Oberfranken

Braukunst 4.0 im historischen Ambiente

Eine Reportage von Karsten Babucke

Über die Brauerei Haberstumpf

Oberfranken hat die größte Brauereidichte Deutschlands. Viele Dörfer haben mindestens eine Brauerei. Auf dem Biermarkt herrscht Konkurrenzkampf. Großbrauereien kaufen kleine Betriebe auf. Wer in diesem Wettbewerb überleben möchte, muss kreativ werden und mit der Zeit gehen. In Kulmbach ist die Brauerei AG ansässig, einen Ort weiter in Trebgast die Brauerei Haberstumpf. Mit neuen Ideen blickt das Team in die Zukunft.

Das Sudhaus: glänzende Kupferarmaturen auf mintgrünen Fließen. Mechanik wie aus einem anderen Jahrhundert. Kleine Bullaugen zeigen Temperatur oder den Druck an. Hier bedient der Braumeister das Brauen noch per Hand über die großen Ventilräder. Die Ventile und Anzeigen sind wie an einem Mischpult angeordnet. Der Kontrollraum des Sudhauses liegt im ersten Stock der Brauerei Haberstumpf. Hinterrücks ist eine Glasfront, die eine großartige Aussicht auf Trebgast und das Fichtelgebirge bietet. In der fränkischen Gegend befindet sich meistens der Läuterbottich oben und die Sudpfanne unten. Das heißt, die Abläuterung funktioniert üblicherweise mithilfe Schwerkraft. Hier ist es anders. Das Sudhaus mit den zwei Kesseln befindet sich hier auf einer Ebene. Es funktioniert über ein altes Pumpsystem. „Das ist sehr untypisch für die Region“, erklärt Ottmar Müller, der Braumeister. Das Sudhaus stammt aus dem frühen 20. Jahrhunderts und ist damit eines der ältesten der Region. Es fasst über 50-Hektoliter. Das entspricht ungefähr zehntausend Bierflaschen. Eines der ersten „Zwickl“ wurde hier gebraut. Es überstand Generationen der Familie Haberstumpf und die verschiedenen Besitzer der Brauerei.

Die Abfüllanlage: weiße Fließen, feuchte Luft. An den Wänden stapeln sich Dutzende Fässer mit Bierkästen. Hier wird das Gebräu abgefüllt. In Reih und Glied stehen sie da. Mit Engelsgeduld und Feingefühl steht der Braulehrling vor einer Armee aus Flaschen. Er bringt in Handarbeit das Etikett an. „Ich beklebe schon mal Hunderte Flaschen pro Tag. Das Sortieren in Kisten macht mir aber mehr Spaß“, beschreibt Moritz Stauber, der Auszubildende, seine Arbeit. Er feuchtet den Aufkleber in einer Schüssel voll Wasser an, dann platziert er ihn unter dem Schnappverschluss auf der 0,75 Liter Flasche. In Franken wird in der Regel in 0,5 oder 0,3 Liter abgefüllt. Doch die Flaschengröße ist ein Alleinstellungsmerkmal der Brauerei. „Mit der Glasbrennerei wiederum ein Gewächshaus erhitzt. So entsteht ein in sich geschlossener, autarker Kreislauf und die Flaschen können CO2-neutral produziert werden“, erklärt Müller seine Vision. „Weil wir im nächsten Jahr auf Bio-Bier umsteigen, wollen wir das Bier in einer klimaneutralen Flasche abfüllen.“ In die auffälligen Flaschen wird das Helle, das Hausbier, abgefüllt „Die Flaschen können auch aufrecht im Kühlschrank, neben Wein und Milch gelagert werden“, während das Doppelbock, das Rubin oder das Hahn Zwergla in kleinere Flaschen gezapft wird. In den kommenden Jahren werden hier über zwei bis viertausend Hektoliter Bier im Jahr produziert. Damit konzentriert sich die Brauerei besonders auf die Nische der Bierliebhaber und Feinschmecker. Das Kesselhaus: gelbe Wände und glänzende Gährkessel. Spiegelndes Metall. Frischer Estrich. Neue Fließen. Während der Vorraum noch alt und modrig riecht. Symbolträchtig für den aktuellen Wandel. Die Brauerei steckt mitten im Umbruch. Ein neuer Geldgeber bringt seit 2019 Aufschwung.

„Weil wir im nächsten Jahr auf Bio-Bier umsteigen, wollen wir das Bier in einer klimaneutralen Flasche abfüllen.“

Ottmar Müller

Das Kesselhaus: gelbe Wände und glänzende Gährkessel. Spiegelndes Metall. Frischer Estrich. Neue Fließen. Während der Vorraum noch alt und modrig riecht. Symbolträchtig für den aktuellen Wandel. Die Brauerei steckt mitten im Umbruch. Ein neuer Geldgeber bringt seit 2019 Aufschwung. Bernd Förtsch ein Unternehmer aus Kulmbach, hat in die Brauerei investiert. Eine große Chance für den Braumeister. Er kann ein neues Team aufbauen und den Betrieb auf den neuesten Stand bringen. „Mit einer Hebevorrichtung haben wir die Braukessel angehoben, um darunter den Boden zu erneuern“, beschreibt Müller. Gerade die schwierige Zeit der Pandemie bot dem neuen Team ausreichend Zeit, einen Neustart zu wagen. So läuft nach über einem Jahr Umbau der Braubetrieb wieder an. Bernd Förtsch ein Unternehmer aus Kulmbach hat in die Brauerei investiert. Eine große Chance für den Braumeister. Er kann ein neues Team aufbauen und den Betrieb auf den neuesten Stand bringen. „Mit einer Hebevorrichtung haben wir die Braukessel angehoben, um darunter den Boden zu erneuern“, beschreibt Müller. Gerade die schwierige Zeit der Pandemie, bot dem neuen Team ausreichend Zeit, einen Neustart zu wagen. So läuft nach über einem Jahr Umbau der Braubetrieb wieder an.

Die Schenke: eine rustikale Bar und eine breiter Treppenaufgang. Hier begrüßt Fachpersonal die Besucher und bringt sie in den zweistöckigen Gastraum. Dunkle Holzvertäfelungen an der Wand, helles Treppengeländer, rustikale Sitzgruppen. Auch hier herrscht Brauereigefühl pur. Ein großer Warmwassertank dominiert den Eingangsbereich. An der Theke gibt es die Kreationen der Brauerei frisch an der Theke abgezapft, während die Küche feinste italienische Küche serviert. Der Gastronom Blerim Ljimoni pachtet schon seit vielen Jahren die Schenke. Unter dem Namen „La Birreria“ servieren hier den Gästen italienische Kochkunst. Antipasti. Oktopus. Roastbeef. Liebevoll wird hier Fisch, Gegrilltes oder Pizza aufgetischt. „Ein schöner Ort, um gut zu Essen und dazu ein leckeres Bier zu trinken“, schreibt Carmen Penzel nach ihrem Besuch auf der Website.

Die Bergstraße nach Trebgast bietet Genuss für alle Sinne. Vom Dach bis zum Keller wandelt sich die Brauerei zu einem Schmuckstück. Biervielfalt. Experimentierfreude. Genießertum. Und so wird der Gasthof auch im neuen Jahr sicherlich wieder zum Besuchermagnet in Trebgast.

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„Ich empfinde die Vielfalt der Menschen als bereichernd“

„Ich empfinde die Vielfalt der Menschen als bereichernd“

Das ausführliche Interview mit Elsbeth Oberhammer gibt’s hier im Podcast.

Im Mehrgenerationenhaus Kulmbach begegnen sich Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Die Geschwister-Gummi Stiftung hat das für die Region beispielgebende Projekt initiiert. Auch nach sechs Jahren als Leiterin der Einrichtung, gibt es noch Momente, die Elsbeth Oberhammer begeistern.

In welchen Momenten sind Sie besonders dankbar für Ihren Beruf?

Wenn ich zum Beispiel mit meiner Freundin Ikram [Besucherin des Mehrgenerationenhauses, Anmerkung der Redaktion] im Schnee spazieren gehe und sie sich so darüber freut, wie sehr der Schnee glitzert. Das ist einfach schön!

Waren Gemeinschaftserlebnisse wie dieses schon immer der Kern der Geschwister-Gummi-Stiftung?

Die Geschwister Gummi haben vor etwa 150 Jahren eine Stiftung zur Pflege von evangelischen Waisenkindern gegründet. Das erste evangelische Waisenhaus stand auch tatsächlich am Holzmarkt in Kulmbach und musste nach einigen Jahren erweitert werden. 1907 konnte dieses Haus hier eröffnet und bezogen werden. Damals auf der grünen Wiese vor den Toren der Stadt. 

Jetzt sind wir natürlich mittendrin! Vor etwa 25 Jahren ist das Kinderheim dann hier ausgezogen, weil die Bestimmungen sich verändert haben. Dadurch wurde Platz für neue Ideen. 

Wie hat sich das Projekt weiterentwickelt?

Wir wollten wieder was für Familien und Kinder verwirklichen. Also starteten wir mit dem familienfreundlichen Café. Hier treffen sich junge Familien und Mütter, um sich auszutauschen. Die Kinder können hier krabbeln, spielen und laut sein – und niemand stört sich daran. Und dann sind nach und nach die anderen Angebote ins Haus eingezogen. 

Welche sind das konkret?

Wir haben für viele Generationen ein Angebot. Wer handwerklich begeistert ist, gerne einen aktiven Ruhestand genießen möchte, kann sich in unserer professionell ausgestatteten Schreinerwerkstatt engagieren. Oder einen Schnitzkurs besuchen, sich von unseren Profis was zeigen lassen. Alle Werkstatt-Mitarbeiter basteln und werkeln regelmäßig – aktuell für unseren Weihnachtsmarkt zum Beispiel. 

In unserem Fairtrade-Café kommt man bei Kaffee und Kuchen gut miteinander ins Gespräch. Auch ehrenamtliches Engagement ist hier möglich: Als Sprachpate, Lernpate oder in unserem KuKaTz-Secondhand-Laden. Dort gibt es Babyausstattung, Spielsachen oder auch Klamotten für Kinder und Erwachsene zu einem kleinen Preis.   

Und im zweiten Stock ist unser Bildungsangebot. Musikgruppen für Kinder und für Mütter Sprach- und Sportkurse, wie etwa Pilates oder Rückbildung. Insgesamt ist also für jeden was dabei!

Elsbeth Oberhammer im Café des Mehrgenerationenhauses

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Mehrgenerationenhaus?

Meinen Auftrag sehe ich darin, für junge Familien ein adäquates Angebot zusammenzustellen und immer im Blick zu haben: Was brauchen unsere Familien im Moment? Das ist sehr spannend, weil sich das ständig verändert. 

Der andere Schwerpunkt dieses Hauses speziell ist das Thema Migration, Arbeit mit Geflüchteten. Da gibt es die Sprachpaten-Angebote und die Frauengruppe. Hier treffen sich arabische Frauen seit mehreren Jahren und sind unglaublich aktiv. Damit konnten wir einen guten Beitrag leisten, dass die Frauen und ihre Familien sich gut hier integrieren konnten. 

Nun gibt es ja leider immer wieder kritische Stimmen aus der Bevölkerung, was die geflüchteten Menschen angeht. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?

Ich würde ihnen mitgeben, dass wir uns an unsere eigene deutsche Geschichte erinnern. Auch bei uns gibt es viele Menschen mit Fluchterfahrungen. Unser Besuch im Seniorenheim fand ich sehr beeindruckend. Die Senioren und Seniorinnen haben dort sehr bewegt von ihren eigenen Fluchterfahrungen erzählt und zu den geflüchteten Frauen gesagt: „Wir wissen, wie’s euch geht.“ Ich denke das tut unserer mittleren und jüngeren Generation ganz gut, da mal auf die eigenen Großeltern zu hören, die haben da manchmal mehr Empathie. 

Wenn man sieht, welchen Weg die Geflüchteten genommen haben und wie gut sie sich integriert haben, dann macht das Mut. Wir dürfen sie nicht alleine lassen. Müssen sie gut begleiten. Unsere Welt erklären. Und nicht voraussetzen, dass unsere Welt sich selbst erklärt.

Und es ist eine Chance! Bei uns fehlen so viele Arbeitskräfte. Da sage ich: Die Geflüchteten kommen doch wie gerufen. Wir brauchen sie ganz einfach. 

Ihr Beruf klingt wahnsinnig komplex. Bei all den unterschiedlichen Projekten, wie motivieren Sie sich täglich aufs Neue?

Ich empfinde die Vielfalt der Menschen hier als sehr bereichernd. Die engagierten Ehrenamtlichen, die Arbeit mit älteren Menschen, zu sehen, dass ich einer jungen geflüchteten Familie weiterhelfen konnte. Das erweitert meinen Horizont immer wieder. 

Oder die Selbsthilfegruppen. Seit einigen Jahren treffen sich hier Eltern von Kindern mit Autismus-Asperger-Syndrom oder anderen Beeinträchtigungen. Den Perspektivwechsel von der Seite der Erzieherin zum Blickwinkel der Betroffenen finde ich wahnsinnig wertvoll. Zu sehen mit welchen Hindernissen und Vorurteilen die Familien zu kämpfen haben, konnte ich mir zuvor nur schwer vorstellen. Und da auch mitzuhelfen, dass bei Institutionen, Einrichtungen und Behörden mal mehr der Gedanke entsteht: Wir sind eigentlich dafür da die Familien zu unterstützen, ihnen zu helfen. Und nicht zusätzliche Hürden aufzubauen und die Familien als Bittsteller kommen zu lassen.  

Welche Hürden werden den Familien da beispielsweise gestellt?

Eine Familie mit einem an Trisomie 21 erkrankten Kind musste etwa jährlich einen Bogen ausfüllen, dass diese Behinderung noch besteht. Das ist fast beleidigend für die Familie, denn sie wünschen sich ja nichts sehnlicher, als dass sich die Erkrankung einfach in Luft auflöst. Oder die Einrichtungen und Schulen lassen durchblicken, dass das Kind sehr anstrengend für den eigenen Betrieb ist. Statt zu fragen „Was braucht ihr von uns? Wie können wir euch helfen?“, wird kommuniziert „Das erwarte ich von Ihnen.“ Ich wünsche mir wirklich, dass es da in vielen Köpfen noch ein Umdenken gibt.


Posted by Jennifer Schnell in Genuss & Leben, Jennifer Schnell, Unser Oberfranken
„Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben“

„Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben“

Ein Interview mit Ottmar Müller

Karsten Babucke traf zu einem Gespräch Braumeister Ottmar Müller


Ich treffe mich mit dem Braumeister der Brauerei Haberstumpf in Trebgast. Die Brauerei fällt mit ihren außergewöhnlichen Flaschen und einem innovativen Konzept auf. Die Brauerei in Trebgast befindet sich in einem alten Brauhaus. Das Sudhaus besteht schon seit vielen Generationen. Hier wird das Brauen noch mit der Hand durchgeführt. Aber auch der Umstand, dass der Besitzer wechselte und das viel erneuert wird, gibt Raum für Kreativität.

KB: Was sind deine Funktionen hier in der Brauerei.

Ottmar: Also ich habe vor ziemlich genau zwei Jahren hier angefangen, als Braumeister. Und hab die schöne Aufgabe, die alte Brauerei vom Herrn Wernlein in ein neues modernes Schmuckstuck zu verwandeln. Da dazu gehört, die komplette Brauereitechnik auf den neusten Stand der Technik zu bringen, um wieder adäquat Bierbrauen zu können.

KB: Das klingt nach einem spannenden Projekt. Hier wird sich bestimmt noch viel in naher Zukunft ändern. Aber seit wann gibt es eigentlich die Brauerei in Trebgast?

Ottmar: Die Brauerei geht eigentlich auf das Jahr 1531 zurück. Sprich, wir haben bald fünfhundertjähriges Jubiläum. Die Brauerei war ursprünglich bei der Kirche. Sie ist dann irgendwann aus allen Nähten geplatzt und so hatte man sich damals entschlossen, bei den Bierkellern einen Neubau zu machen. Um das Brauen größer zu gestalten und es für die Zukunft fähig zu machen.

KB: Die Familie Haberstumpf hatte die Brauerei seit 1830 in Familienbesitz. Doch bis jetzt hat sich einiges geändert. Besonders in den letzten Jahren gab es Höhen und Tiefen.

Es gab Höhen und Tiefen, das stimmt. Der August Haberstumpf hatte einen tödlichen Unfall im Gärkeller. So kam es, dass der Hans Wernlein die Brauerei übernahm. Wie die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den zwei sind, ist mir unbekannt. Bis vor zwei Jahren hatte er die Brauerei geführt und aus Altersgründen und mangels Nachfolger musste er aufhören. Gott sei Dank hat Herr Förtsch die Brauerei aufgekauft. So kann die Brautradition hier in Trebgast weiter gehen.

KB: Das war ja ein Glücksfall, dass der Herr Förtsch die Brauerei übernommen hatte. Wie erging es der Brauerei in der Pandemie?

Also es geht der Brauerei gut bergauf. Das Thema Corona war, so blöd wie es klingt, für uns nicht gerade das Schlechteste. Weil wir im laufenden Betreib die komplette Betriebstechnik austauschen konnten. Und von daher sehen wir die Situation mit einem lachenden und weinenden Auge. Wir hatten halt mehr Zeit Erneuerungen zu machen. Für uns hat das gerade gut gepasst für die Zeit des Umbaus.

KB: Mit einem neuen Besitzer ändert sich in der Regel viel. Was bedeutet der Wandel für die Brauerei Haberstumpf genau?

Zum einen neue Biersorten und zum anderen die Brauerei technisch den neuesten Stand zu bringen. Vorher gab es die üblichen 0,5-Liter-Flaschen und ein paar Sorten. Wir haben jetzt unser Helles – unser Rubin – als Standard-Biersorte. Wir fangen jetzt noch an alle Monate ein Spezialbier zu brauen. Jetzt haben wir gerade das „Hahnzwergla“, dann kommt der „Bock“, dann ist ein „Weizen“ angedacht und alles andere werden wir dann sehen.

KB: Es besteht die Legende, dass hier in Trebgast eines der ersten Zwickel-Bier gebraut wurden, ist das richtig?

Äh ja. Das war der Vorbesitzer.

KB: Was ist das Sortiment der Brauerei Haberstumpf?

Da haben wir unser Helles, das ist unsere Hauptsorte. Dann haben wir noch das „Rubin“. Das ist ein rötliches, malzbetontes Bier. Im Winter gibt es den „Bock“ – das Doppelbock. Aktuell gibt es das bernsteinfarbenes Fest Bier. Und was es die Monate danach gibt, das verrate ich noch nicht. Das wird eine Überraschung. (Lacht)

KB: Was ist die Zukunftsvision der Brauerei?

Das Ziel ist auf jeden Fall, dass wir im regionalen Markt bleiben. Wir wollen hauptsächlich in Bierwirtschaften unser Fassbier ausschenken. Hier vor Ort wollen wir natürlich den Biergarten verschönern und erweitern. Und natürlich mit neuen Bierspezialitäten die Gäste überraschen. Das war momentan noch nicht so möglich, weil wir durch die Umbaumaßnahmen einige Rückschläge einstecken mussten. Weil Leitungen korrodiert waren. Dann hatten wir Infektionen in den Leitungen. Das haben wir jetzt alles im Griff. Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.

Und als kleinen Geheimtipp: Es wird in ein paar Jahren einen Whiskey geben. Der lagert schon bei uns im Felsenkeller. Das heißt wir haben dort spezielle Whiskey-Bier Sude gemacht. Die sind wie die Bierwürze nur ohne Hopfen mit Torfmalz aus der Region. Das ist spezielles Malz, das gedarrt wurde, um diesem Malz einen richtigen, kernigen moorigen Charakter zu geben.

Ottmar Müller präsentiert sein neues Bier
Ottmar Müller präsentiert sein neues Bier

KB: Der Whiskey gehört jetzt nicht zu den fränkischen Spezialitäten. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den Whiskey nach Oberfranken zu bringen.

Es ist überraschenderweise so, dass Deutschland mittlerweile mehr Whiskeybrennereien hat als Schottland. Und es gibt hierzulande auch immer mehr Whiskey-Liebhaber. So einen haben wir auch hier in unserem Betrieb und der kam dann auf mich zu. Also haben wir es einfach ausprobiert.

Der Ursprung im Vergleich zum Bier ist eigentlich dasselbe. Die Herstellung der Würze ist ähnlich wie beim Bier, nur dass die Stammwürze deutlich höher ist, da man viel mehr Alkohol braucht, um möglichst viel Whiskey zu bekommen.

KB: Warum soll man es nicht einfach machen?

Eben. Das ist das Schöne am Brauberuf, dass er so vielseitig ist. Wir haben mit Whiskey zu tun, mit Bier und wir haben freie Zutaten. Aus denen kann man so viel machen – verschiedene Biersorten und Whiskey. Das ist einfach super!

Als Braumeister ist es natürlich ein Glücksfall, in so ein Unternehmen zu kommen. Das man von Grund auf erneuern kann. Die Biersorten zu kreieren. Ein Team zusammen zu stellen. Das ist schon nicht alltäglich, dass man in so eine Gelegenheit kommt. Normalerweise ist man in einem Großbetrieb Abteilungsleiter im Sudhaus oder in der Abfüllerlei. Aber hier ist es immer spannend. Hier ist kein Tag gleich. Es gibt immer irgendwelche Probleme zu lösen. Und das ist genau das, was mir Spaß macht. Da gehe ich gern auf meine Arbeit.


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Erfolgreich in der Marktlücke

Erfolgreich in der Marktlücke

Ein Kommentar von Karsten Babucke

Kleine Privatbrauereien müssen ihr Heil in der Nische suchen. Dann bestehen sie auch im harten Konkurrenzkampf gegen die Biergiganten. Wie das funktioniert, zeigt die Brauerei Haberstumpf in Trebgast. Ein Unternehmen, das für traditionelles Brauhandwerk steht. Es entwickelt aber auch Ideen. Der Mix entscheidet: Tradition und Innovation.


Nach wie vor erweist sich die Marktlage als gut. Auch in Zeiten der Pandemie trinken die Deutschen viel Bier, wenn auch überwiegend zu Hause. Doch kleine Brauereien leben vor allem vom Ladenverkauf. Sie beliefern keine großen Getränkehändler, sondern bieten ihre Produkte im Biergarten oder direkt der Kundschaft an. Für Betriebe dieses Zuschnitts spitzte sich die Situation in den vergangenen Jahren weiter zu. Vor allem wegen der Megabrauereien, die den Markt mehr und mehr dominieren. Sie produzieren Unmengen industriell. Dank der Fernsehwerbung sind sie allgegenwärtig. Die Folge: extreme Konzentrationsprozesse. Kleine Brauereien sterben oder werden von Aktiengesellschaften aufgekauft. Diese wiederum gehen häufig in weltweit agierenden Konzernen auf.

Dieses Schicksal ist aber nicht unausweichlich. Voraussetzungen für ein Überleben sind unternehmerischer Mut, Kreativität und Offenheit für Wandel. Eigenschaften, die seit Jahren die Verantwortlichen in dem Trebgaster Unternehmen auszeichnen. Sie stehen exemplarisch für andere fortschrittliche und ideenreiche Brauereien in Oberfranken. Das Haberstumpf-Team repräsentiert selbstverständlich auch traditionelle Braukunst. In den Sudkesseln reifen Rubin, Zwickl, Helles und Bock. Streng nach bayerischem Reinheitsgebot. Ohne Chemie. Ohne Geschmacksverstärker. Ohne Farbstoffe. Vor allem ohne trendigen Schnickschnack exotischer Mischsorten.

Die Innovation zeigt sich manchmal in scheinbar kleinen, aber wichtigen Details, die zum Verkaufsschlager werden können. Haberstumpf beispielsweise kreierte die 0,75-Liter-Bierflasche. Ein Alleinstellungsmerkmal auf dem umkämpften Biermarkt. Die Idee: Sie lässt sich aufrecht im Kühlschrank neben Wein und Milch lagern. Damit setzte die Brauerei ein Ausrufezeichen in der Branche.


Mag ja sein, dass die Großbrauereien den Markt mit Pils und Kölsch beherrschen. Aber gerade in ländlichen Gegenden schwören die Verbraucher auf Bodenständiges und Bewährtes. Was Haberstumpf vorlebt, ist ein ermutigendes Signal für andere regionale Brauereien. Das Beispiel lehrt: Mut zur Nische, zahlt sich aus.


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Feuerwasser aus dem Fichtelgebirge

Feuerwasser aus dem Fichtelgebirge

Das Trebgaster Whiskey-Projekt

von Karsten Babucke

Not macht erfinderisch. Weil die Brauerei Haberstumpf nur noch schwer über die Runden kam, übernahm 2019 ein Investor das Unternehmen. Der modernisierte nicht nur Sudhaus und Braukeller, sondern auch das Sortiment. Jetzt kommt Whiskey aus Trebgast.

Seit Anfang Oktober lagert in den alten Bierkellern Hochprozentiges. „Hier, am Ortseingang nach Trebgast, wurde früher das Bier gekühlt“, berichtet Braumeister Ottmar Müller. Verwinkelt und verzweigt führen die Stollen in den Berg. Hinter einer Stahltür reift der neue Schatz der Brauerei. Über 27 Holzfässer ruhen hier. Mindestens drei Jahre müssen die Fässer liegen, bis sich der Inhalt Whiskey nennen darf.

Die Herstellung von Bier und Whiskey unterscheidet sich nur geringfügig. Als Grundlage für den Stoff dient ein spezieller Sud. Hierbei setzt Müller eine Bierwürze ohne Hopfen an. „Dazu kommt ein Torf-Malz, das unter einer sogenannten Darre gebrannt wurde.“ Durch diesen Prozess erlangt es einen kernig-moorigen Geschmack. Damit aus dieser Grundlage am Ende Whiskey entsteht, bedarf es eines großen Quantums Stammwürze. So entsteht ein wesentlich höherer Alkoholgehalt.

Nachdem die Brauerei in den letzten Jahrzehnten nur knapp über die Runden gekommen war, stieg 2019 ein neuer Investor ein. Bernd Förtsch machte nicht nur der veralteten Technik den Garaus. Er investierte in Sudhaus und Gärkeller. Und er schuf Raum für Innovationen. Der Braumeister und sein Team arbeiten jeden Monat an neuen Kreationen. Hierbei experimentieren die Lehrlinge auch mit eigenen Rezepturen. Das Sortiment erweiterte sich innerhalb weniger Monate. Einer der Mitarbeiter ist ein Whiskey-Fan. Er trug dem Braumeister die Idee vor, Whiskey zu produzieren. Müller und Förtsch stimmten zu.

Whiskey kommt ursprünglich aus Schottland und Irland. Nach schottischen Kriterien wird die Spirituose aus einer Getreidemalz-Maische gewonnen. Die Mischung muss einen Mindestalkoholgehalt von 40 Volumenprozent aufweisen. Je nach Getreideart erhält der Whiskey seinen Namen. So gibt es den Grain mit verschiedenen Weizensorten. Fast ausschließlich findet er Verwendung in Blended Whiskeys. Bourbon bezeichnet Whiskey, der überwiegend aus Mais besteht. Der Malt-Whiskey ist aus Gerste. Dabei wird auch noch zwischen Scotch oder Irish unterschieden – dem Herkunftsland.

Die Brauerei Haberstumpf verwendet eine Mischung aus verschiedenen Getreidesorten. Der Braumeister berichtet, dass in den letzten Jahren mehr Whiskey-Destillerien in Deutschland als in Schottland entstanden. „Bis der Trebgaster Whiskey auf den Markt kommt, dauert es noch einige Zeit“, sagt Müller. „Er muss jetzt erst mal drei Jahre liegen.“


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Ein maskierter Mann im Landkreis Forchheim versuchte am Mittwochabend sein Glück in einem Bäckerladen. Statt Geld gegen Brötchen zu tauschen, wollte er lieber etwas anderes eingetauscht haben. Der dreiste Plan ging jedoch nicht ganz zu seinen Gunsten auf.

Nachgestelltes Foto, kein Originalbild

Igensdorf – In einer Bäckerei im Einkaufszentrum in Igensdorf probierte ein maskierter Mann mal eine andere Art Geld zu wechseln aus. Normalerweise würde man dafür in eine Bank gehen. Hoffte der maskierte Mann, in einer Bäckerei würde man die drei einseitig bedruckten 100-Euro-Scheine nicht als Falschgeld erkennen? Zielstrebig sei der Mann gleich hinter die Theke gelaufen und wollte das Geld gewechselt haben. Die braun-graue Sturmhaube, die er sich über das Gesicht gezogen hatte, trug sicherlich nicht zu einem vertrauenserweckenden Eindruck bei. Die Verkäuferin weigerte sich und drohte mit der Polizei. So blieb dem Mann nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge zu flüchten. Eine sofort eingeleitete Fahndung blieb bislang ergebnislos.

Wer kann Angaben zu dem Vorfall machen? Gesucht wird ein Mann, etwa 185 Zentimeter groß und von schlanker Statur. Er trug eine grüne Hose sowie eine grüne Tarnjacke. Sein Gesicht war durch eine braun-graue Sturmmaske verdeckt.

Die Polizei Ebermannstadt bittet unter der Tel.-Nr. 09194/7388-0 um Hinweise zu verdächtigen Beobachtungen im Bereich des Einkaufsmarktes in der Forchheimer Straße.

 

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama
Irrungen und Wirrungen im Kulmbacher Kreisverkehr

Irrungen und Wirrungen im Kulmbacher Kreisverkehr

Brummen, dröhnen, quietschen, hupen – der Kulmbacher Kreisverkehr am neu gebauten Eku-Parkplatz sorgt nicht nur für jede Menge weiteren Lärm, sondern offenbar auch für Verwirrung bei den fahrenden Bürgern. Wir haben uns dieses Phänomen aus den verschiedensten Blickwinkeln angesehen. Einmal als stille Beobachter mit Notizblock und Stift, einmal wortwörtlich von oben und einmal zusammen mit einem Fahrlehrer aus der Autoperspektive.

Groß ist er nicht, der Kreisverkehr, mehr graue Maus als Discokugel. Ist das vielleicht der Grund, wieso  hier Verkehrsverstöße im großen Stil praktiziert werden? Zumindest verhindert der neue Kreisel laut Polizei bisher schwerere Unfälle und Geschwindigkeitsüberschreiten. Vorher muss das wohl beinahe an der Tagesordnung gewesen sein.

Zwei Mittagspausen lang haben wir uns als stille Beobachter ein klein wenig um Leib und Leben gefürchtet – so nah an diesem Kreisverkehr, den niemand ernst nimmt. Stellenweise war ich so irritiert von den skurrilen Verkehrsmanövern, dass ich zwischendurch einen befreundeten Fahrlehrer anrief. Denn zugegeben, meine eigene Fahrausbildung ist schon eine Weile her - und die Unsicherheit war plötzlich groß. Der Häufigkeit der Verstöße nach zu urteilen, zweifelte ich doch langsam sehr an meinen Kenntnissen in diesem Bereich.

Zehn Minuten, 32 Autos, 28 Verkehrsverstöße

32 Autos kreuzten unseren Weg und den des Kreisverkehrs. Sage und schreibe 28 davon begingen einen Verkehrsverstoß, acht davon gleich mehrere. Addiert man den Parkplatz noch hinzu, verließen vier von acht Autos den Parkplatz nicht korrekt. Einer sogar gleich durch die Bäume hindurch.

Die Mittelinsel des Kreisverkehrs überfuhren 15 der 32 Autofahrer, 28 Fahrer ignorierten, dass sie beim Verlassen des Kreisverkehrs laut § 9 Absatz 1 der StVO in einen Abbiegevorgang eintraten und somit hätten blinken (rechts!) müssen.

Besonders kurios wurde es, als Autofahrer den Weg aus dem Parkplatz suchten - und nicht fanden. Ein Fahrzeughalter ignorierte den Kreisverkehr genauso gekonnt wie die vorgegebene Richtung der Ausfahrt. Einmal den Umweg über den Kreisverkehr gespart. Sparfuchs mal anders, bei den Spritpreisen spart man vielleicht jeden Zentimer Fahrt.

Fahrschulauto ohne Schüler

Zu diesem Zeitpunkt konnte man allerdings froh sein, wenn überhaupt Blinker und Kreisverkehr benutzt werden. Schlimmer geht immer, heißt es doch so schön. Eine auf dem Parkplatz arbeitende Landschaftsgärtnerin staunte nicht schlecht, als ein blauer VW Golf den Weg auf die Straße durch die Bäume hindurch suchte. Als dann noch ein rotes Fahrschulauto, bei dem kein Schüler am Steuer saß, ohne Blinken den Kreisverkehr verließ, verließ mich der Glaube an Verkehrsregeln.

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama
Mit 18 von Berlin nach Franken – und nun zurück?

Mit 18 von Berlin nach Franken – und nun zurück?

Heimat. Heimat ist mehr als ein Gefühl, Heimat ist ein Ort. Und dieser Ort muss nicht geografisch eingegrenzt sein. Es können die Freunde an diesem Ort sein, die Familie oder einfach nur Erinnerungen. Auch bestimmte Gerüche können uns an die Heimat erinnern. In der kalten, eher ungemütlichen Jahreszeit wird Heimat groß geschrieben. Jetzt zählen ein gemütliches Zuhause, Vorfreude auf den ersten Weihnachtsmarktbesuch und gesellige Abende mit Freunden. Doch was ist, wenn man noch jung ist und einen ungeplanten Ortswechsel hinter sich gebracht hat? Dann noch aus der Großstadt in eine kleine Stadt in Bayern. Von Berlin nach Kulmbach. Michelle Bürger kann genau davon ein Lied singen.

Michi, wie sie lieber genannt wird, ist gerade 19 geworden und mit ihrer Familie 2017 von Berlin nach Kulmbach gezogen. Mittlerweile wohnt sie allein. Bei einer Tasse Tee erzählt sie von ihrer Zeit in Berlin. Ihr Blick wird bei dem Wort Berlin immer noch ein Stück weit wehmütig und das bereits scheue Lächeln noch scheuer. Sie wollte ursprünglich in Berlin bleiben, bei ihren Freunden, in ihrem gewohnten Umfeld. Volljährig war sie ja bereits, sie hätte Berlin nicht verlassen müssen.
Michi wirkt auf den ersten Blick sehr sanft, zurückhaltend. Nichts weist sofort auf Berlin hin. Bei Berlin denkt man an eine laute, wuselige Großstadt. Alternativ und rund um die Uhr Trubel.

I´m not a girl, not yet a women

Erst, als Michi anfängt zu erzählen, hört man den Unterschied klar und deutlich. Astreines Hochdeutsch, gepaart mit etwas Berliner (Schnodder-)Schnauze und dem typisch flapsigen Teenager-Wortschatz. Britney Spears „I´m not a girl, not yet a women“ schießt mir plötzlich in den Sinn. Michi ist kein Kind mehr, aber dieser trotzige Ausdruck, wenn sie von den „Bayern” spricht, erinnert dann doch noch sehr an einen Teenie. Auch optisch passt sie mit den schwarzen Röhrenjeans, Sneakers und einem Oversize-Pulli mit Justin-Bieber-Aufdruck genau in ihre Generation.

Erst Umzüge innerhalb Berlins, plötzlich geht es nach Franken

Zögerlich erzählt sie, dass sie schon öfter im Leben mit ihrer Familie umziehen musste. Zwar immer innerhalb Berlins, aber jedes neue Stadtviertel bedeutete auch immer eine neue Schule. „Das war schon schwierig, aber als Kind findet man trotzdem leichter immer wieder Anschluss. Das war jetzt hier in Franken schon anders.“ In Berlin ist jedes Viertel eine eigene kleine Stadt, mit ganz eigenen Gewohnheiten und immer anderen Menschen. Kulmbach mit seinen 25.000 Einwohnern ist dagegen ein beschauliches, kleines Städtchen, in dem es sich gut leben lässt. Für die Jugend jedoch sei wenig geboten, so Michi. Der Entschluss, doch ihrer Familie zu folgen, sei ihr schwer gefallen. Über die genauen Gründe schweigt sie. Sie schweigt grundsätzlich sehr viel. Nicht, weil sie nichts zu erzählen hat, da bin ich mir sicher. Vielleicht haben die vielen Ortwechsel ihr zu schaffen gemacht. Oder sie hat sich jetzt doch an den Kulmbachern orientiert: „Offen sind die Leute hier wirklich nicht“, sagt sie. Aber sie habe sich mittlerweile daran gewöhnt, an Bayern, an Franken, an Kulmbach. Plötzlich wird Michi dann doch noch lebhaft. „Ich wollte anfangs überhaupt nicht nach Bayern, das war ein riesiges No Go! Nenene! Da will ich nicht hin!“ Auf die Frage, was sie vermisse, kommt als erstes der Freundeskreis. Bei genauerem Überlegen fehle ihr aber gar nicht so viel. Es sei mehr das Gefühl „plötzlich herausgerissen zu werden, gerade jetzt in der grauen Jahreszeit fällt das besonders auf“. In Gedanken versunken sieht man Rentner, wie sie versuchen, auf dem neu erbauten EKU-Kreisel in Kulmbach die Parkplatzauffahrt zu finden. Gar nicht so einfach, da sind wir beide uns einig. Ob wir damit nun die schwierige Parkplatz-Situation meinen, oder den Wechsel von Berlin nach Kulmbach bleibt ein wenig im Raum stehen.

Heimat ist mehr als nur ein Ort

Michi aber möchte erst einmal dann doch hier bleiben … Denn Franken ist eben „schon auch sehr schön und schön ruhig.“ Den Großstadt-Lärm vermisse sie nämlich überhaupt nicht. Franken hat viel zu bieten, landschaftlich und menschlich. Man muss nur erst einmal ankommen. Denn Brummeln können Franken genauso gut wie die Berliner. Und Heimat kann so viel mehr als nur ein Ort sein.

 

 

Posted by Judith Hobmaier in Judith Hobmaier, Panorama