Hof

Kletterpark Untreusee: Drei, zwei, eins, flieg!

Kletterpark Untreusee: Drei, zwei, eins, flieg!

 

 

 

Nervenkitzel pur – das verspricht der Kletterpark Untreusee. Für Linda ist es der erste Besuch in einem solchen Park. Wird es ihr gefallen? Und wie kommt es so weit, dass wir schlussendlich beide vom Personal „gerettet“ werden müssen?

Ganz schön hoch“, sagt Linda. Sie schaut nach oben, dann wieder zu mir. „Und da soll ich wirklich rauf?“ Ihre Stimme klingt leicht verunsichert. „Du musst nicht, wenn du nicht willst“, beruhige ich sie. „Aber du wirst sehen: Das macht echt Spaß!“ Linda wirkt noch etwas skeptisch. Sie ist zehn, kennt Kletterparks bis jetzt nur aus dem Internet und aus Werbeprospekten. Cool fand sie solche Parks da aber irgendwie schon immer. Deswegen sind wir jetzt am Untreusee bei Hof – zu Lindas erstem Klettergang. Während Linda noch die vielen Hindernisse über unseren Köpfen bestaunt, habe ich bereits gezahlt. „Kann ich direkt da rauf?“ fragt sie und zeigt auf den Parcour mit dem großen Kletternetz. Ich schüttle den Kopf. „Zuerst musst du hier rauf“ sage ich und deute auf den mit Abstand kürzesten und niedrigsten Parcour des Parks. Diese Schritte muss jeder Kletterer am Anfang durchlaufen: die Einweisung. Hier zeigt ein ausgebildeter Kletterer den Umgang mit Karabinerhaken, Sicherungsseilen und Parcour-Elementen.

Nachdem unsere Beine den Weg durch die dafür vorgesehenen Schlaufen im Klettergurt gefunden haben und alle Gurtschnallen festgezogen sind, stehen auch Linda und ich vor dem Einweisungs-Parcour. Ein circa 18-jähriger mit Klettergurt und rotem T-Shirt mit dem Logo des Parks erklärt uns kurz und knapp, wie wir uns beim Klettern verhalten müssen: Auf einer Plattform dürfen maximal zwei Personen stehen, die ausgeschilderten Wege dürfen nicht verlassen werden und, ganz wichtig: immer gesichert bleiben! Für unsre Sicherheit ist der Klettergurt um unsre Hüften zuständig. Daran steckt ein dreieckiges Metallteil, in einer Sicherungsschlaufe hängt ein Karabiner, in der anderen eine Seilrolle. Solange man sich im Parcour aufhält, muss immer mindestens eine dieser Sicherungen mit dem Hindernis verbunden sein. Linda hört interessiert zu. Als der junge Mann den Parcour vorklettert, verfolgen ihre Augen jede seiner Bewegungen genau.

Jetzt sind wir an der Reihe – wir müssen zeigen, dass wir die eben gelernte Theorie auch umsetzen können. Linda fängt an. Sie zieht den zu sich, der am ersten Hindernis befestigt ist. Sie hängt ihn in das Metalldreieck an ihrem Gurt und klettert geschickt die Leiter hinauf. Oben angekommen sichert sich Linda mit ihrem Karabiner an dem roten Band, das um den Baum herumführt. „Sehr gut, weiter so“, ruft ihr der Klettertrainer zu. Linda hangelt sich am Baum entlang zum nächsten Hindernis: eine Seilbahn. Hier kommt die Seilrolle zum Einsatz. Linda hängt sie ins Stahlseil. Dann löst sie ihren Karabiner vom roten Band, klippst ihn ebenfalls ins Stahlseil und hängt den Karabiner schließlich über sie Seilrolle. Einen kurzen Moment hält sie inne, wirkt etwas verunsichert. „Setz dich rein“, rufe ich ihr zu, „der Gurt hält dich!“ Irgendwie wirkt sie noch nicht ganz überzeugt. Aber sie vertraut ihrer Sicherung schlussendlich doch und lässt sich in den Klettergurt fallen. Er hält sie problemlos. Linda lacht. Jetzt, denke ich mir, hat sie ihre Scheu überwunden.

Und ich sollte recht behalten: Linda traut sich jetzt. Als wir beide die Einweisung problemlos durchlaufen haben, will sie direkt auf den roten Parcour mit der großen Kletterwand. Ich bremse sie: Wir sollten langsam anfangen. Langsam anfangen bedeutet „weiß“. Die verschiedenen Klettersteige sind mit Farben gekennzeichnet. Sie stehen am Beginn des Parcours auf kleinen Schildern. „Weiß“ und „blau“ sind die beiden einfachsten Parcours – sie sind für alle Kletterer freigegeben, die größer als 1,20 Meter sind. Wir wollen mit einen der beiden Parcours starten. Linda entscheidet sich für den weißen Parcour. Sie klettert voraus. Linda ist sportlich. Sie turnt gerne, ist gelenkig und geschickt. Das Klettern macht ihr Spaß. Ich merke aber schnell, dass sie der einfache Parcour nicht wirklich herausfordert. Also: auf zu Stufe zwei!

Acht Parcours und zwei Fun-Parcours mit insgesamt 111 Stationen stehen uns im Kletterpark Untreusee zur Auswahl. Linda dreht sich im Kreis und schaut dabei nach oben. „Schwarz!“ sagt sie dann irgendwann. Mein Blick wandert von ihr zur Parcour-Beschreibung und dann wieder zu ihr. „Parcours schwarz (schwierig!!!), Körpergröße ab 1,40 Meter“ steht auf dem Schild. Ich wollte ja weder an Lindas noch an meiner Stärke zweifeln, aber irgendwie war ich mir nicht ganz sicher, ob wir diesen Parcour schaffen würden. „Sicher?“ frage ich Linda. Sie nickt begeistert. „Ja gut“, sage ich mir, „wir haben gerade erst angefangen. Jetzt haben wir wenigstens noch Kraft.“

Linda klettert wieder voraus. Das erste Hindernis ist ein großes Netz, das steil nach oben führt. Für Linda kein Problem, für mich die erste Herausforderung des Tages. Als ich keuchend und mit schmerzenden Händen oben angekommen bin, ist Linda schon drei Hindernisse weiter. Ich seufze. Das kann ja lustig werden. „Kommst du?“ ruft Linda mir zu. Ehe ich antworten kann, hat sie sich schon wieder dem nächsten Hindernis zugewandt. Ich schüttle meine Hände und hänge meinen Karabiner in das rote Band um den Baum. Weiter geht´s! Neun Meter über dem Boden balancieren wir über Holzbretter, schwingen an Seilbahnen entlang und hangeln uns von einem wackelnden Steigbügel zum nächsten:

Als Linda auf einer Plattform Pause macht um auf mich zu warten, entdeckt sie eine der größten Attraktionen des Parks: die lange Seilbahn über den Untreusee. Damit ist klar, welcher Parcour unser nächster sein wird. „Guck mal, da müssen wir hin!“ ruft sie mir zu und zeigt auf die andre Seite des Sees, wo die Seilbahn endet. Ich kann ihrem Finger gerade nicht folgen – denn ich kämpfe gerade mit dem rollenden Baumstamm, der mich einfach nicht zu Linda auf die nächste Plattform lassen möchte. Mein Gleichgewicht war noch nie besonders gut. Dieses bewegliche Holz ist ein Gegner, der mir deutlich überlegen ist – ich gebe auf. Leicht genervt lasse ich mich in die Sicherung fallen und hangle mich mit Händen und Füßen zur nächsten Plattform. Als ich dort ankomme, ist Linda schon wieder weg. Der Ehrgeiz hat sie gepackt – jetzt geht´s so schnell wie möglich zum goldenen Parcour mit der Seeüberfahrt.

Das Ende des schwarzen Parcours ist für mich schon fast eine Erlösung. Ich klettere gerne, aber mit Lindas unfassbarem Tempo mitzuhalten war für mich schon fast eine Herausforderung. Irgendwie kann ich sie dazu überreden, eine kurze Pause zu machen. Wir setzen uns auf eine der Bänke inmitten des Kletterwaldes und trinken das Wasser, das wir mitgebracht hatten. „Und, wie gefällt´s dir?“ frage ich sie. Lindas Blick wandert von einem Kletterelement zum nächsten. Ihre blauen Augen strahlen. „Voll cool“, sagt sie dann und trinkt einen Schluck, „Ich will das auf jeden Fall nochmal machen!“ Ich grinse. Mit dieser Antwort hatte ich schon gerechnet. „Wir kommen hier auf jeden Fall nochmal her“, verspreche ich ihr. Linda trinkt noch einen letzten Schluck, dann verstaut sie die Flasche wieder im Rucksack. Während sie ihre blonden Haare noch einmal neu zu einem Pferdeschwanz bindet, springt sie schon auf und läuft zum goldenen Parcour – Seeüberfahrt, wir kommen!

Wir haben heute Gegenwind“, ruft uns einer der Klettertrainer zu und gibt Anweisungen, wie wir uns auf der Seilbahn verhalten sollen: Anlauf nehmen, springen, Beine nach oben ziehen, ruhig halten. Linda will wieder die Erste sein. Als sie die Rolle in das dicke Seil hängt, zittern ihre Hände. Sie schaut kurz nach unten. Für einen ganz kurzen Moment denke ich, der Mut verlässt sie. Aber ich weiß, dass Linda mutig und abenteuerlustig ist. Die Chance, über einen See zu fliegen, würde sie sich nicht entgehen lassen. „Wir sehen uns auf der andren Seite“, sagt sie zu mir. Dann zählt sie langsam von drei abwärts. Sie springt, ich schubse sie kräftig an. Meine Augen verfolgen ihren Flug ganz genau. Ein Windstoß weht mir eine Haarsträhne ins Gesicht. Ich bemerke, dass Linda langsamer wird. Zwei Drittel der Strecke hat sie bereits hinter sich gebracht. Jetzt rudert sie verzweifelt mit den Beinen. Der Wind hat sie ausgebremst – Linda steckt fest.

Einer der Klettertrainer hat Lindas Fahrt vom Boden aus beobachtet. Er hat schon lange vor mir gemerkt, dass die Kleine es nicht bis zur anderen Seite schafft. Er klettert zu mir nach oben, hängt Seilrolle und Karabiner ins Stahlseil und fährt Linda hinterher. In seiner rechten Hand hält er einen Klotz. Damit bremst er kurz vor Linda ab. Von der Startplattform aus sehe ich nicht genau, was sich dort über dem See abspielt. Es dauert jedenfalls nicht lange bis Linda wohlbehalten auf der anderen Seite des Sees angekommen ist. Jetzt bin ich an der Reihe. Der Wind bläst. Ich warte ab. Wenn ich die Augen zusammenkneife, erkenne ich, dass Linda mir zuwinkt. Der Wind beruhigt sich. Ich hole Anlauf und springe. Von hier oben ist die Aussicht grandios. Ich erkenne den großen Spielplatz am Ufer, den Bootssteg, das riesige Holzlabyrinth.

Doch der atemberaubende Flug ist schneller zu Ende als mir lieb ist: eine Windböe kommt. Nur noch ein Meter bis zum Ziel. Sie bremst mich gnadenlos aus – auch ich hänge fest. Der junge Mann im roten T-Shirt, der gerade eben schon Linda zur anderen Plattform gezogen hatte, hängt seine Sicherung wieder ins dicke Stahlseil. Er kommt auf mich zu, hält mich mit seinen Beinen fest und hangelt sich zur Plattform. Ich bedanke mich bei ihm. Linda ist schon wieder weitergeklettert. „Passiert das oft, dass jemand auf der Seilbahn steckenbleibt?“ frage ich unseren „Retter“. Der schüttelt mit dem Kopf. „Eigentlich nur sehr selten“, sagt er dann. „Nur wenn der Wind so stark weht wie heute.“ Wir klettern weiter. Auch wenn Linda und ich die Seeüberfahrt toll fanden – eine Fahrt genügt uns für den heutigen Tag völlig.

Unsere Kräfte schwinden langsam aber sicher. Aber irgendwie brauchen wir doch noch einen kleinen Nervenkitzel, beschließen wir. Neben den acht Parcours in verschiedenen Schwierigkeitsstufen gibt es noch zwei Fun-Parcours. Die haben es uns irgendwie angetan. Beide sind anstrengend – zu anstrengend, um sie nacheinander auszuprobieren. Also teilen wir uns auf. Linda entscheidet sich für „ring the bell“: Wer die Spitze des elf Meter hohen Knotenseils erreicht und die oben befestigte Glocke läutet, erhält zur Belohnung einen Schokoriegel. Das wurde uns zumindest bei der Einführung gesagt. Linda probiert ihr Glück. Sie ist flink. „Kein Problem für sie“, denke ich. Doch bei der Hälfte fängt sie an zu keuchen. Irgendwann muss sie dann kapitulieren.

Jetzt bin ich dran: „jump and run“ erwartet mich. Die neun Meter hohe, sehr schmale Strickleiter kostet mich meine letzten Kräfte. Als ich oben angekommen bin, muss ich mich erst einmal setzen. Die Verschnaufpause nutze ich dafür, mir meine bevorstehende Aufgabe anzusehen: Von meiner Plattform aus soll ich mit viel Schwung abspringen und dann auf der gegenüberliegenden Plattform landen. Ich nehme Anlauf und springe – ins Leere. Mein Sprung war nicht weit genug, ich fliege an der Plattform vorbei. Die Sicherung lässt mich sanft zu Boden gleiten. Linda lacht. „Wir haben´s beide nicht geschafft“, lacht sie. Ich schüttle meine Hände aus. „Feierabend“, keuche ich, „Ich bin total kaputt!“

Den Abend verbringen Linda und ich am schönen Untreusee. Die Sonne ist warm, der frische Wind sorgt aber für eine angenehme Temperatur. Linda zieht die Schuhe aus und hält die Füße ins Wasser. „Voll schön hier“, sagt sie. Ihre Augen verfolgen einen Kletterer, der gerade die Seeüberfahrt überquert. Er kommt am andren Ende an. Auf dem Spielplatz hinter uns schreien Kinder, über den Untreusee schwimmt ein kleines Boot. Wir sitzen auf einem Stein am Wasser und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Keiner von uns sagt ein Wort. Wir hören den Wellen zu, den Menschen um uns herum, dem leisen Surren der Kletterer, die über den See fliegen. „Wir sollten hier öfter herkommen“, unterbricht Linda die Stille, „Das nächste Mal nehme ich meine Freunde mit!“

Posted by Marina Richtmann in Freizeit, Marina Richtmann, Unser Oberfranken
Hofer Schlap­pentag

Hofer Schlap­pentag

Der Hofer Schlappentag – oder der Hofer „Nationalfeiertag“, wie er von Einheimischen genannt wird - ist das wohl älteste Zunftfest Deutschlands. Er findet traditionell genau eine Woche nach Pfingstmontag statt. Erkennungsmerkmal ist das extra gebraute Starkbier, das Schlappenbier.

Die Geschichte des Hofer Schlappentags

Die Geschichte dieses Festes geht zurück auf das Jahr 1430. Hussiten stürmen ohne nennenswerten Widerstand Hof. Die Hofer wandten sich daraufhin an den Markgrafen von Brandenburg, der ihnen zehn Jahre Steuerfreiheit gewährte, allerdings unter der Auflage, dass sich die Hofer fortan mit Handfeuerwaffen ausrüsten müssen. So entstand 1432 die Schützengilde; sie rekrutierte hauptsächlich Handwerker. Regelmäßige Übungen waren Pflicht, ansonsten drohte Strafe.

Übung im Schießhäuschen

Um dieser zu entgehen, gingen viele Schützen am letzten Tag des Schießjahres, nämlich dem Montag nach Pfingstmontag, in Arbeitskleidung und Holzschuhen (Schlappen) zum Schießhäuschen. Dafür sprach ihnen der Landesherr Privilegien zu. Auf dieser Tradition basiert der Schlappentag – er geht also zurück auf das Jahr 1432 und ist damit fast 600 Jahre alt.

Alle Jahre wieder

Jedes Jahr folgt der Schlappentag demselben Ablauf: Nach dem Umzug der Schützengilde wird das erste Fass angestochen. Bereits am Tag vor dem eigentlich Fest findet das Schlappenschießen statt, bei dem Personen des öffentlichen Lebens, Handwerker und Schützen ihre Schießkünste unter Beweis stellen müssen. Die drei ersten Plätze dürfen ein Jahr kostenlos auf allen öffentlichen Parkplätzen in Hof parken.

Mehr Infos zum Schlappentag.

Posted by LauraSchmidt in Freizeit