes, das zur Adventszeit gebacken wird. Ursprünglich kommt er aus dem Rheinland, heute ist der Stutenkerl aber auch in Oberfranken verbreitet.

Stutenkerle frisch aus dem Ofen

Der Name Stutenkerl hat übrigens nichts mit Pferden zu tun. Stattdessen geht er auf den mittelniederdeutschen Begriff „Stute“ oder „Stuten“ zurück. Dieser beschreibt traditionell eine Sorte längliches Weißbrot, das meist Rosinen beinhaltet. Hierfür verwendet man traditionell Milchbrötchen oder Hefeteig. Der Weckmann ist eine besonders spielerische Variante dieses Süßgebäcks.

Ein echter Stutenkerl zeichnet sich durch seine besonders liebevolle und verspielte Verzierung aus. Er gehört Goldbraun gebacken und trägt oft eine Pfeife. Diese gilt mancherorts als Markenzeichen des Stutenkerls. Warum er diese Pfeife trägt ist jedoch nicht ganz klar – ebenso wie die Frage, wen das Gebäck darstellen soll.

Wer ist der Stutenkerl?

Tatsächlich gibt es mindestens zwei unterschiedliche Theorien über die Herkunft des Stutenkerls. Alle beide gehen jedoch auf weihnachtliche Traditionen aus dem Umfeld des Heiligen Nikolaus zurück.

Einer Theorie nach soll der Stutenmann den Knecht Ruprecht oder Krampus darstellen, der den Nikolaus begleitet und böse Kinder bestraft. Demzufolge entwickelte sich seine Pfeife aus der Rute, mit welcher der dunkle Geselle des Heiligen die bösen Kinder verprügelte. Offenbar wollten Bäcker ihr Gebäck freundlicher wirken lassen und zensierten den Stutenmann daher.

Die zweite Theorie geht davon aus, dass der Stutenmann den Nikolaus selbst darstellen soll. Die Pfeife entwickelte sich laut dieser Theorie aus dem Bischofsstab des Heiligen. Irgendwann soll einem Bäckermeister aufgefallen sein, dass die Form dieses Stabs einer Pfeife ähnelt. Folglich drehte er den Stab um und begründete damit die Tradition der Pfeife.

Woher kommt der Stutenkerl?

Im Mittelalter waren Gebildegebäcke wie der Stutenmann als Ersatz für die Kommunion üblich. Man teilte sie damals an Kranke und Büßer aus, die keine Kommunion empfangen konnten. Diese Tradition hat sich in Teilen der Orthodoxen Kirche bis heute erhalten. Damit hat der oberfränkische Stutenkerl auch in Osteuropa Cousins.

In Deutschland werden Leckereien wie der Stutenkerl heute fast nur noch gebacken, um Kindern ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Auch hat sich die Verknüpfung mit dem Heiligen Nikolaus ist in vielen Regionen nicht mehr so eng wie früher. Mancherorts bäckt man bereits zu St. Martin Stutenkerle. Die werden dann einfach Martinsmänner genannt.

Wie mache ich einen Stutenkerl?

Wie bei vielen Rezepten, die in der Familie von Generation zu Generation weitergereicht werden, gibt es auch beim Stutenkerl keine festgeschriebene Zubereitung, an die man sich zu halten hat. Das folgende Rezept kommt von einer Familie aus Bamberg:

  1. Quark, Milch, Öl, Zucker, Vanillezucker und Salz miteinander verrühren.
  2. Mehl und Backpulver mit dem Rest vermischen und zu einem Teg kneten.
  3. Teig zu Männchen formen.
  4. Männchen mit Dosenmilch bestreichen und mit Rosinen sowie Mandeln verzieren. Falls vorhanden, kommt der Stutenkerl an dieser Stelle auch zu seiner Pfeife.
  5. Männchen bei 175-200 Grad für ca. 15 Minuten im Ofen backen.
  6. Stutenkerle den Kindern servieren.

Zutaten:

300g Quark

12 Esslöffel Milch

12 Esslöffel Öl

150g Zucker

2 Päckchen Vanillezucker

1 Prise Salz

600g Mehl

2 Päckchen Backpulver

etwas Dosenmilch

Posted by Andreas Wolfger in Andreas Wolfger, Essen und Trinken
Bamberger Sandkerwa

Bamberger Sandkerwa

Die Sandkerwa findet jedes Jahr im August rund um die Bamberger Sandstraße statt. In der Regel dauert sie fünf Tage, zum 60-jährigen Jubiläum 2010 sogar sieben. Jährlich lockt die Sandkerwa etwa 300 000 Besucher an.

Die Geschichte der Sandkerwa

1951 entschloss sich der Bürgerverein Bamberg 4. Distrikt, ein Kirchweihfest um die Elisabethkirche aufzuziehen. Die damalige Begründung: Das Viertel wurde von Kriegseinwirkungen verschont - ein Grund zum Feiern. Die Bamberger nahmen das neue Fest gut an.

Sandkerwa

Die Sandkerwa erfreute sich daraufhin immer größer werdender Beliebtheit. Doch schon 1961 stand sie auf der Kippe. Der Grund: Personalmangel. Einige Wirtshäuser sahen sich nicht in der Lage, Teil der Sandkerwa zu sein. Und auch die Auflagen der Stadt erschwerten das Vorhaben. Doch trotz aller Schwierigkeiten: Die traditionelle Sandkerwa fand statt.

Die "wilde" Sandkerwa 2017

2017 dann der Eklat: Der Bürgerverein entschloss sich, das Fest in diesem Jahr auszusetzen. Grund dafür: „Haftungsrisikos und finanzielle Risiken“, durch die sich der Verein nicht mehr in der Lage sah, die Veranstaltung auszurichten. Doch davon ließen sich die Bamberger nicht abhalten, veranstalteten kurzerhand eine „wilde“ Sandkerwa, organisiert über soziale Netzwerke. Dies untermauert den großen Stellenwert der Sandkerwa unter den Einwohnern der Region.

Posted by LauraSchmidt in Freizeit
Hofer Schlap­pentag

Hofer Schlap­pentag

Der Hofer Schlappentag – oder der Hofer „Nationalfeiertag“, wie er von Einheimischen genannt wird - ist das wohl älteste Zunftfest Deutschlands. Er findet traditionell genau eine Woche nach Pfingstmontag statt. Erkennungsmerkmal ist das extra gebraute Starkbier, das Schlappenbier.

Die Geschichte des Hofer Schlappentags

Die Geschichte dieses Festes geht zurück auf das Jahr 1430. Hussiten stürmen ohne nennenswerten Widerstand Hof. Die Hofer wandten sich daraufhin an den Markgrafen von Brandenburg, der ihnen zehn Jahre Steuerfreiheit gewährte, allerdings unter der Auflage, dass sich die Hofer fortan mit Handfeuerwaffen ausrüsten müssen. So entstand 1432 die Schützengilde; sie rekrutierte hauptsächlich Handwerker. Regelmäßige Übungen waren Pflicht, ansonsten drohte Strafe.

Übung im Schießhäuschen

Um dieser zu entgehen, gingen viele Schützen am letzten Tag des Schießjahres, nämlich dem Montag nach Pfingstmontag, in Arbeitskleidung und Holzschuhen (Schlappen) zum Schießhäuschen. Dafür sprach ihnen der Landesherr Privilegien zu. Auf dieser Tradition basiert der Schlappentag – er geht also zurück auf das Jahr 1432 und ist damit fast 600 Jahre alt.

Alle Jahre wieder

Jedes Jahr folgt der Schlappentag demselben Ablauf: Nach dem Umzug der Schützengilde wird das erste Fass angestochen. Bereits am Tag vor dem eigentlich Fest findet das Schlappenschießen statt, bei dem Personen des öffentlichen Lebens, Handwerker und Schützen ihre Schießkünste unter Beweis stellen müssen. Die drei ersten Plätze dürfen ein Jahr kostenlos auf allen öffentlichen Parkplätzen in Hof parken.

Mehr Infos zum Schlappentag.

Posted by LauraSchmidt in Freizeit