Kritik

Schwarzwald-„Tatort“ ohne Mord

Schwarzwald-„Tatort“ ohne Mord

Tatort – „Für immer und dich“ – Sonntag, 10.03.2019, ARD

Ein junger Mann stirbt, schon ziemlich am Anfang. Bei einem Unfall mit unterlassener Hilfeleistung. Ein Hund wird getötet, unnötig brutal. Eine verbotene sexuelle Beziehung mit strafrechtlicher Relevanz spielt eine große Rolle. Ein typischer „Tatort“ – auch ohne richtigen Mord?

Ein älterer Mann und ein junges Mädchen sind im Auto unterwegs. Es ist Hochsommer, heiß, beide sind nur leicht bekleidet. Auf den ersten Blick Vater und Tochter. Auf den zweiten Blick: Zweifel daran. Ihr tropft Eis aufs Bein, er streicht mit dem Finger darüber und leckt es ab. Sexuelle Spannung entsteht. Sind die beiden ein Paar?

Ein Jugendlicher klaut den Beiden bei einem Stopp mit dem Hund (der eine wichtige Rolle spielt) die Laptoptasche aus dem Wagen. Der Mann springt ins Auto und verfolgt den Dieb auf der kurvigen Straße. Kurze Zeit später hat er zwar die Tasche wieder – der Dieb und sein Moped liegen im Abgrund. Hier kommt die Polizei ins Spiel. Unfallflucht und Tod durch unterlassene Hilfeleistung. Am Ort des Geschehens bleibt nur ein Außenspiegel zurück.

Auftritt der Ermittler des Schwarzwald-„Tatorts“: Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) übernimmt die Ermittlungen, seine Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau) kümmert sich parallel um den schon seit zwei Jahren offenen Fall der verschwundenen Emily Arnold. Deren Mutter glaubt, ihre Tochter lebend gesehen zu haben. Als der Unfallwagen in Bergs Fall aufgespürt wird, findet sich darin DNA von Emily Arnold. Die Ermittlungen laufen zusammen.

Die beiden Protagonisten – Andreas Lust als Martin Nussbaum und Meira Durand als Emily – können überzeugen, die Polizisten bleiben blass, unwichtig für den Fortgang der Handlung. Sie sind dabei, um den Titel „Tatort“ zu rechtfertigen.

Die Darstellerin der Emily muss eine schauspielerische Glanzleistung vollbringen, um ihre ambivalente Rolle als Teenager und Geliebte glaubhaft darzustellen. Das gelingt auch sehr oft. Der Österreicher Andreas Lust lässt den Zuschauer die Verzweiflung eines in die Enge getriebenen Menschen in aussichtsloser Lage beinahe körperlich spüren. Man hasst ihn für seine Taten, hat aber gleichzeitig Mitleid mit dem Loser, das nichts auf die Reihe bekommt und seine Mutter – nicht zum ersten Mal – um ihr Erspartes bringen will.

Die Frage nach einem „Warum“ stellt sich von Anfang an. Offen bleibt, warum Emily mit Martin gegangen ist. Ist sie eine Lolita, oder treibt sie ein Vaterkomplex an? Ist sie auf der Suche nach Sex oder nach einem Vater? Der Eigene ist früh gestorben. Freiwillig ist sie mit Martin mitgegangen. Auf der Suche wonach? Das bleibt offen. Sie hätte immer die Möglichkeit gehabt, zu gehen. Regisseurin Julia von Heinz sagt selbst, dass der Film keine Antworten auf diese Fragen hat. Enttäuschend.

Sex ist für Martin ein Bedürfnis. Für Emily ist es Mittel zum Zweck, aber eklig, zumindest jetzt. Sie wird zu alt für Martin. Er schenkt ihr Kinderunterwäsche zum Geburtstag. Sie wollte Kopfhörer oder eine Powerbank. Seine Liebe gehört ihr. Ihre Liebe gehört dem Hund. Den zerstört er. Sie entwickelt sich weiter, er nicht. Er bleibt auf der Stufe eines Pubertierenden stehen.

Kameramann Stefan Sommer kommt mit der Handkamera den Figuren sehr nah. Das fängt die emotionale Labilität beider Protagonisten und ihrer Abhängigkeit voneinander treffend ein. Der Film bewegt sich zwischen sengender Hitze am Tag und kühlen Szenen in der Nacht, gleichzeitig Abbild der emotionalen Zustände der Hauptfiguren des Films.

Rio Reiser liefert posthum Titel und Musik. Sein Song “Für immer und Dich” taucht nicht nur im Film auf, sondern ist auch Titel der „Tatort“-Folge. Für Regisseurin Julia von Heinz ist Rio Reisers Song eine “perfekte Symbiose aus Leichtigkeit, Wärme und tiefem Schmerz”.

Die Handlung wirkt oft konstruiert, damit es halt weitergeht. Alles ist vorhersehbar. Das Thema ist ein Aufreger, der „Tatort“ aber gefühlt kein Krimi. Eher der Versuch, einen der erfolgreichsten „Tatort“-Folgen von 1977 („Reifezeugnis“) in die heutige Zeit zu bringen. Das gelingt? Nicht!

Posted by Tanja Freiberger in Panorama, Tanja Freiberger, Unser Oberfranken
Blamage für Bayreuth

Blamage für Bayreuth

Basketball Bundesliga – medi Bayreuth gegen Syntainics MBC in Weißenfels

Kraftlos und konfus: so gingen die Spieler von medi Bayreuth am Sonntag in der Stadthalle von Weißenfels unter. Nur drei Tage nach dem überraschenden Heimsieg gegen Titelfavorit ALBA Berlin verloren die Oberfranken das Duell gegen den abstiegsbedrohten Syntainics MBC mit der 90:108 (43:53). Kapitän Bastian Doreth stellte sich nach der Partie als einziger der Presse. Richtig sauer ist er: „Anscheinend wollen wir, dass die Saison in zwei Wochen zu Ende ist.“

Dabei gingen die Bayreuther als Favoriten in das Spiel. In der Tabelle stehen sie zwar nur vier Plätze vor dem MBC, hatten mit 14 Spielen aber doppelt so viele Siege auf dem Konto, wie die Weißenfelser.

Schwacher Start für medi

In der mit 2.450 Zuschauern gut gefüllten Stadthalle in Weißenfels startete medi Bayreuth – wie schon zuletzt – schwach in die Partie und lag schnell zweistellig zurück. In den letzten Spielen fanden die Bayreuther schnell besser zu ihrem Spiel, am Sonntagnachmittag bestimmten die Weißenfelser das Geschehen. Vor allem Andrew Warren, der bereits zur Pause 24 seiner insgesamt 30 Zähler auf dem Konto hatte, trug die Wölfe bis zur Pause nahezu im Alleingang. Er brachte den Wolfsbau zum Beben, dabei stellte er auch noch einen neuen persönlichen Punkterekord auf. Und hatte viel Spaß: „It was a lot of fun.“

Diesen Schwung nahm das Team von Silvano Poropat auch in den dritten Abschnitt mit und hielt weiterhin seinen Vorsprung. Vier Minuten vor dem Ende hatte medi die Möglichkeit, durch Kassius Robertson mit einem freien Dreier nochmals auf sechs Zähler heranzukommen. Der Wurf des Kanadiers ging jedoch nicht in den Korb der Wölfe. Die legten in den folgenden 90 Sekunden ihrerseits ordentlich nach und zogen wieder mit 14 Punkten davon. Am Ende zerfiel die Mannschaft von Bayreuth komplett. Der Wolfsbau tobte und die Spieler des MBC ließen sich den Sieg nicht mehr nehmen. Die Weißenfelser Fans skandierten schon drei Minuten vor Schluss: „Hier regiert der MBC.“

Bayreuths Basketballer ohne Kraft

Eine Mannschaft wollte den Sieg am Sonntag einfach mehr: der MBC. Mit ihrem 8. Saisonerfolg haben die Weißenfelser einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Die „Heroes of tomorrow“ – wie sie sich nennen – ließen sich von ihnen teilweise vorführen. Toller Teambasketball, Kampf und Energie war nur beim MBC zu sehen. Bayreuth zeigte heute eine mangelhafte Defensive gepaart mit einer inkonsequenten Offensive. Ungenaues Passspiel, Probleme mit der Ballkontrolle und beim Abschluss, hektische Aktionen: die medi-Spieler fanden kein Mittel gegen die wie entfesselt aufspielenden Weißenfelser.

Bayreuths Headcoach Raoul Korner wäre ein Sieg heute sehr wichtig gewesen. Nach dem Spiel war er enttäuscht: “Wir schaffen es nicht, uns für solch ein Spiel am Riemen zu reißen und die Intensität zu bringen, die man braucht, um auswärts zu gewinnen. Wir erlauben 108 Punkte, das ist ein Witz. Es ist nicht gelungen, die nötige Energie aufs Feld zu bringen. Wenn man das zum wiederholten Mal nicht hinkriegt, dann ist man nicht in den Play-offs und verdient es auch nicht, da zu sein. Irgendwann müssen wir das zur Kenntnis nehmen.”

Die Bayreuther haben sich aus dem Rennen um die Play-off-Plätze mit der unnötigen Niederlage wohl endgültig verabschiedet und die Chance vergeben, nach Punkten mit dem achten Platz gleichzuziehen.

Bayreuth muss am kommenden Samstag auswärts bei ratiopharm Ulm antreten. Beim Tabellensechsten treten sie dann hoffentlich wieder als ein geschlossenes Team auf.

Posted by Tanja Freiberger in Panorama, Tanja Freiberger, Unser Oberfranken